Ach wie süß ist Düsseldorf

„SÖÖT – Patisserie & Kaffeerösterei“ – Name, Konzept, Programm. Mancher mag meinen, wenn er das Lokal in den Schwanenhöfen an der eher tristen Erkrather Straße betritt, dass solcherlei früher einmal schlicht „Café“ geheißen hätte. Oder Konditorei. Pompös: Kaffeehaus. Liebe Leser, Pustekuchen, dies. Wer so schlussfolgert und dem geistigen Deminutiv frönt, war noch nie in der Landeshauptstadt. Dort atmet selbst die Randlage Lametta und wo andere Bäcker Plunderteilchen feilbieten, ist hier der Zuckerguss aus Blattgold. Mindestens.

s1

Hier, im mitten zwischen alten Industrie- und Bürobauten, in denen nunmehr hippe Agenturmenschen werkeln, gelegenen Lokal, hat ein hochdekorierter Küchenkünstler sich niedergelassen, der sich selbst bisweilen „Puddingrührer“ nennt. Andy Vorbusch war zuletzt Chef-Pâtissier im Vendôme bei Wissler. Und macht nun mit Ursula Wiedenlübbert Frühstück und Mittagstisch für Schreibtischmenschen sowie süße Schweinereien für Kulinarikpilger. Beides lohnt den Besuch – nicht zuletzt auch wegen der vor Ort gerösteten Kaffeespezialitäten. Wir hatten eine gottgleiche Schokomousse mit Buchweizenkern, ein fruchtigfrisches Rhabarbertartelette, Macarons aus einer anderen Welt und eine Süßkartoffel-Garnelen-Quiche. Bei letzterer gab es Abzüge in der B-Note wegen eines Konsistenzkollateralschadens aufgrund Mikrowelleneinsatz.

s3 s4 s5

Fazit: Allen Süßsüchtigen sei ein Besuch im SÖÖT anempfohlen. Und da es sich angenehm sitzen lässt im erfreulich beiläufigen Ambiente, ist jede dort verbrachte Minute ein Gewinn. Nicht nur für den Insulinhaushalt.

s2


QYPE-Guide: Viersen gastronomisch

Es lässt sich ja trefflich streiten über Sinn und Mehrwert von sozialen Netzwerken im Internet und allerlei Gimmicks, die im Zuge des Web-2.0-Wahns etabliert wurden. Eine Unterspezies, die ich seit geraumer Zeit mit reichlich Unbehagen beobachte und mittels einiger Ballons auch hin und wieder austeste, sind die sehr beliebten Bewertungs- und Empfehlungsportale. Egal ob Testberichte zu Elektronik, Hotels oder Babyspielzeug – hochfrequentiert sind die Angebote, oft auch reichlich unbrauchbar. Denn gerade unter Dienstleistern ist natürlich der Werbewert schnell erkannt worden – und wird seitdem gezielt beeinflusst. Kaum ein Gastronom, der nur einen Funken Marketingintelligenz besitzt, der nicht selber oder seine Stammkundschaft „Restaurantkritiken“ verfassen lässt.

Doch bei aller Fragwürdigkeit lässt sich ein solches Medium, wie es zum Beispiel QYPE darstellt, auch sinnvoll nutzen. Gastrokritik revisited sozusagen. Auf unterhaltsam prägnante Art Erfahrungen weitergeben, Gutes über den grünen Klee loben und zu Unrecht Wohlbeleumdetes enttarnen – das versuche ich momentan im QYPE-Guide Viersen gastronomisch.