Gemälzte Schwarzwurzeln, vegane Mousse

Seit Tagen verfolge ich mit großem Interesse Katharina Seisers Tagebucheinträge eines Selbstversuchs: “Wie schmeckt vegan?”. Lest selbst, es ist hochspannend, weil sie mit Ihrer gewohnten Art (fundierte Recherche, akribische Beobachtung und detailreiche Beschreibung) und gleichzeitig hochemotional, da in ihren kulinarischen Grundüberzeugungen betroffen, Eindrücke und Erkenntnisse notiert. Und dabei eben nicht die Sinnfrage stellt, sondern schaut, ob’s schmeckt. Können Menschen, denen Genuss und Nachhaltigkeit die einzigen gültigen Leitplanken ihres Küchenkonsums sind, ohne tierische Produkte überleben?

mousse

Sie ist dabei unter anderen auf eine Art Mousse au Chocolat gestoßen, die angeblich auch ohne Eier und Sahne glücklich macht. Und immerhin stimmt: Das Ergebnis ist eine gute Schokoladencreme. Ich hab’s nachgebaut, mit Ahornsirup statt Agavendicksaft und als Schokolade fand die Gepa Grand Noir Zartbitter (70%) Verwendung; weil sie da war. Ansonsten wie von Katha beschrieben – es schmeckt famos. Der Seidentofu liefert eine zart schmelzende, lockere Konsistenz. Cremigkakaoiger Geschmack. Fein und leicht – eine gute Entdeckung. Ach ja, statt Orangen- kam hier ein Likör vom roten Wassenberger Pfirsich zum Einsatz. Ich denke, dass dieser Lieblingsalkohol eine gewisse Rolle spielt für den Geschmackserfolg.

Zuvor gab’s Schwarzwurzeln mit Gerstenmalz nach einer Idee von Peggy. Allerdings ohne Schinken, dafür mit mehr Butter. Und mit Charlotte. Ein Dank an die Damen!

schwarzwurzel


Adventliches Wurzelwerk mit Pferd

rossbeafIch mag Pferde. Tot oder lebendig. Nicht umsonst ist der Niederrhein eine der Regionen in Deutschland mit der größten Dichte an Gestüten und Roßschlachtereien. Mein Haus- und Hoflieferant ist Gerrit Janßen in Mönchengladbach-Lürrip. Er beschickt seit Jahr und Tag auch den Markt in Viersen, wo ich gestern ein gutes Stück Roastbeef erstand. Lebendigen Gäulen schaue ich im übrigen am liebsten hier und hier hinterher.

Die ersten Schwarzwurzeln des Endherbsts kamen als Hoffmanns schwarze Pfähle in meine Küche.  Auch wenn meine innere Uhr eher auf Abschied denn Ankunft getaktet ist, hatte ich mich entschieden, eine vorweihnachtliche Variante dieses Lieblingsgemüses auf den Tisch zu bringen. Dazu wollte ich das Fleisch nicht braten, sondern dämpfen. Und einen leckeren Rotwein als Tagesbegleiter wählen, denn Gäste waren zum Glück keine zu erwarten. Zum Gaul passt eigentlich nur Spätburgunder. Vom letztwöchigen Besuch im Weinparlament hatte ich noch eine Flasche Salwey vom Käsleberg, fruchtig unkompliziert. Wir wurden Freunde.

Vor dem Dämpfen und Gemüsegaren hat der Küchengott die Zubereitung einer passenden Gemüsebrühe anbefohlen. Neben Zwiebel, Möhre und einer Handvoll Petersilienstiele gab ich noch eine Fenchelknolle ins Wasser. Kulinarische Intuition, die im Nachhinein belohnt wurde. Das Fleisch pariert und in sehr leichter, salziger Sojasauce mit etwas Cayennepfeffer eine halbe Stunde mariniert. Die Stangen geschält, entpunktet, in schräge Scheiben geschnitten und in Zitronenwasser gegeben. In einem weiten Topf ein Teil Brühe mit einem Teil Sahne aufkochen lassen und zusammen mit einer halbierten Vanilleschote auf die Hälfte einreduziert. Im größten aller Tigel wenig Brühe mit etwas Riesling Unplugged von Tesch zum Kochen gebracht und den Bambuskorb eingesetzt.
rossbeaf mit schwarzwurzeln
Der Rest ging einfach und schnell: Das Gemüse zehn Minuten in der Vanillesahnebrühe gegart. Das Fleisch 15 Minuten gedämpft.  Und alles auf einer großen Platte angerichtet.
Dreierlei muss ich jedoch konstatieren: Zwölf Minuten hätten dem Ross genügt. Man kann auch Riesling zum Gaul genießen, wenn er denn von Sahnewurzeln begleitet wird. Und immer gilt: Love is a horse!

(Dies als Reminiszenz an meine Düsseldorfer Zeit – das Original jedoch ist unerreicht.)


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