Gelbe Tomaten, grüner Wein und grauenhaftes Wetter

Nachmittagsmusik: Arturo Fiesta Circo – Il tango dei temporali.

Inzwischen zwingen Sturm und Regen die verbliebenen Sommerreste in die Knie. Am letzten Wochenende schlug das Wetter noch einmal  Funken, die sich auch in unseren Gläsern spiegelten. Und kommunizierten mit den vorzüglichen Tropfen, die Friedrich Bastian auf seiner Insel präsentierte: Der 2009er ist ein fordernder Jahrgang, süffig schmeckt anders; Herausforderung pur. Naturgemäß waren die Varietäten aus dem Posten, mit ihrer Klarheit und Frische und Apfelsäure, meine Favoriten – wobei sich diese Bastian-Spezifik noch verstärkt hat. Mut zur Andersartigkeit ist dem freundlichen Bariton offensichtlich in die Wiege gelegt. Was sich wiederum besonders am Insel-Riesling manifestiert. Aus den 2 ha Rebenfläche resultierte zum ersten Mal nicht nur die gewohnt starke feinherbe Variante, sondern auch eine nachhaltige süße. Weiterhin Lieblinswein.

Neue und alte Rieslingreben auf der Insel

Neue und alte Rieslingreben auf der Insel

Was passt dazu besser als eine Meeresfrüchte-Pasta? Die gab es Sonntag abends, weil alle Zutaten getrocknet (Nudeln), gefroren (Frutti di mare) oder konserviert (gelbe Tomaten aus Kampanien) vorrätig waren. Nur die Kräuter (Salbei, Petersilie, Minze) kamen tropfnass aus dem Garten.

Spaghetti frutti di mare

Spaghetti frutti di mare

Übrigens war vor dem Nudelgenuss die Rückfahrt zu bewältigen – die führte von Bacherach über Osterspai. Zwischenstopp Didinger. Mit Blick auf den Bopparder Hamm (Feuerlay) war recht schnell klar, dass auch hier der 2009er zur Wiederkehr zwingt, besonders die Kabinett-Stückchen. Leider war der aus der Fässerlay schon ausgetrunken.

Blick in den Bopparder Hamm, vom Weingut Didinger aus

Blick in den Bopparder Hamm, vom Weingut Didinger aus

Rezept: Spaghetti frutti di mare …

Rezept: Spaghetti frutti di mare

Zutaten für zwei Portionen (als Hauptgericht – als Primo die Mengen halbieren):

  • 250 g Vollkorn-Spaghetti
  • Olivenöl
  • 1 Schalotte
  • 1 Zehe frischen Knoblauchs
  • 250 g TK-Meeresfrüchte, Bioqualität (Miesmuscheln, Garnelen, Ringe von Tintenfischtuben)
  • 1 Glas halbtrockenen Riesling
  • 1 Dose (400 g) gelbe Tomaten (tatsächlich aus San Marzano, alles weitere dazu sagt Peppinella)
  • Meersalz, schwarzer Pfeffer
  • Salbei, Petersilie, Minze (jeweils einige Blätter), grob gehackt
  • 2 El Tomaten-Concassée (rot)
  • evtl. einige Kapern
  • evtl. etwas Parmigiano

Zubereitung:

  • Nudeln in reichlich gut gesalzenem Wasser fast al dente kochen.
  • Schalotte und Knoblauch in einer weiten Pfanne mit etwas Olivenöl glasig dünsten.
  • Temperatur auf Anschlag und die zuvor unter fließend kaltem Wasser aufgetauten Meeresfrüchte hinzugeben. Unterschwenken.
  • Nach einer Minute pfeffern, ein halbes Glas Wein in die Pfanne (die andere Hälfte, bis auf einen Schluck, in den Koch), einkochen lassen.
  • Hitze reduzieren, evtl. Kapern hinzugeben, auf jeden Fall die Tomaten.
  • Nach wenigen weiteren Minuten salzen. Herd aus. Kräuter rein, auch den letzten Schluck Wein. Schwenken.
  • Spaghetti in die Pfanne, mit Tomaten-Concassée ebenfalls unterschwenken. Anrichten.
  • Ein paar Tropfen apulisches Olivenöl darüber. Fertig.

Obwohl ich ansonsten die Kombination von Kapern und Meeresfrüchten liebe, habe ich in diesem Fall darauf verzichtet. Zu einzigartig ist das fruchtig-leichte Aroma der gelben Tomaten. Eigentlich ist auch Reibekäse nicht vonnöten. Und wer die Kräuter ebenfalls weglässt (dafür dann aber von Beginn ein Lorbeerblatt mitlaufen lässt und am Ende Zitronenabrieb ins Spiel bringt), hat ein extrem präzises Geschmackserlebnis.

Wenn nicht gerade Sonntagabend ist, sind die Früchte frisch und variantenreicher (besonders die Muschelfraktion), Fenchel sowie Sellerie von der Stange dürfen auch mitmachen. Und erfordern ein deutlich exakteres Vorgehen.


2 Kommentare on “Gelbe Tomaten, grüner Wein und grauenhaftes Wetter”

  1. Kirsten sagt:

    Ganz ehrlich, Utecht, wenn ich diese schönen Fotos und dieses wunderbare Mahl sehe, bekomme ich beinahe Tränen in die Augen…

  2. utecht sagt:

    Allerbesten Dank! Die Spaghetti waren perfekt. Einfache cuicina casalinga, immer lecker.
    Nur das mit den Fotos – die Motive mögen ja bestechen. Aber die Umsetzung? Da ist sicherlich noch einige Luft nach oben. Technisch wie künstlerisch…


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