Gemüse des Monats: Gartenbohnen

Ich folge mit der Überschrift dieses Artikels dem Lexikon der alten Gemüsesorten, einem äußerst verlässlichen Referenzwerk in Sachen Gemüsegeschichte und zum Thema „alte Sorten“. Dort wird die Bezeichnung „Gartenbohne“ (Phaesolus vulgaris) als Oberbegriff für die beiden Varietäten Stangenbohnen und Buschbohnen verwendet. Im Nettetaler Garten meiner Eltern, wo recht eindeutig meine kulinarbotanischen Wurzeln liegen, wurden beide ganz pragmatisch als „grüne Bohnen“ bezeichnet. Und waren gleichermaßen Grundlage für deftige Eintöpfe wie „Schnibbelbohnen mit Kartoffeln und Speck“, milchsauer Vergorenes wie die klassisch rheinische Saure-Bohnen-Suppe (aka Tütensuppe) oder aber für einen erfrischenden Bohnensalat.

Für letzteren und als Gemüsebeilage verwende ich heute vorzugsweise Wachsbohnen – das sind die frühreifen gelben Hülsen. Für ganze Gerichte aus einem Topf – die Grenze zwischen Suppe und Eintopf lässt sich dabei nicht ganz eindeutig ziehen – sind grüne Buschbohnen erste Wahl. Stangenbohnen kommen in meinem Bohnenranking nur auf den dritten Platz – was unter anderem daran liegen mag, dass sie als letzte reifen und dann immer schon die gröbste Bohnenlust gestillt ist.

Zu den Fakten: Unsere Gartenbohne stammt ursprünglich aus den Anden, und zwar von der wilden Schlingpflanze Phaesolus aborigineus. Spätestens von den Inkas wurde sie kultiviert und galt als Arme-Leute-Essen. 1543 tauchte sie unter der Bezeichnung „Welsch Bone“ erstmals in Europa auf (beschrieben vom Vater der Botanik Leonhard Fuchs im New Kreuterbuch). Zu der Zeit gab es alleine Stangenbohnen – die niedriger wachsenden Buschbohnen sind wohl im 17. Jahrhundert als spontane Mutation entstanden. Heute hat die Buschbohne die kletternden Sorten aber aus dem Erwerbsanbau praktisch verdrängt und gehört zu einer der wichtigsten Gemüsepflanzen weltweit. In rheinischen Gärten jedoch finden sich noch viele Stangenbohnensorten.

Im erwähnten Gemüselexikon wird auch eine inzwischen fast verschwundene (außer in einigen Saatgutbanken) alte fadenlose Buschbohnensorte beschrieben. Dabei handelt es sich um die Paas Lintorfer Frühe (Slowfood-Archepassagier). Diese frühe, fleischige und milde Bohne wird heute unter anderem noch von Thees in Willich erhalten. Dort kann entsprechendes Saatgut erworben werden.

Das folgende Rezept – auch hier ein klassischer Zwitter aus Suppe und Eintopf – ist inspiriert durch Ideen von Oma Greven, Stevan Paul (#dveg) und meiner Mutter. Bohnen mögen kräftige Kräuter, eine fettige Komponente und einen guten Schuss Säure. Und ich mag die so entstehende Gemüsekomplexität.

bohnen1

Grüne-Bohnen-Suppe

500 g grüne Bohnen
3 Kartoffeln
1 grüner Apfel
2 Zwiebeln
1 l Gemüsebrühe
Butter
Semmelbrösel
Zitronenabrieb
Majoran, Bohnenkraut
1 Lorbeerblatt
Semmelbrösel
Vollmilchjoghurt

Zwiebeln in Spalten schneiden und in Butter goldig anbraten. Kartoffelwürfel hinzu sowie das Lorbeerblatt und das Bohnenkraut, mit Brühe auffüllen und aufkochen. Bohnen und Apfelwürfel in den Topf und alles 10-15 Minuten köcheln. Salzen und Pfeffern. Eine Mischung aus Bröseln, Zitronenabrieb und fein gehacktem Majoran in Butter bräunen.
Die Bohnen in tiefe Teller füllen, einen Klecks Joghurt darauf sowie ein Esslöffel Majoranbrösel.


Dieser Beitrag ist der zwanzigste in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht.


Wie oft musst Du vor die Wand laufen, bis der Himmel sich auftut?

2007 war kein gutes Jahr. Darin übrigens 2009 ganz ähnlich. Tatsächlich zuviel Wand, ganz selten Himmel. Eine musikalische Überraschung jedoch, etwas gänzlich unerwartetes Großes widerfuhr mir und allen, die in den 80/90ern ihr Herz an deutschsprachige Indie-Musik verloren hatten. Die Flowerpornoes waren wieder da, nach über 10 Jahren Funkstille, mit einem großartigen Album, das ums erwähnte Laufen und Auftun sich drehte. Rock’n’Roll für vegane Ex-Hippies mit ausgeprägtem Vaterkomplex. Oder eben Typen wie mich, die sich nie entscheiden können zwischen Brahms und Blumfeld, Mahler oder m.walking on the water. Übrigens: Alle hier erwähnten haben großartige Kinderlieder im Œuvre.

Und ganz besonders Tom Liwa aus Duisburg, Ruhrgebiet und Niederrhein. Der liebenswürdigste Kauz des hiesigen Popbusiness. Auch ohne die Flowerpornoes im besten Wortsinne ein großer Lieder-Macher. Wie ich überhaupt darauf komme, wirre Gedanken zu seltsamen musikalischen Topoi abzusondern? Bin mal wieder auf Toms Internet-Präsenz gelandet und habe erfreut festgestellt, dass er weiterhin die gute antikapitalistische Tradition des hintergedankenlosen Verschenkens aufrecht erhält. Drei Songs – darunter eben auch eine Kinderliedadaption – sind’s momentan. Anhören! Und wenn er mal in Eurer Nähe auftritt: Hingehen!

Übrigens: Als vor ein paar Jahren für manche musikschaffende Nachgewachsene aus New York (wie CocoRosie oder Animal Collective) die Schublade „Freakfolk“ erfunden wurde, dachte ich sofort, was wohl der Tom darüber denkt. Muss ich ihn mal fragen.

Und: Wenn ich mit Tom Liwa eine Farbe verbinde, dann gelb. Was mich wiederum zu einem Gang auf den Markt animiert (Okay, ich wäre sowieso gegangen.). Nachschauen, ob es endlich die ersten gelben Bohnen (Wachsbohnen) gibt. Jedes Jahr um diese Zeit die gleiche Vorfreude auf eine gleichermaßen einfache wie delikate Sache: Mit wenig gesalzenem Wasser dampfgaren. Dann in Butter und einigen Spitzen Bergbohnenkraut aus dem Garten schwenken. Mit einer neuen Kartoffel zusammen der perfekte mittägliche Imbiss.