Trinkt mehr Rieslingsekt!

Zu safranisierter Zwiebelbirnenquiche zum Beispiel. Denn Safran macht den Zwiebelkuchen gehl. Und Bardong-Sekt den Morgen hell. So einfach ist es um das Genussverhalten im Hause Utecht bisweilen bestellt.

Ansonsten sind hier die Arbeiten, mit diesem durch und durch mittelprächtigen Jahr abzuschließen, in vollem Gange. Das Zeugnis ist noch nicht geschrieben, die Tendenz aber eindeutig uneinheitlich. Neben viel Erfreulichem im wirklichen Leben wie auf dieser kleinen Showbühne der digitalen Kommunikation, laufen noch einige private und globale Stresstests. Immerhin endet das Jahr mit einem vollen Keller und weniger Last auf den Rippen. Eroberungen, Neu- und Wiederentdeckungen im Menschenzoo stehen arge Verluste gegenüber. Das Leben ist bunt und Grau mitunter doch eine Farbe. Es gab Anfragen, neben Küchenmusik und -geschwätz auch noch das Feld der Küchenpsychologie zu bestellen. Das ist mir aber eindeutig zu retro und endet meist im Blick zurück im Zorn. Dagegen hilft auf jeden Fall Devendra Banhart – der schafft es sogar, eigentlich unhörbare Oasis-Songs in Popperlen zu verwandeln.

Ob diese ständigen Subtexte emotionaler Zwischen-, Unter- und Obertöne im eigentlichen Sinne nicht reichlich fahrlässig sind, fragte ein Bekannter letzthin. Zugegeben, ein entfernter Bekannter. Bloggerischer Hybris oder schlicht unreflektierter Lamoryanz entsprungen? Ob ich eigentlich wisse, was ich da tue?
Doch wer das wohl sein mag, dieser „ich“? So viel sei verraten: Der Autor dieser Zeilen wird das Ende des Jahres 2011 auf der Insel Zypern verbringen. Die ist auch mindestens einmal geteilt, und doch ein einziger Genuss. Wir werden berichten.

Ich habe viel gelacht in diesem Jahr, oft, wenn es regnete. Auf der Vorabendparty zum Vinocamp zum Beispiel, im Park der Sektkellerei Bardong in Geisenheim. Das war ein Schauspiel, als noch Außenstehender so viele verrückte Weinfreaks und Internetjunkies erst zu beobachten und dann kennenzulernen, nach und nach. Der Sekt von Bardong war definitiv eine meiner Entdeckungen in 2011. Ich habe dieser Tage noch einmal den Brut gegen den Extra Brut verkostet, quatsch, getrunken, bis zur Neige. Der Brut ist definitiv der Morgentrunk, ruppiger, die Kohlensäure nicht ganz so geschmeidig eingebunden, lag er doch ein Jahr weniger auf der Hefe. Der 2006er Erbacher Honigberg Riesling extra Brut hingegen ist nahezu perfekt über den Tag als Begleiter für’s wachsende Wohlbefinden, am Abend als Freund. Viel Schmelz, runde Wucht und herrliche Aromatik von reifen Früchten und Gräsern. Ich freue mich schon darauf, Norbert und Renate auf dem nächsten Vinocamp im kommenden März wiederzutreffen und endlich ihren Keller zu besichtigen.

Zwiebeln mit Birnen und Safran kommen gut miteinander aus, wenn saure Sahne und Eier die Mittler spielen. Und die Grundlage gebaut ist wie hier. Eine andere, deutlich besser Bekannte, äußerte vor Wochen schon die Vermutung, ich schriebe immer verquerer, seit mich jemand für dieses Brigitte-Dingens vorgeschlagen hätte. Ich gestehe, ich war erschüttert. Und alle Stacheln ausgefahren. ICH bin kein Foodblogger. Mein Blog ist ein obskures Tagebuch, ein Inkubator für ansonsten Unausgegorenes. Tummelplatz subjektiver Willkür. Der einzige veröffentlichte Ort, an dem ich willentlich und befreit ICH schreibe.

Das wird sich nicht ändern im kommenden Jahr. Musik wird vielleicht mehr getumbleloggt. Dafür hier mehr gereist: Nach China, an die Hessische Bergstraße, in Nachbarorte. Gedankenflüsse mäandern nicht nur am Niederrhein. Obwohl mir ganz konkret ein Projekt vorschwebt, dass gerade hier verwirklicht werden will: Ein kulturell-kulinarischer Salon, in der Tradition der literarischen des 18./19. Jahrhunderts. Ihr werdet es als erste erfahren.


10 Kommentare on “Trinkt mehr Rieslingsekt!”

  1. Jutta sagt:

    Bei all deinem Tun wünsche ich dir eine glückliche Hand und ein frohes Herz. Ich freue mich auf deine Lebensäußerungen an dieser Stelle, die mir meinen Niederrhein und Vieles vom Rest der Welt so oft nahe bringen, mich nach Hause oder weit hinaus kommen lassen. Deine Sprache beeindruckt mich, die Wahl deiner Worte macht mich froh. Dankeschön, Jörg.

  2. lamiacucina sagt:

    Riesling, der „bessere“ Chardonnay für Champagner.

  3. utecht sagt:

    @jutta
    Das freut mich wirklich. Sehr!

    @robert
    Definitiv!

  4. Wir sehen uns auch nächstes Jahr wieder auf dem Vinocamp !
    Dir ein schönes Fest und einen guten Rutsch !!!

  5. Lakritze sagt:

    Ich lese Dein Blog weniger wegen der Rezepte oder der Musik, sondern wegen schöner Texte. Aber vergiß mal besser diese Brigitte. Write on! Gute Zeit, und schönes Zypern!

  6. missboulette sagt:

    Nun, ich kommer hierher um alles mitzunehmen: Rezepte, Musik, Text, Reise etc und sogar von mir aus Brigitte + Utecht oder Brigitte Utecht?! Keine Angst, ich war’s nicht mit B. Nicht, dass ich es/sie Dir gegönnt hätte, nur hatte ich eine leise Ahnung.

  7. missboulette sagt:

    hier das fehlende nicht

  8. utecht sagt:

    @michael
    Dir auch – und bis zum März!

    @lakritze
    Wer ist denn eigentlich diese Brigitte?

    @mb
    Das Du das ahntest, ahnte ich 🙂

  9. Lakritze sagt:

    Keine Ahnung, wahrscheinlich so eine, die genauso aussieht wie ihre Tochter und die nur Naturkosmetik benutzt bis auf diese sa-gen-haf-te Faltencreme …
    Nich so wichtig. .D

  10. walterlenz sagt:

    Ich wünsche mir, dass du und dein Tagebuch so bleiben. Nix anderes.


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