Von Menschen, Genuss und diesem Internet

„Was aber ist jetzt genau Dein Antrieb, den SCHWARZMARKT zu organisieren?“, fragt mich Bastian im Interview für den WDR. Ich hatte ihm zuvor erläutert, was das für ein kulinarischer Orkan ist, der um uns laut und lustig tobte am gestrigen Nachmittag im Kölner Marieneck und in dessen ruhiger Mitte wir uns postiert hatten zum Gespräch mit Mikro und Kameramann. Woher sie kommt, die überhaupt nicht neue Lust am Selbermachen, die Freude am guten Essen und an Nachhaltigkeit. Ihm DIY als Prinzip kulinarischen Erkenntnisgewinns beschrieben und listige Nachfragen nach Filterbubble und Peergroup und sozialer Ausgrenzung lächelnd retourniert. Ihn zum Probieren eingeladen und hingewiesen auf einige ganz besondere Köstlichkeiten, die im Rahmen unserer kleinen Tauschbörse angeboten wurden, wie Jochens Genever, Nus Fermente und Stefanies Backwerk.

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„Diese Menschen hier zuusammenzubringen. Um sich miteinander auszutauschen über die allen gemeinsame Genusssucht. 50 fremde Freaks in einem Raum und jedem einzelnen fühle ich mich nahe. Ich zehre immer noch eine richtig lange Zeit von solchen Veranstaltungen. Deshalb gibt es den SCHWARZMARKT: Es geht um Austausch auf allen Ebenen.“

Ich werde immer ganz pathetisch in solchen Momenten.

Daher an dieser Stelle nur noch kurz zwei Hinweise. Zum Einen auf den nächsten SCHWARZMARKT: Die dann 6. Ausgabe wird stattfinden am 25. September 2016, von 14 bis 17 Uhr, an gewohnter Stelle, im Marieneck.

Zweitens waren gestern soviele Leute mit ihren Köstlichkeiten dabei, die auch ein Online-Leben führen. Das bringt mich dazu, hier einmal eine kurze Linkliste zu beginnen. Als Ausdruck meiner Freude und als Gedankenstütze. Der SCHWARZMARKT5 waren (u.a.):

Dann gab es noch Bärlauchsalz, veganes Curry, Rote-Bete-Salat, Honigknoblauch, Pralinen, Trüffel, Marmeladen, Coldbrew-Kaffee, Limoncello, rauchig rote Bete, Bärlauchpesto, Lorbeer und vieles andere mehr (schreibt alles, was ich vergessen habe, bitte hier in die Kommentare). Ich esse jetzt erst einmal ein paar kölsche Kiwis. Danke und bis bald!


Going underground

Und zwar auf den Schwarzmarkt. Um all die Dinge zu bekommen, die es in den öden Läden nicht zu kaufen gibt. All das gute Zeug, die Herzblut-Machenschaften, die kuriosen Ausgeburten des ganz intimen Do-it-yourself. Und um gleichzeitig das loszuwerden, was Ballast geworden ist, überflüssiger Luxus. Wer braucht schon dreißig Gläser Quittengelee?

Überlasst die Sharing-Ökonomie nicht den Internetriesen. Postulierte die Wochenmagazin gewordene Bildungsbürger-Selbstvergewisserungsmaschine aus Hamburg dieser Tage. Denn die so genannte „share (sharing) economy“ ist längst nicht mehr nur unter Wirtschaftswissenschaftlern ein Schwert gewordenes Schlagwort im Kampf um die Deutungshoheit der ökonomischen Auswüchse des digitalen Zeitalters.

schwarzmarkt

DIY ist mehr als Bäume bestricken. Programmatisches Selbermachen war und ist Widerstand. Eine alternative Lebensform. Die dann auch einen sozialen Sinn ergeben kann, wenn sie zu Austausch führt. Unter Gleichgesinnten. Bevor wir die Welt retten, fangen wir aber im Kleinen an. Deshalb veranstalten Marco vom Marieneck und ich als Kappesklub zwischen den Jahren in Köln die erste kulinarische Tauschbörse. Die Idee hatte ihren Ursprung in New York, oder in vormonetärer Zeit, als Jäger und Sammler aufeinanderstießen und ein Auge warfen auf die Dinge des je anderen.

Bringt also die selbst gemachten oder geernteten Dinge, derer ihr zuviel habt. Seid neugierig auf das, was die anderen bieten. Lernt Euch kennen, probiert und schmeckt. Tauscht Euch aus! Macht mit, kommt auf den SCHWARZMARKT.