War was?

Jahresendgedanken. Noch eine Liste also, in gewohnt verschwurbelter Manier jedoch. Viele Worte um meine kleine Welt. Zumindest um den öffentlich zugänglichen Teil davon. Die Liebe bleibt außen vor, das Leid auch. Gut, dass es beide gibt. Besser noch, dass beides ungleich verteilt mein Leben geprägt hat in 2017.

Mein Blog
Früher war hier mehr Musik. Fast unbemerkt wurde die erste Liebe im vergangenen Jahr auch aus dem Untertitel dieser Plattform getilgt, nachdem sie länger schon den Inhalt immer weniger prägte. Dafür hat ihr Gewicht im echten Leben noch einmal zugenommen – und auch der Zweitblog gedeiht prächtig. Über 1.500 smithereens of sound zeugen davon. Hier hingegen geht es eindeutiger noch als zuvor um die Freude am Essen und Trinken. Um eine Ernährungskultur, die mich prägt und die ich weiterhin mitzugestalten gedenke. Ich schreibe über Gemüse und ökologische Lebensmittelproduktion. Im Dezember übrigens war der Winterblumenkohl der bereits 35. Beitrag im Rahmen der Reihe „Gemüse des Monats“. Stringenz und Durchhaltevermögen sind zwei Eigenschaften, die mir immer wichtiger werden. Nicht nur, aber auch auffem Blog.

DIY
Das Lob des Selbermachens sowie das Hohelied auf das Amateurtum wird nicht von allen mitgesungen. Die Angst, dass Exzellenz und Expertise auf der Strecke bleiben bei zu viel anmaßender Stümperei, ist nicht nur im politischen Raum groß. Auch und gerade in der professionellen Kulinarik ist das Ressentiment allenthalben zu spüren. Meine Reaktion darauf? Mehr machen.
Im Herbst, hier im Dorf, haben wir zum Beispiel Reibekuchen gebacken, für 60 Menschen, 20 kg Teig. Dazu gab es selbst gemachtes Apfelkompott (was in diesem Katastrophen-Apfeljahr gar nicht einfach war). Neben Brandblasen und einer Lektion in Demut hatte ich vor allem riesigen Spaß. Und die Erkenntnis erlangt, dass meine Angst vor Oxidation und Braunfärbung der Kartoffelmasse sich nicht erfüllte (und auch nicht mit Ascorbinsäure nachgeholfen werden musste). Es war schlicht zu kalt.
A pro pos Selbermachen: Der SCHWARZMARKT ist weiter gewachsen in 2017, sowohl im Netz als auch im realen Leben. Es gibt ihn nun auch in Düsseldorf. Und der meistgelesene Blogpost des abgelaufenen Jahres passt auch in diese Rubrik, beschreibt er doch das Rheinkombinat in Aktion, beim 2. Vinocamp Mosel. 3 Männer, 175 Teller, keine Küche – machen wird das bald wieder, Bernd, Claus?

Kulinarik
Eigentlich könnte ich hier von der wunderbaren Wanderung in die Pilze mit Jean-Marie Dumaine berichten, an der ich teilnehmen durfte im September. Nicht nur, weil der Patron des Vieux Sinzig seit Ewigkeiten mein Lieblingskoch und wunderbarer Naturkenner und -führer ist. Sondern weil ich dabei en passant den Trick mit dem Blanchieren lernen durfte. Doch die eigentliche kulinarische Entdeckung war ein Tier.
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Und zwar Südtirols älteste Schafrasse, das Vilnösser Brillenschaf. Neben der Tatsache, dass es sich um possierliche Tierchen handelt, um deren Erhalt sich viele engagierte Menschen im Vilnösstal erfolgreich bemühen, hatte ich im Mai bei Oskar Messner in St. Peter einen einzigartigen Genussmoment. Im Pitzock kombinierte er Spargel und Wildkräuter mit warmem, gekochtem Schinken vom erwähnten Schaf. Einen besseren Kochschinken aß ich nie.

