Eifel-Morbier

Der Weg von der Mittelmosel an den Niederrhein führt durch die Vulkaneifel. Etwas abseits der bekannten Motorradrennstrecken und von Rentnertouristenströmen unberührt, liegt in einem kleinen Tal das eigentlich unbedeutende Örtchen Sarmersbach. Eigentlich? Nun, hiermit sei jedem Wanderfreund und Transitraser ein Abstecher angeraten. Denn dort wird formidabler Käse gemacht. Auf dem Ulmenhof, einem Biolandbetrieb, werden Angler Rotvieh- und Allgäuer Braunviehkühe sowie Milchziegen gehalten. In der hofeigenen Käserei wird deren Milch zu verschiedenen Rohmilchkäsen verarbeitet. Besonders gut gefallen hat mir eine Art Morbier, mit typischem Aschestreifen und feinwürzigem Aroma. Allerdings wird er hier, anders als in der Franche-Comté, mit Ziegenmilch gemacht, was geschmacklich durchaus Vorteile hat. Eine leicht säuerliche Note und die geschmeidige Textur heben ihn deutlich von den leider doch oft langweiligen deutschen Bauernhofkäsesorten ab.

Ebenfalls empfehlenswert sind die verschiedenen Weichkäse vom Ulmenhof, wobei auch hier die Varianten aus Ziegenmilch (z.B. nach Art des Camenbert) mir besser gefallen. Aber auch der Kuhmilchbergkäse macht auf dem sonntäglichen Rosinenstuten ein richtig gute Figur.
Übrigens wird auf dem Ulmenhof – saisonabhängig – Fleisch von den eigenen Tieren angeboten. Zudem betreiben die Bauern Freiland- Hühnerhaltung im Hühnermobil. Momentan wird der Hofladen neu gebaut. Dort wird in Zukunft – neben vielen Produkten von Partnerbetrieben der Region – ein Bio-Vollsortiment angeboten. Außerdem ist der Ulmenhof auf den Bonner Wochenmärkten sowie in Wittlich vertreten.


Wucht und Würde, Kartoffeln und Käse

Ein kalter Dezembertag, der Wind pfeift ums Haus. Alles Laub ist längst von den Bäumen. Dadurch ist mehr Licht. In der Küche, im Esszimmer. Wenn die Sonne dann mit halber Kraft strahlt und das Fensterkreuz Schatten werfen lässt auf den alten Esstisch, ist dies immer noch kein Idyll. Erst recht kein holpriges Sprachbild, vielmehr der Moment, da der Magen knurrt.

Schnell, einfach, wuchtig. Wahrhaft nahrhaft soll die Speise sein. Ein absolut basales Gericht. Zwei Zutaten, die erdig und kräftig wirken und sind. Die mit Vehemenz in den Magen schlagen, die Perfektion der Kalorienzufuhr. Und dennoch alles an Geschmack und Aroma mitbringen, was an solchen Tagen notwendig ist.

In der Auvergne essen die Menschen gerne l’aligot. Ein Vermengung von gekochten Kartoffeln mit Tome fraîche, einem jungen Rohmilchkäse aus dem Aubrac. Kraftvoller wird der herrliche Brei durch das Hinzufügen von würzigem Salers, einem meiner absoluten Lieblingskäse. Wer wandert im Zentralmassiv, wird keine bessere Wegzehrung finden.

kartkas

Ich koche Bamberger Biohörnchen, in der Schale. Dazu schneide ich Ribeaupierre (der eigentlich ein Tomme Fermiere d’Alsace ist) in Stücke und lasse ihn langsam in der schweren Pfanne schmelzen. Ein Rest Salers kommt hinzu. Auf dem Teller wird der fast flüssige Käse über die grob zerschnittenen Kartoffeln gegossen. Kräftiger Winterfeldsalat mit Walnussöldressing passt dazu. Und ein urtümlicher, säurebetonter Riesling.

Der Winter mag kommen.