Päffgen, Hokkaido, SCHWARZMARKT, Eritrea, Stappen, songoftheday.

Unübersichtliche Gemengelage, dieser Tage. Allerlei passiert und doch ist wenig dabei, das einer intensiven, ausführlichen Auseinandersetzung hier auf dem Blog – im Themenkontext Kulinarik und Landliebe – wert wäre. Doch ein paar Hinweise will ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten. Mögen sie nützen.

So war ich zum Beispiel gerade Mittagessen. Im vielleicht ehrwürdigsten Brauhaus von Köln, wegen Tradition und Lage geschätzt von vielen Menschen. Hiesige, Immis und Touristen treffen sich im Päffgen auf der Friesenstraße zum tatsächlich besten Mittagsbier der Stadt, denn so süffig, bekömmlich (!) und widerstandslos rinnt kein anderes Kölsch durch die Kehle zur Unzeit. Früher war alles besser? Zumindest tranken die Menschen in der Domstadt vor Jahren weit häufiger in der Büropause ein solches Leichtbier zum eher schweren Essen. Heute ist wenig los im Gastraum, der Köbes freut sich über meinen rheinischen Zungenschlag und bringt mir die schlechtesten Reibekuchen, die ich in den letzten Jahren auswärts aß. (Kaum kartoffelig im Geschmack, zuviel Ei und Mehl.)

Deutlich besser war der Flammkuchen Hokkaido, den ich letzthin buk und aß. Weil der Deutschen Lieblingskürbis aktuelles Gemüse des Monats ist auf dem Lenßenhof und ich die Kombination bei einer Freundin kennenlernte und fix adaptierte. Nicht zuletzt der Farbe wegen: Orange ist mein Liebling in allen Zusammenhängen und stets Trigger für Neugier. Den Teig mache ich ohne Hefe, dafür mit Eigelb und Öl. Den aufgestrichenen Schmand habe ich mit einer Gewürzmischung aus Ingwer, Macis, Nelke, Anis, Zimt, Koriander, Fenchel sowie mit Salz gewürzt. Das Ganze kam dann mit Hokkaidoschnitzen für vier Minuten in den 260° heißen Ofen. Und war ein Gedicht.

Übrigens findet am 24. September schon der achte SCHWARZMARKT in Köln statt. Im Marieneck in Ehrenfeld, wie immer. Dieses Mal – jahreszeitlich begründet – eine kulinarische Tauschbörse als Erntefest. Für alle, die noch nie dabei waren, verlinke ich hier einmal die Facebook-Veranstaltung. Dort sind alle Informationen gebündelt zu finden. Kürbisse gab’s bisher allerdings noch nie. Kommt vorbei!

Gestern hingegen war eritreisches Neujahrsfest. Wir haben es mit meinen Männern in deren Unterkunft in der Korschenbroicher Regentenstraße gefeiert. Für Menschen, die das erste Mal mit der Küche aus dem eritreisch-äthiopischen Raum in Berührung kommen, ist es anfangs meist eine Überwindung, ohne Messer und Gabel zu essen. Zum Aufnehmen der Speisen – und als Unterlage – werden Injera verwendet (und ebenfalls gegessen). Dies sind leicht säuerliche, schwammig weiche Fladenbrote aus Teffmehl. Dazu gab es verschiedene Zubereitungen vom Schaf, das Herzragout hat mir besonders gut geschmeckt. Und überrascht war ich von der Tatsache, dass ich trotz der traditionell zu diesem Anlass zu trinkenden drei Tassen Kaffee gut geschlafen habe, später in der Nacht.
Ein anderer, aus Afghanistan stammender, junger Mann, dem ich das eine oder andere Wörtchen Deutsch mitgeben durfte in den letzten Monaten, hat nun eine Ausbildung begonnen im Lieblingsdorfgasthaus. Das freut mich riesig für B. Wir waren Sonntagabend im Stappen und wurden dort auf verlässliche Art und Weise satt und glücklich gemacht. (Auf dem Foto: „Yellow-Fin Thunfischtatar mit Yuzu und spicy Avocado-Mangosalsa“)

Zum Abschluss dieser zugegeben bunt zusammengewürfelten Gedankensplitter sei mir noch der Hinweis erlaubt auf den Zweitblog. Unter songoftheday., meinem Popkulturtumblr, poste ich (fast) jeden Tag ein Lied. In sechs Jahren sind nun beinahe 1.500 Stücke zusammengekommen. Das Ganze ist mir Musikarchiv, eine Übung in Disziplin und Herzenssache. Und sei euch hiermit herzlich anempfohlen.

 


songoftheday: Was Ihr wollt!

Vor einigen Wochen habe ich meinem ursprünglich auf Facebook begonnenen Projekt – jeden Tag einen Song zu posten – eine eigene digitale Heimstatt gewidmet. songoftheday. funktioniert technisch prima als Tumbelog. Damit war ich einer von Hunderttausenden, die diese Infrastruktur zur schnellst wachsenden Plattform unter den (Micro-)Blogsystemen im Jahr 2011 gemacht haben.

songoftheday.

Anstoß dazu gaben Freunde, die zwar meine Musiktipps mögen, aber eben nicht geschlossene soziale Netzwerke. Hätten bei mir selber nicht professionelle Notwendigkeiten Pate gestanden, wäre ich garantiert auch ein Facebook-Abstinenzler. Doch inzwischen bereitet der dortige „Freundeskreis“ durchaus Freude und eine Reihe mir heute wichtiger Menschen lernte ich so kennen. Doch dies nur am Rande. Eigentlich geht es hier und heute um die Frage, ob meine Tageslieder nicht ein zu nacktes Dasein fristen. Denn die Grundidee „Ein Tag, ein Song, keine Worte“ erscheint mir selber zwar nach wie vor charmant, schöpfe ich ja aus einem immer noch üppigen Informationsfundus aus vergangenen musikjournalistischen Tagen. Doch wie mir manch Feedback bedeutet, kann nicht jeder die bisweilen oberflächlich krude Mischung nachvollziehen oder gar zum Genuss werden lassen – so gänzlich erklärungslos.

Suchmaschinen freuten sich natürlich auch über Worte. Außerdem wäre dann die Möglichkeit gegeben, dem eigentlichen Sinn des Internetzes gerecht zu werden: eben dem Vernetzen (in diesem Fall: Links setzen). Mein Aufwand, der bisher in der Regel in einer halben morgendlichen Stunde  besteht, erhöhte sich nur marginal. Doch was wollt Ihr? Eine Fortsetzung des nackten Pop-Eklektizismus oder aber auch noch Wissen vor Acht? Die Zusammensetzung dieses Endlosmixtapes wird allerdings bestehen bleiben: Zwei Drittel Neuerscheinungen, den Rest grabe ich aus meinem musikalischen Langzeitgedächtnis.