Going underground

Und zwar auf den Schwarzmarkt. Um all die Dinge zu bekommen, die es in den öden Läden nicht zu kaufen gibt. All das gute Zeug, die Herzblut-Machenschaften, die kuriosen Ausgeburten des ganz intimen Do-it-yourself. Und um gleichzeitig das loszuwerden, was Ballast geworden ist, überflüssiger Luxus. Wer braucht schon dreißig Gläser Quittengelee?

Überlasst die Sharing-Ökonomie nicht den Internetriesen. Postulierte die Wochenmagazin gewordene Bildungsbürger-Selbstvergewisserungsmaschine aus Hamburg dieser Tage. Denn die so genannte „share (sharing) economy“ ist längst nicht mehr nur unter Wirtschaftswissenschaftlern ein Schwert gewordenes Schlagwort im Kampf um die Deutungshoheit der ökonomischen Auswüchse des digitalen Zeitalters.

schwarzmarkt

DIY ist mehr als Bäume bestricken. Programmatisches Selbermachen war und ist Widerstand. Eine alternative Lebensform. Die dann auch einen sozialen Sinn ergeben kann, wenn sie zu Austausch führt. Unter Gleichgesinnten. Bevor wir die Welt retten, fangen wir aber im Kleinen an. Deshalb veranstalten Marco vom Marieneck und ich als Kappesklub zwischen den Jahren in Köln die erste kulinarische Tauschbörse. Die Idee hatte ihren Ursprung in New York, oder in vormonetärer Zeit, als Jäger und Sammler aufeinanderstießen und ein Auge warfen auf die Dinge des je anderen.

Bringt also die selbst gemachten oder geernteten Dinge, derer ihr zuviel habt. Seid neugierig auf das, was die anderen bieten. Lernt Euch kennen, probiert und schmeckt. Tauscht Euch aus! Macht mit, kommt auf den SCHWARZMARKT.


Kappesklub-Countdown, Teil 2

Ich meide gemeine Supermärkte wie der liebe Teufel das böse Weihwasser. Das Wohnen auf dem Land, in einer Region die zum Glück noch eine gute kleinbäuerliche Struktur aufweist und andererseits auch – aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt – über eine durchaus üppige Kaufkraft, was wiederum der Vielzahl an handwerklich hervorragend arbeitenden Betrieben den Bestand sichert, ist ganz klar kulinarischer Standortvorteil. Verarbeitete Lebensmittel oder gar Produkte der damit befassten Industrie kommen mir nur in absoluten Ausnahmefällen in die Küche. Dass mir spontan kein konkretes Beispiel einfällt, mag dafür als Beleg gelten.

Und doch gibt es sie, die Momente im Leben, wo ich sie überschreite, die feindliche Linie, die Demarkationslinie zwischen nachhaltigem Genuss und ernährungsindustrieller Vorhölle, und eine Verkaufsstelle betrete des so genannten Lebensmitteleinzelhandels; hier: Supermarkt.

edeka zickuhr köln

Denn es gibt in Köln immerhin mindestens einen solchen Supermarkt, der ist ganz anders. Dort findet sich kein Produkt der wirklich bösen Multis. Dafür eine Fülle an Leckereien verschiedenster hochangesehener Manufakturen und genussvolle Geheimtipps. Fritz Zickuhr heißt der Kaufmann für Lebensmittel, der seinen Beruf ernst nimmt. Und nebenbei ein großer Vinophiler ist (siehe Weinauswahl, auch gekühlt), Hobbykoch und Blogger. Wer dieses Interview mit ihm liest, wird verstehen. Ich war übrigens mal wieder auf der Dürener Straße, weil ich erstklassige Matjes brauchte für den Gruß aus der Küche des Kappesklub. Die besten der Stadt gibt es im Edeka Zickuhr.


Kappesklub-Countdown, Teil 1

Übermorgen ist es soweit, Nata und ich bestreiten das große rheinische Finale des Summer of Supper im Kölner Marien-Eck. Vier Gänge plus Gruß mit Produkten ausschließlich regionaler Betriebe, dazu je eine Wein- bzw. Bierbegleitung von Torsten Goffin, die sich gewaschen hat.
Da wir lange schon überbucht sind, mache ich hier keine Werbung mehr, sondern stelle bis zum Beginn der Show in einigen Blogbeiträgen  die Händler und Produzenten vor, ohne deren Lebensmittel alles Nichts wäre.

Beginnen möchte ich mit dem Charakterdarsteller des 1. Gangs, dem Ziegenweichkäse von Nilgen-Schmitz aus Rubbelrath. Christiane Nilgen-Schmitz ist inzwischen eine bemerkenswert gute Käserin, sowohl Frisch- als auch Schnittkäse sind schon jung wiesenfrisch aromatisch und reifen dann zu wahrer Größe. Quark und Butter gibt es im Umkreis von 100 km nicht in vergleichbarer Qualität. Für meinen ersten Gang verwende ich den erst im letzten Jahr entwickelten Weichkäse, ohne Edelschimmel, aber mit leicht säuerlicher Finesse. Daher passt er kongenial zusammen mit Mangold und Sauerampfer in feine Crespelle. Auf einem Gewürzbuttermilchspiegel angerichtet und mit Wildfenchelblüten bestreut kann der Auftakt kaum misslingen.

zicklein, rubbelrath, schmitz-nilgen

Seit 2001 bestimmen die Ziegen das Leben auf dem im Korschenbroicher Süden gelegenen Bauernhof. Aufgrund einer Kuhmilchunverträglichkeit kamen erst einmal zwei Tiere quasi als Notwehr in den Stall. Daraus entstanden ist in den letzten 13 Jahren der beste Ziegenkäsebetrieb am Niederrhein. Zwar nicht biozertifiziert und auch nicht roh – aus Gründen. Dass er für mich fußläufig – einmal queer über die Felder – zu erreichen ist, macht die Sache umso erfreulicher. Die kulinarische Nahversorgung ist in meinem Teil der Welt nachgerade paradiesisch.

Zum Ziegenhof Nilgen-Schmitz