Bitch please, I’ve got better things to do – pasta fresca fatta in casa, beispielsweise

April Smith – dieser Name klingt nicht nur nach dem All-American-Girl, die 34jährige Musikantin sieht auch noch so aus; manchmal zumindest. Oberflächliches Hören könnte zudem glauben machen, dass es sich bei der Singer/Songwriterin um eine beliebige Zweitplatzierte irgendeiner angelsächsischen Castingshow handelt. Doch dank Youtube werde ich schnell eines besseren belehrt – und wundere mich, dass ich an diesem sonnigen Sonntagmorgen das erste Mal von ihr höre. Denn Frau Smith ist: ’ne Wucht!

Frau Schmitz am Fleischwolf:

Noch nicht überzeugt? Das Ganze ist „totally independent“, „glam underground“, irgendwas zwischen Off-Broadway und Barjazz, „unsigned superstar“! Oder wie es der Boston Globe beschreibt: „the pretty damsel who does the naughtiest things“. Ragtime, Powerpop, Chanson, No-Folk, Bigbandsound.

Übrigens hat mich die nicht minder bewundernswerte Margaret Stutt (aka Pezzettino) auf ihre hyperaktive Musikantinnenkollegin aufmerksam gemacht. Beide aus Brooklyn halt.

Nun zu den wichtigen Dingen. Pasta fresca con Prosciuto, Panna e Noce Moscata.

Neue Nudelmaschine, Fehmarn-Schinken, Muskat-Sahne

Neue Nudelmaschine, Fehmarn-Schinken, Muskat-Sahne

Pastateig aus Weichweizenmehl und Eiern, eines auf 100 g 405er, am Vortag bereitet. Wenig Hartweizen zur Konsistenzperfektionierung und als Antikleber beim Auswalzen und Lagern der Platten. Fertig geschnittene Nudeln mindestens 30 Minuten trocknen lassen und dann kurz kochen.

Viel Butter und noch mehr Schinkenstreifen einige Minuten milde erhitzen, reichlich Crème fraiche dazu und geriebene Muskatnuss. Etwas reduzieren und wenn nötig mit Nudelwasser feinjustieren. Beide Komponenten vermengen und verschlingen.
Auch wenn ich kulinarisch eher Süditaliener bin (keine Eier, Sahne, Butter) kenne ich niemanden, den solch Essen kalt ließe. Selbst mich nicht.


Pezzettino, rheinischer Trifle

In diesen Tagen veröffentlicht die in Brooklyn ansässige Musikerin Pezzettino ein neues Album. Es heißt LubDub, rhythmisch ist damit der Weg wohlgewiesen, spannend macht es die Dominanz des Akkordeons. Auch wenn das erste Stück (Replay) ein wenig so klingt, als hätte Kate Nash die Freakfolk-Abendschule besucht, auch so manches andere Lied an CocoRosie und Konsorten gemahnt, macht die aus Milwaukee stammende Margeret Stutt doch sehr vieles richtig. Kindlich verspielt, ätherisch bisweilen, und an der richtigen Stelle ziemlich verstörend. Anspieltipps: Cold hard chick, Where’d ya go und das Titelstück.

Und ja, die Brombeeren wurden nicht vergessen. Eine Art rheinischer Trifle wurde daraus, keine Torte wie ursprünglich gedacht. Wilde Brombeeren sind – im Gegensatz zu Walderbeeren – nicht ganz so aromatisch wie ihre kultivierten Geschwister. Kleiner zudem und selbstredend schwerer zu ernten – aber der Spaß an der Reaktivierung überkommener Jäger-und-Sammler-Gene wiegt das deutlich auf.

Brombeeren - vor dem Pflücken

Brombeeren - vor dem Pflücken

Wichtig ist vor der Verarbeitung die gründliche Waschung, um potentiell vorhandene Spuren tollwütiger Fuchspisse zu eliminieren. Dies geschieht nicht unter fließendem Wasser, wie bei fast jedem anderen Obst, sondern in einer großen Schüssel voll stehendem Nass. Zu empfindlich sind die Beeren. Im Durchschlag lange trocknen lassen.

Die Brombeer-Ausbeute

Die Brombeer-Ausbeute

Währenddessen Schwarzbrotkrokant verfertigen. Dazu eine beschichtete Pfanne mit reichlich braunem Zucker erhitzen und drei bis vier Scheiben nicht zu frisches, dunkles Vollkornbrot hineinbröseln. Übrigens: Wer nicht im Rheinland wohnt, kann hierzu eine Menge von Bäcker Süpke lernen.
20 bis 30 Minuten dauert der Prozess, denn zu heiß darf die Pfanne nicht werden, damit der Zucker nicht verbrennt. Als Katalysator nütze – wer mag – den ein oder anderen Stich Butter und als zusätzliches Aroma ganz wenig Zimt. Dann alles auf Backpapier geben und auskühlen lassen.

Nun eine Creme herstellen aus den der jeweiligen Verfasstheit und Verfügbarkeit geschuldeten Zutaten. Bei mir bestand sie aus Mascarpone und Joghurt,  zu gleichen Teilen; Puderzucker und Zitronenabrieb.
Schließlich: Schichten. Kühlen.

Trefflicher Trifle aus Brombeeren, Schwarzbrotkrokant und Mascarponecreme

Trefflicher Trifle aus Brombeeren, Schwarzbrotkrokant und Mascarponecreme

Vor dem Servieren aus den Restbeeren eine dickflüssige Soße – mehr ein Mus – mixen (und evtl. passieren, der Körner wegen) und damit ausgarnieren.
Das Ergebnis: Ein multisensorischer Kick ohnegleichen!