Ohrensausen und Banh mi

Die Vorbereitungen waren getroffen, alle wirkten fokussiert. Pünktlich verschwand die Sonne. Ein leichter Niesel setze ein, später dann wuchs sich dies wohl aus in einen prasselnden Landregen. Adrenalinüberschuss und Kammerflimmern ließen jedoch solch Banalitäten nicht über die Wahrnehmungsschwelle schlüpfen. Ich liebe erste Male, ständig etwas Neues tun. Therapeuten schimpfen dies Flucht vor der Beständigkeit, mein Name dafür ist Leben. Nun also: Ein Musikfestival.

Dabei sein zu dürfen in den Wochen der Planungen, Entwürfe und Verwerfungen war ein als kreativer Feldversuch getarntes Geschenk. Die Initiatoren und Gastgeber stellten alles zur Verfügung: Ihre Köpfe, Herzen, Haus und Hof. Immer das Machbare ausloten, an die Grenzen gehen und einen Schritt darüber treten: So wurde verfahren und Voraussetzungen geschaffen, dass alles, wirklich alles zum Besten geriet. Auch meine eigene, kleine Überforderung: Nicht nur helfende Hand und offenes Auge, auch ein paar Minuten auf der Bühne mit Trompete und Mandarinen – und die Verantwortung für das leibliche Wohl (zumindest für Teile davon).

Von 1 Uhr mittags bis 3 Uhr nachts kamen über 300 Menschen. Alle Planungen gingen auf. Aufgegessen wurde beinahe, ausgetrunken restlos alles. Vor allen Dingen aber gab es sechs Bands, die sämtlich ohne Gage spielten, angereist aus Osnabrück und Düsseldorf, Antwerpen und Brüssel, Italien und Schweden. Ein Satz für jede Kapelle, denn Worte können das Gehörte kaum transportieren:
Zuerst also die rheinische MANDARINE mit irgendwas zwischen sphärischem Artpop bis Wüstenrock, Improvisationsmut und LowFikonzept, irrer Gesang, tighte Beats und funky Geschrammel, gewürzt mit fünf Trompetentönen. Dann wurde es richtig verrückt, MIM & LES VOSGIENS, Kunsthochschulelektropunk mit Soundkaskaden, Rhythmusfrakturen und Gesangseskapaden, Belgier halt. TRUE CHAMPIONS RIDE ON SPEED klangen exakt so, wie der Name vermuten ließ. Seit langer Zeit standen die Indiehelden von PENDIKEL wieder mal auf einer Bühne und ließen Hoffnungen keimen, dass legendäre Alben wie „Don’t cry, Mondgesicht“ oder „Phantasievoll (aber unpraktisch)“ noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. HUMMEL (und der Bär) kommen aus Umea oder München und sind die Diddi Hallervordens des Hardcore. Das grandiose Finale bot schließlich ein Trio aus Verbania, Italien, die Moschusochsen des Poststonerrock, tight as fuck: MUSCHIO.

Wir haben noch getanzt, in der Porreewaschhalle, die Muskeln wieder locker geschüttelt und die Nervenbahnen frei. Wir waren satt und müde und betrunken und frei. Glücklich. Und dankbar, allen und für alles. Gingen, mit einer leisen Ahnung, einem Gedankenfunken an ein nächstes Mal.

mim
Auf vielfältigen Wunsch hier noch die Bauanleitung für die vietnamesisch inspirierten Baguettes:

Ein gutes Baguette (ca 20 cm Länge) aufschneiden und auf der Unterseite mit Bohnen-Tofupaste und oben mit Mayonaise bestreichen. Belegen mit Scheiben von in Fischsauce mariniertem und gedünstetem Schweinefilet, feinen, mit Zitronensaft, Chilies und Minze gewürzten Zwiebelringen, in Nuoc mam eingelegten Möhrenhobeln, Gurkenscheiben, Frühlingszwiebelstückchen und Korianderzweigen.

(Die Paste habe ich gemixt aus einem Teil Räuchertofu, einem Teil Kidneybohnen und einem Teil Erdnussöl und mit Zimt gewürzt. Die Mayonaise habe ich eifrei aufgeschlagen wie hier. Für die fleischlose Variante wurde das Schweinefleisch ersetzt durch eine Art Rührei.)