Schön ist das nicht

Doch des Lebens Sinn liegt auch nicht in vollkommener Ästhetik. Perfekte Präparation von Essbarem ist mir Leidenschaft, gegen Ende des Küchenkampfs kommt es aber regelmäßig zu drastischem Energieabfall. Teller, die auf den Tisch kommen, an dem nur ich Platz nehme, sind im Vergleich zu gängigem kulinarischem Kunsthandwerk im Dekorationswahn meist eher Art Brut.

Dies Gericht könnte sich auf Karten besserer Häuser behaupten als „Trilogie vom Blumenkohl“, beispielsweise. Zugegeben, hätte ich die Suppe – die aus nichts als einem ganzen Blumenkohl, einem Liter Gemüsebrühe und 100 ml Sahne besteht – nicht nur püriert, sondern auch noch passiert und ihr im Finish allerlei Gedöns angedeihen lassen: sie hätte vielleicht optisch gewonnen und texturell etwas Abstand zwischen sich und sagen wir mal Brei bringen können. Besser geschmeckt hätte sie nicht.

Einige kleine Röschen habe ich in Pastellateig – der mit Curcuma mehr gefärbt denn aromatisiert war – getaucht und ausgebacken. Und als Sidekick für die beiden Geschmacksknospen hinten links wurden noch einige Blumenkohlpartikel angeröstet und unter Zugabe von Tomatenmark, etwas Honig, altem Balsamico und Raz el Hanout langsam geschmort. Das ist der Farbklecks. Überhaupt is alles so schön bunt hier, momentan.

Warum ausgerechnet Niels Frevert dazu den Soundtrack geschrieben hat, weiß ich allerdings auch nicht. Aber sicher ist: Er ist nicht nur der versierteste Tütensuppenkoch unter Deutschlands Popmusikanten, sondern veröffentlicht in dieser Woche eines der besten Alben des Jahres. Und glaubt mir: Musikkritik kann ich besser, als Tellermalerei.

Angucken:
Niels Frevert – Ich würd Dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist

„Zettel auf dem Boden“, das neue Album von Niels Frevert, erscheint am 04.11.2011 bei Tapete Records.