Jazzfestival und Abstinenz

Morgen beginnt es, das 25. Internationale Jazzfestival Viersen. Eigentlich nicht weiter einer Erwähnung wert, Provinz probt Urbaneskes, reichlich vergeblich großen Teils. Musik alter bärtiger Männer, Blechblasinstrumente, weichgespült, Kontrabassisten und Kehlkopfvokalisten, um Standards und Traditionals bemüht und umweht von selbstgeschneiderter Avantgarde-Klamotte. Kontemporäre Koryphäen zeichnen sich vornehmlich durch Biederkeit, Überkommenes und Hüftsteifheit aus. Nach dem Hard-Bop fiel diese Musik in ein übertiefes Loch, an dessen Grund Bedeutungslosigkeit fleckig schimmert.

Nun ist Viersen aber meine Vaterstadt. Und neben allerlei anderen Randsport- und Mainstreammusik-Events an kulturellen Darbietungen eher arm. Also kaufe ich mir keine Karte, stehe auch nicht plus X oder Y auf der Gästeliste – weise aber immerhin hier darauf hin, dass mit Lisa Bassenge eine Künstlerin, die mit ihrer Stimme zu faszinieren vermag, auf der Festhallenbühne stehen wird, am kommenden Wochende.

Ich also werde Abstinenz betreiben, vielleicht dem Unterschichtenvergnügen frönen und ins Stadion gehen.  Endlich die Geschichte über den deutschen Winzerssohn in der kanadischen Provinz fertigstellen. Der Frau, die ich lieben könnte, ein Gedicht schreiben. Mal wieder Rad fahren, so lange, bis ich aus dem Sattel kippe. Den Kampf mit dem Finanzamt aufnehmen. Ein Rezept kreieren. Essen, allein.