Möhren-Mais-Kuchen mit Birnen und Höri Bülle, saurer Sahne, Majoran und Anis. Und mit Bleu d’Auvergne und Emmentaler. Und überhaupt.

Irgendwo zwischen Zwiebelkuchen, Pizza Rumfort und einer Idee von Christian Jürgens (im SZ-Magazin vom letzten Freitag) angesiedelt war dieses klassische Resteessen. Also weit entfernt von kulinarischer Klarheit und Genussdogma. Wenn ich so etwas mache, selten, dann nur, weil Experiment und Nachhaltigkeit nicht Selbstzweck bleiben, sondern Geschmacksgewinn versprechen. Was im aktuellen Fall mehr als eingelöst wurde. Besonders die Karotten im Hefeteig – wo Jürgens blöden Kürbis nimmt – sowie die klassische Birnen-Blauschimmel-Nummer und diese Zwiebeln. Diese Zwiebeln: einige Sätze dazu.

hbEin bauchiges Brieflein brachte der Bote vor Tagen ins Gesindehaus. Darin fünf rote Zwiebeln. Und einige Zeilen vom dienstältesten deutschsprachigen Winzerblogger und verehrten Genussfreund Thomas Lippert. Der sich erinnert hatte an eine Diskussion vor Jahren, über alte Gemüsesorten und deren Bewahrung. In der diese milde Zwiebel vom Bodensee eine Rolle spielte, Archepassagier, Höri Bülle mit Namen. Die ihm auf dem Markt in seinem neuen Heimatort am See in den Einkaufskorb gelangt war. Dass er eine Probe flugs eingetütet und rheinabwärts versandt hat, hat mich erstaunt. Verzückt. Beschämt. Danke!

Zurück zum Hefeteig-Bastard. Dazu habe ich eine dicke Oxhella-Möhre gegart und mit einer gleichschweren Mehlmischung (halb Weizenvollkorn, halb Mais) und etwas Hefe, handwarmer Milch sowie einer Prise Salz lustvoll verknetet. Etwas Anissaat fand auch noch in den Teig, der dann ein paar Stunden ruhte und wuchs. Währenddessen inspizierte ich die Vorräte und legte bereit: die erwähnten Zwiebeln, einen Rest Bleu d’Auvergne sowie ein ordentliches Stück vom guten Emmentaler, ein Mini-Zucchino, eine Birne.

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Aus saurer Sahne, gehacktem frischem Majoran und Salz habe ich einen Guss gerührt. Der kam auf den auf einem Backblech ausgerollten Teig. Darauf dann die fein gehobelten Zwiebeln, Zucchinischeiben, Birnenschnitze und beide Käse. Bei 220° für circa 12 Minuten im Ofen gebacken – wobei nach der Hälfte der Zeit schon ein derart wild aromatischer Duft durch’s alte Gemäuer drang, dass Contenance zu bewahren schwer fiel. Dazu habe ich ein nicht zu wuchtiges Altbier getrunken. Und konnte nicht genug kriegen von beidem.


Pilze, Zwiebelkuchen – und eine letzte Sommersehnsucht

Landleben im Herbst. Daran führt nun kein Weg mehr vorbei. So stelle ich mich dem Verlust der warmen Jahreszeit, nicht umsonst ist nun eine Phase des Übergangs, des Abschiednehmens.  Drei Strategien des Umgangs damit:

Hingabe. Samt emotionaler Verstärkung. Aber weit entfernt von Lamoryanz. Ich höre:
Ai Phoenix – A countrylife in the autumn

Sublimierung. Kulinarische Überhöhung. Mittels kalorienbetonter oder aromatenschwangerer Leibspeisen Ablenkung kreieren. Ich radel nach Dülken, zu Sergio ins La Tavola, esse Steinpilze. Und backe Zwiebelkuchen. Mit Apfel.

Zwiebelkuchen im letzten Sommersonnenschein

Zwiebelkuchen im letzten Sommersonnenschein

Reminiszenz. Was im Wortsinne Erinnerung bedeutet. Und inzwischen doch mehr meint: Ein Loblied. Ich singe es auf den Nachmittag im Julei, da wir im Schatten saßen, mit süßem Wein und Eiskuchen. Darum: Rettet die Grillagetorte! (Verbunden mit der Hoffnung, dass Heinz Lamers diese wichtige Initiative wieder mit Leben füllt.)

Rezept: Zwiebelkuchen mit Apfel…
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