Gemüse des Monats: Hokkaidokürbis

Ich bin kein großer Kürbisfreund, zugegeben. In gegartem Zustand kommen die runden Riesengemüse oft mit einem leicht muffigen Nachgeschmack auf den Teller, das Mundgefühl erinnert selbst in stückiger Form mindestens an Babybrei. Zudem bin ich als Altlinker mit einem ausgezeichneten Antiamerikanismus ausgestattet – so dass mir die gerade in den letzten Jahren wildwuchernden Pumpkinorgien höchst zuwider sind. Aber: Kulinarische Probleme gründen in der Regel in Voreingenommenheit und falscher Behandlung der Grundzutaten und Produkte. So auch hier: Der Kürbis, zumal die erst seit 20 Jahren hierzulande angebaute Varietät von der japanischen Insel Hokkaido, bedarf großer Aufmerksamkeit und idealerweise kochtechnischer Zurückhaltung, um seinen ganzen Liebreiz zu entfalten. Dann klappt’s auch mit dem Kürbisgenuss.

hokkaido

Der Hokkaido ist ein Riesenkürbis, Sortengruppe Hubbard. Von letzterem stammt er der Legende nach ab, amerikanische Imperialisten sollen ihn im 19. Jahrhundert getarnt als „Agrarberater“ den wenigen Menschen auf der gleichnamigen japanischen Insel anempfohlen haben. Den Japanern schmeckte der Riese Hubbard aber nicht, so haben sie ihn züchterisch optimiert, verkleinert, verfeinert, und so die herrlich orangenen Kugeln erschaffen. Weniger ist manchmal mehr, aber das verstehen Amerikaner gemeinhin selten. Nicht ohne Grund beglücken sie den Globus mit Abarten des Cucurbitaceae, bilden sie doch die größten Früchte des Pflanzenreichs. Dass sie auch Panzerbeeren geheißen werden, mag den Umstand erklären, dass Kürbisse hierzulande so rasant an Popularität gewinnen.

Bevor dieser Text nun zum Grundstein wird für den ersten deutschsprachigen Satire-Foodblog, erkläre ich lieber im Folgenden, was ich nun tue mit dem Hokkaido, um seiner Ambivalenz Herr zu werden. Ganz einfach: Ich esse ihn roh.

Kürbissalat (roh marinierter Hokkaido)

1 kleiner Hokkaido
2 EL Orangen-Olivenöl
1 Zitrone: Abrieb und 3 EL Saft
1 TL Ahornsirup (optional)
1 gute Prise Piment d’Espelette
Grobes Meersalz, Pfeffer

hokkaido-salat

Den Kürbis halbieren und entkernen. Sodann mit dem Sparschäler auf der Schnittkante entlang fahren, um feine Streifen zu erhalten. Alle weiteren Zutaten bis auf das Salz zu einer Marinade verrühren und in einer weiten Schüssel vorsichtig mit dem Hokkaido vermengen. 1-2 Stunden durchziehen lassen, dabei hin und wieder umrühren. Vor dem Anrichten mit dem groben Salz bestreuen.

Sollte kein erstklassiges Orangenöl zur Hand sein, einfach das beste verfügbare, milde Olivenöl sowie Abrieb und Saft einer halben Orange verwenden. Der Salat passt gut zu in Butterschmalz ausgebackenen, gekochten und halbierten Bamberger Hörnchen (Foodcamp Franken: ich komme!) oder zu einem Butterbrot mit kräftigem Blauschimmelkäse.


Dieser Beitrag ist der dreizehnte in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht. 


Who’s bad? Die Lebensmittelindustrie!

Deshalb aus leider immer noch aktuellem Anlass: Verschont mich mit Einladungen auf Eure Leistungsschau. Ich möchte diesem Gottesdienst des angeblich essbaren Massenprodukts nicht beiwohnen. Danke.

Ein Konzert der seit Dekaden sich im Modus der DIY-Avantgarde befindlichen Postpunker und Befindlichkeitsverächter aus Hamburg und sonstwo, der großartigen Die Goldenen Zitronen, würde ich hingegen liebend gerne mal wieder besuchen. Alleine sie machen einen riesengroßen Bogen um den Westen unserer alten, ächzenden Republik und spielen lieber ein paar Gigs in der Schweiz und im Osten. Ist der Notstand dort größer? Vielleicht – ich tröste mich derweil mit dem neuen Album „Who’s bad„. wippe auf dem Tanzboden der 80er und denke mich in eine neue, bessere Welt. (Was selbstredend völliger Quatsch ist, aber wem sage ich das…)

Gestern, als also alle offensichtlich in den unendlichen Hallen der Kölner Messe sich blenden ließen vom schönen Schein, habe ich gekocht. Kürbis-Gnocchi nach einem Rezept des Italoteigwarenpapstes aus Basel. Ganz bibeltreu und dogmatisch habe ich mich an seine heiligen Zeilen gehalten – und wurde nicht enttäuscht. Da wir inzwischen jemanden kennen, der am Niederrhein in außerordentlicher Qualität Shiitake züchtet, finden sie immer häufiger Verwendung in der Gesindehausküche. Hier mit nichts außer Petersilie, Pfeffer und Salz. Sahne. Zum Niederknien.

kuerbisgnocchi


Ohne Worte

Zumindest: fast. Wegen akuter positiver Reizüberflutung und mangelnder Tagesfreizeit schreibe ich nicht, sondern drücke einfach ein paar Bilder in den Orbit. Hier wird gekocht. Jeden Tag. Dennoch.

allerlei

blumenkohllasagne nach robert, kürbissuppe mit einlage, pilzpolenta, quittentorte, romaneskobarbenmandelmus, kochfisch auf senfsauce. oder so.