Album des Jahres
Doch noch mal Musik. Weil es in 2017 ganz eindeutig ein Album des Jahres gab, eine Compilation zumal. „An eclectic selection of music from the Arab world“ des großartigen, 2015 von Jannis Stürtz gegründeten Berliner Plattenlabels Habibi Funk macht eine wahrscheinlich verloren gegangene Welt hörbar: arabischen musikalischen Underground unterschiedlichster Stilrichtungen aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein Beispiel sollte genügen, um auch Euch, werte Leser, zu Fans zu machen.

Wein
Kein spezifisches Getränk möchte ich hier erwähnen, sondern das (viel zu kurze) Wiedersehen mit einem Menschen, der mir einer der liebsten ist in der deutschen Weinszene. Auf der Prowein hatten wir uns vage verabredet – und nahmen uns dann tatsächlich in den Arm, in dieser unwirtlichen Umgebung. Michael Rosenthal habe ich vor vielen Jahren, auf dem allerersten Vinocamp Deutschland in Geisenheim, kennengelernt. Wir mochten uns sofort – und sind seitdem innig verbunden in Social Media. Dass der Mann dem Tode gerade so ein Schnippchen geschlagen hat, tut seiner wunderbaren Ironie keinen Abbruch. Seinem Sachverstand und seiner Herzenswärme ebenfalls nicht. Das freut mich sehr.

Und sonst?
Es wurde viel gefeiert in 2017 – fünf Jahre Gesindehaus zum Beispiel. Ich war zum zweiten Mal im Essigbrätlein und kann mir nach wie vor kein für mich besseres Restaurant vorstellen. Die Freitagsrunde, unser Kölner Foodbloggerfreundestreff, hat sich nicht ganz so oft getroffen, wie es gut gewesen wäre. Ich habe eine ganze Reihe wunderbarer Konzerte besucht, wobei das von A-WA, der israelisch-jeminitischen Elektro-Folk-Schwesternschaft, im Stadtgarten das eindrücklichste war. Auch der Broterwerb ging mir gut von der Hand. Neugier und Lebenslust waren da, an den allermeisten Tagen. Dass es so bleibt, wünsche ich mir, uns, für 2018.


Quitte um Quitte, Saft um Saft

Einige Impressionen vom SCHWARZMARKT 4 in Köln. Der vorletzten Veranstaltung aus meinem kleinen Kulinarikkosmos, die ich in diesem Jahr mit veranstalten durfte, bei der ich half oder selber Protagonist war.

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Der Kalender war prall gefüllt mit Supperclubs und Popup-Weinbar, mit Bauernhof-Kochkurs und Feldführung, regionalem Vinocamp – und immer wieder diesen feinen kleinen Tauschbörsen für Genusssüchtige im Ehrenfelder Marieneck.

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Der SCHWARZMARKT ist mein liebstes Format. Weil er so durch und durch DIY ist. Spontan und doch nachhaltig. Horizonterweiternd und Schmelztiegel. Kontaktbörse und perfekter Sonntagnachmittagszeitverteib.

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Die Menschen, die dorthin kommen, mag ich immer sehr. Gute Gespräche, gemeinsamer Genuss. Auch wenn es wie heute wenige waren. Niemand aus Köln.

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Es gab einiges zu probieren: Von englischem Zwiebelchutney und Apfel-Marzipan-Creme über tagesfrischen Apfelsaft von der Mosel bis hin zu eigentlichem Apfelkraut, das dann als Jelly perfekt war. Weiterhin Aroma-Maronen, Marmelade vom roten Weinbergspfirsich und Quincy Juice mit Cherry Cotton.

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Dazu ein Blech mit buntem Wurzelgemüse samt einigen Toppings (geröstete Buchweizenkerne, getrocknete Sauerkirschen, saure Sahne) und ein paar spannende Weine und weitere Säfte. Dies alles führte zu der Gewissheit, dass der SCHWARZMARKT ein tolles Format ist. Das es auch im nächsten Jahr geben wird. Leicht angepasst vielleicht in Rhythmus und Gepräge. Aber im selben Geiste. Ich freu mich drauf!