Wider die Bärlauch-Hasser

Immer wieder stelle ich verwundert fest, dass viele fortgeschrittene Foodies kategorische Bärlauchhasser sind. Vor dem letzten SCHWARZMARKT beispielsweise waren wir extra auf unserer Waldwiese der Wahl, nahe Schloss Dyck, um eine Kiste frischestes Kräutergrün zu pflücken und vom Niederrhein nach Köln zu bringen. Dort mussten wir es allerdings anpreisen wie Sauerbier. (Wobei: Sauerbier ist in Zeiten von Gose-/Geuze-Revival ein inzwischen überkommenes Analogon für Verschmähtes, oder?)

Befragt nach dem Warum der Ablehnung werden in der Regel die vordergründige Schärfe und eine gewisse olfaktorische Penetranz ins Feld geführt. Ich halte diese Argumente nicht für haltbar. Denn haltbar ist das Kraut eben nicht – auch mir schmeckt es nur superfrisch. Alles idealerweise direkt von der Lichtung in den Leib. Jede Lagerung – und sind es auch nur wenige Stunden – macht Muffigkeit. Und die führt zur Ablehnung, der nachvollziehbaren.

Wir genießen hier im Gesindehaus also unseren Standortvorteil und den Bärlauch meist fein geschnitten im Quark oder Frischkäse aufs Roggenbrot. Wenn Pesto, dann nur mit Pistazien und bestem Sonnenblumenöl. Oder als Füllung in einer gedämpften Nudel. Womit wir schon beim Anlass dieser knappen, der Ehrenrettung eines als Saisoneröffnungshype gedissten Wildkrauts gewidmeten, Zeilen sind. Denn die ultimativen Verwendungsmöglichkeiten zeigt uns aktuell die beste aller deutschsprachigen, koreanischstämmigen Foodbloggerinnen, missboulette, auf. (Beim Schreiben dieser Worte beschleichen mich Wehmut – ist das wirklich schon 5 Jahre her, dass wir uns trafen, in Berlin, in der Arminiushalle? – und ein leicht schlechtes Gewissen. Schulde ich Dir nicht auch seit vielen Jahren schon ein Gastposting?)

Bärlauch Ganghoe, missboulette

Bärlauch Ganghoe. (© missboulette)

Liebe Freunde von der Antibärlauchfront, habt Ihr schon einmal Bärlauch Ganghoe probiert? Oder Bärlauch Muchim? Ich bin mir nicht sicher, ob Ihr Euern Hass danach noch genauso ungetrübt ausleben könnt. Also: Mutige vor und hier entlang.

 


Grüne Paste, schwarze Hände und Donna Regina

Ist das jetzt der Niederrheinische Frühling, Teil 3? Entscheidet selbst – kurz und knackig wird dieser Text garantiert, denn der Garten ruft. Und das Pflanzencenter. Sowie der lokale Spargelverchecker. Doch der Reihe nach.

Noch nicht mal 40 und schon voll retro? Lebensreformer und Begründer der rheinischen Rohkostrevolution? Autarkie rulez? Wie auch immer – seit zwei Wochen bestelle ich einen Acker. Gestern brachte ich Kartoffeln und Zwiebeln unter die Erde. Heute werden Buschbohnen und gelbe Möhren folgen. Noch glaubt niemand aus meiner Peergroup, dass dies ein nachhaltiger Zeitvertreib wird. Meine von Mutterboden verfärbten Hände und der krumme Gang nach ungewohnt körperlicher Arbeit werden belächelt, allenfalls. Vom Blumenhasser zum Kleingärtner? Rock’n’Roll goes Guerillagardening? Wird Anarchie zu anstrengend blüht der gemeine Spießertraum? Was ich jetzt schon sagen kann: Wie jede Kunst ist Gärtnern schön, macht aber viel Arbeit.

Niederrheinische Bärlauchpaste

Niederrheinische Bärlauchpaste

Bilder und Hintergründiges dazu an kommenden Regentagen – heute sei nur noch erwähnt, dass ein Bekannter mit einem Stück Land in Buchenwaldrandlage einen Haufen Bärlauch mir in die Spüle kippte. Ich habe es verpastet – da ich aus Prinzip keinen Salat esse und noch nicht in den Kaninchenzüchtermodus degeneriert bin. Sieht hübsch aus und Pastepasta schmeckt auch. Niederrheinische Bärlauchpaste geht so: Das Grünzeug gründlichst waschen, der wildpinkelnden Wildtiere wegen. Mit der Schere kleingeschnitten und samt hiesigem Rapsöl und etwas Meersalz stabgemixt. Ich habe das Ganze zweigeteilt und eine Hälfte mit Haselnusskernen gepimpt. Noch weiß ich nicht, was mehr mundet. Übrigens: Kein Käse! Der Farbe wegen.

Die Eheleute Janssen aus Köln machen seit nunmehr 20 Jahren sympathischste musikalische Elektrofrickelei unter dem Namen Donna Regina. Auf Karaoke Kalk ist auch ihr letztes Album mit frühlingshaftem Geplucker samt sphärischem Frauensingsang erschienen: „The decline of female happiness“.
Doch hier nun das großartige, 2002 in Oberhausen ausgezeichnete, Video zu „Why“ vom 99er Album „A quiet week in the house“.