Ein Rindvieh im Jahr des Tigers

Wir befinden uns im Jahr des Tigers, chinesisch gezählt. Kulinarisch hingegen war das letzte deutlich spannender (wenn Ihr, werte Leser, jedoch der schmackhaften Zubereitung von Wildkatzen kundig seid, freu ich mich auf lesenswerte wie diskutable Kommentare) – denn die Menschen im Reich der Mitte widmeten es ungefähr dem Ochsen. Oder dem Rind? Dem Bullen gar? Ist das am Ende alles dasselbe?

benachbarte Milchkuh

benachbarte Milchkuh

Was unsere asiatischen Freunde genau meinen, hat der taz-Korrespondent Christian Y. Schmidt in seiner Kolumne hinreichend erläutert. Wie gefährlich jedoch auffällig ausgestelltes kulinarisches Halbwissen ist, wurde letzthin bei einer um einen feisten Ochsenbraten versammelten Tischrunde deutlich. Dies hier seien ja nun Teile eines um seine Männlichkeit gebrachten Rindes, sprach mich süffisant Freund W. an. Wo aber genau liege der Unterschied zwischen einem Stier und einem Bullen? Das „Werter Gastrosoph“ hätte er sich selbstredend sparen können. Ich nahm einen großen Bissen, um Zeit zu gewinnen. Essen kann auch Taktik sein.

Stierfleisch kenne ich nicht. Noch auf keiner Karte, in keinem Kochbuch gelesen. Jungbullen sind mir des öfteren schon durch den Gaumen gegangen. Doch ich schwieg. Und las zu Hause bei Frank Massholder nach. Beides männliche Rinder also. Klein sind sie Kalb. Dann Bulle/Stier (kastriert Ochse) oder Färse. Wenn letztere einmal kalbt (s.o.), ist sie Kuh. Systematisch gehören Rinder (bovini) zur Unterfamilie bovinae, welche wiederum den bovidae (Hornträgern) zugeordnet werden. Capisce?

Frau Rind, die zweite

Frau Rind, die zweite

Natürlich habe ich jetzt einen Ohrwurm: Lassie Singers – Hamburg
Doofe Kuh!


Deutsch Angus

Angus-Rind aus der Zucht Haus Berger

Angus-Rind aus der Zucht Haus Berger

Mit dem Rad und mit Vollgas ueber die niederrheinischen Hügel, und nach einer Kuppe trete ich voll in die Eisen. Denn auf einer Weide irgendwo zwischen Grefrath, Dornbusch und Hinsbeck steht plötzlich eine Herde schwarzer Rinder vor mir. Nicht die üblichen schwarzweißen oder buntgefleckten, sondern deutsche Angus. Und fast gleichzeitig, noch bevor ich das betreffende Schild entdecke, denke ich an das Hotel/Restaurant Haus Berger in Dornbusch. Beim letzten Einkehrversuch leider geschlossen las ich doch zu meinem Erstaunen, dass sie eigene Rinder züchten, ebensolche Angus. Sozusagen kulinarische Produktqualität at its best.

Nach dieser Entdeckung ist die nächstwoechentliche Gaumen-Herausforderung klar, es wird Rumpsteak geben. Von feinfaserigem, bestmarmoriertem Angusrind.