Über die Noblesse eines Suppenkrauts

Wenn Du glaubst, Dein grüner Daumen sei schon vor Deiner Geburt amputiert worden, Dein Garten einer Mondlandschaft gleicht, weil selbst der Anbau von Runkelrüben misslingt und Du nicht weißt, ob Du nicht doch lieber ein Praktikum im Chemielabor machen solltest – dann kauf Dir ein Tütchen Liebstöckelsamen und streu es auf den Acker. Warte wenige Wochen. Und staune.

Liebstöckel ist ne aromatische Rampensau. Drängt sich immerzu in den Vordergrund, im Beet, im Topf oder im Dessertschüsselchen. Den etymologischen Exkurs erspare ich uns. Bei der Lektüre von Douce Steiners verrückter Gemüsewelt wird mir klar, dass das Kraut natürlich eine regelrechte Umamibombe ist. Und daher auch als Salzsurrogat willkommen. Sie macht unter anderem einen leichten Fond von Kartoffel und Liebstöckel zu Zwiebelravioli. Das wiederum ist mir zu erdig, ich dämpfe Kabeljau und kurbel Tagliatelle dazu.

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Für den Fond werden je eine feingeschnittene Zwiebel und Kartoffel in Butter angeschwitzt. Thymian und frischer Lorbeer dazu – den Knoblauch lasse ich weg, auch der Leichtigkeit wegen. Mit reichlich Gemüsebrühe auffüllen und weichköcheln. Salzen und passieren. Feingeschnittenen Liebstöckel und gute Kapern in die Kasserolle, einmal durchschwenken, fertig.

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So lernt der Luststock fliegen – und mit ihm der ganze Teller. Die gebutterten Nudeln absorbieren die Kraft und der Fisch gewinnt an grüner Spannkraft. Der Gaumen vibriert kurz, um dann schmatzend zu entspannen.