Kofta oder das Fleischbällchenverständnis

Die klassische Vorher-Nachher-Nummer. Am frühen Abend also war Präparation angesagt. Nachdenken über die verschiedenen Frikadellenphilosophien in West und Ost und was das mit der jeweiligen Lebensform zu tun hat. Nachher war alles Freude und Musik und Tanz.

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So sah der Bausatz aus, den ich mitgenommen habe ins Haus meiner Männer. Flüchtlingsunterkunft ist ein Wort weit jenseits meines Wortschatzes, weil es doppelt und dreifach wertet. Und dennoch ist das Zuhause der Syrer kein trautes Heim, ein Kompromiss eher. Genauso wie mein Kofta-Rezept.

Zu 1 kg gehacktem Biolamm gab ich je eine Zwiebel und eine gekochte Kartoffel  – beides ebenfalls gehackt. Genauso wie ein Bund Petersilie. Brötchen oder Paniermehl wird in der orientalischen Zubereitung von Fleischbällchen ebenso selten verwendet wie Ei. Und doch gab ich eines hinzu und ein wenig Buchweizenmehl. Weil meine niederrheinische Konsistenzphilosophie nicht unbegründet ihr So-Sein fristet. Und das Miteinander in der Küche nicht durch Dogmatik gedeihen kann. Gewürze: Salz, Pfeffer,  Zimt, Piment, süßer und scharfer Paprika, Muskat und etwas Safran. Dazu noch eine handvoll Pinienkerne. Das Ganze lustvoll von Hand verknetet, in Rollen gerollt und kühl gestellt. Schließlich eine Sesammussoße aus Tahini, Zitrone, Wasser, Knoblauch und Salz.

Bei den fünf Syrern angekommen habe ich mich mit Suleiman in die Küche gestellt und die Kofta (im Arabischen eher Kufta) erst in der Pfanne von allen Seiten angebraten und dann im Ofen gar ziehen lassen. Dazu hat er arabischen Reis gekocht (klassisch mit Fadennudeln), Salat gemacht und Brot gewärmt. Ich fand noch Zeit für eine Gemüsepfanne mit Minze.

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Dann kam noch ein Teller mit Yoghurt auf den Tisch und Tee. Und Clementinen-Kumquatkuchen, den U. gebacken hatte. Wir aßen bis wir platzten, fast. Und radebrechten über Rezepte von Müttern und das Leben der Männer ohne Familie. Mit uns. Und dann wurde Dabke getanzt. Für uns erst. Mit uns, anschließend. Mit dem Fuß gestampft, immer auf die Drei. Danke.