Abends in Düsseldorf

Und dann gibt es diese Zufälle im Leben eines Foodies:
Abends, an der Theke meines zweitliebsten Sushi-Restaurants, in der Landeshauptstadt, komme ich ins Gespräch mit meinem Nebenmann. Weil mich interessiert, was er da gerade isst. Battera-Sushi, meint er, Osaka-Style. Makrele mit Reis, gepresst. Und dann gerät er ins Schwadronieren, über Fischqualitäten und Fangmethoden und fragt nach meinen liebsten Adressen. Es entspinnt sich eine überbordende Fachsimpelei mit strahlenden Gesichtern auf beiden Seiten. Irgendwann lässt er fallen, dass er Fischhändler sei und in Japan gelernt habe. Und nicht nur dieses Lokal beliefere – sondern „alle, die Wert auf guten Fisch legen“. Das scheint zu stimmen, wenn man sich seinen Internetauftritt so anguckt.

sushi

Toko-Jo-Sushi im Kikaku, Düsseldorf

Ein wirklich inspirierendes Gespräch, in dem ich viel lerne über Netze und wie man sie flickt, über den Fischmarkt in Tokyo und dass neben Düsseldorf ausgerechnet München die deutsche Stadt sei, in der es die besten Fischqualitäten gebe. Und dann erreicht mich auf dem Nachhauseweg in der S8 eine Nachricht vom Guide Michelin via Instagramm. Ob sie ein Foto von mir nutzen dürften für ihre Veröffentlichungen. Why not?
Tage gibt’s…


Liegt Uerdingen in Vietnam oder ein weiterer Grund, warum Vancouver die beste Stadt der Welt ist

Schifferklavier und Fisch passt gut. Und da ich in den letzten Wochen einen fast schon abseitigen Hang zu Akkordeon-Musik habe (vielleicht ist es aber auch nur unterbewusste Vorfreude auf Sonntag), bin ich schließlich beim Klassiker des Klezmer-Punk, Geoff Berner, gelandet. Der „Lucky Goddamn Jew“ aus Vancouver konzertiert übrigens im Oktober hierzulande – hingehen, hören und staunen. Trinken und tanzen.

Eigentlich war heute Zeit für ein weiteres Kapitel meiner unendlichen Suche nach akzeptabler vietnamesischer Kochkunst am Niederrhein. Verwegenes Unterfangen, ich weiß. Dennoch rollte ich zum Rhein hinab, nach Uerdingen, ins Herz industriepolitischer Finsternis. Wo dennoch gastronomische Blüten im Verborgenen gedeihen, wie das La Riva oder das Chopelin im Casino. Und es eine gar vorzügliche Canh Chua gäbe, dies wurde mir zumindest zugetragen.
Familie Nguyen betreibt am unteren Ende der Fußgängerzone ein Lokal namens Chi Sushi. Natürlich habe ich wieder mal keinen Bissen Vietnam genossen, dafür aber die geballte Energie rohen Fischs.

M10 im Chi Sushi

M10 im Chi Sushi

Bei Chinesen, die ne Pizzabude betreiben, hört mein Pioniergeist in der Regel auf. Da ich aber mein bestes Sushi bisher in Bangkok aß (und zwar im Fuji-Restaurant im MBK-Center), und Onkel Ho’s Neffen und Nichten kulinarisch sowieso alles können, wagte ich – und gewann. Ein perfektes Mittagessen (samt sanftrauchiger Misosuppe und Jasmintee). Einen neuen netten Menschen (Besitzerstochter Marie, charmant und kompetent, welch seltene Kombination). Einen stimmigen Ort (welches Lokal kann sich schon einer exzellenten Musikauswahl rühmen, wenn es nicht Club ist, und ist so luftigleicht gestaltet und doch auch klassisch). Schließlich die Gewissheit, wiederzukommen.

Um dann die Phở zu versuchen. Oder die Nem. Ganz bestimmt einen Lẩu. Ich hab’s versprochen.
Solange höre ich Fukui, das neue Album von Stella.