La cittá di Bari

Süditalienische Großstädte haben es mir angetan. Nach Napoli und Palermo habe ich inzwischen eine weitere für mich erobert – oder war es umgekehrt? Drei Impressionen:

Antipasti misti im la tana dei lupi, Bari

Antipasti misti im la tana dei lupi, Bari

Eine Zufallsbekanntschaft, diese Trattoria, kaum 50 Meter vom Meer. Besonders der Carpaccio vom pesce spada war vorzüglich. Auch wenn la tana dei lupi (Wolfshöhle) nicht nach einem Hort kulinarischer Offenbarung klingt.

Universität Bari, Piazza Umberto

Universität Bari, Piazza Umberto

Wenn die Uni Trauer trägt, vergnügt sich das Studentenvolk mit Berlusconi-Bashing. Glücklicherweise war ich dort verabredet und musste durch den weitläufigen Komplex irren. Die Università degli studi di Bari Aldo Moro – ein idealer Ort für intellektuellen Müßiggang.

focaccia barese

focaccia barese

Focaccia Barese ist das streetfood Apuliens. In der Via Imbriani 73, wo drei alte Schwestern seit über 50 Jahren backen, aß ich die beste. Wie man sich eine Ahnung davon nach Hause holt, ist hier beschrieben.


Radtour zur Lüthemühle

Der Begriff „Ausflugslokal“ atmet den miefigen Charme der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und evoziert Gedanken an in Kaennchen servierten Filterkaffee und totfritiertes, überteuertes Essen vor fragwürdig pseudoromantischer Kulisse. Dass das auch auf einem anderen, besseren Level funktioniert, versucht die Lüthemühle in Nettetal zu beweisen.

Das Freizeitverhalten von Menschen ist gewissen Moden und Trends unterworfen. Galt der aktive Aufenthalt in der heimischen Natur bis Ende des letzten Jahrtausends noch als ähnlich verführerisch wie die urdeutsche Kombination aus Bermudashorts, Wollsocken und Birkenstocksandalen, ist in den letzten Jahren Wandern (neudeutsch: Hiking), Walking, Biking, Skating und so weiter und so fort schwer angesagt. Gerade das Gebiet um die Netteseen ist seitdem wieder eine bevorzugte Destination, durchaus auch für urbane Klientel von Rhein und Ruhr. Nur suchte der Freizeitaktivist nach erfolgreicher Fitnesssteigerung gerne mal einen geeigneten Platz zur Einkehr. Oft vergebens.

Am Ablauf der Nette aus dem Ferkesbruch in Lobberich-Sassenfeld gelegen, blickt die Lüthemühle auf eine vielhundertjährige Tradition und eine seit 2006 zurück. Nach dem Abriss des baufälligen Altbestands ist mit viel Liebe zum Detail das neue Gasthaus und Hotel entstanden. Der herrlich weite und offene Innenraum wird vom Außenbereich mit Terassen und Reitställen noch übertroffen. Dort jedoch ist der Service bisweilen langsam, drinnen ist der Ablauf optimaler. Zumal wochentags in der Mittagszeit, wenn Reguläres von der Karte verbilligt offeriert wird, stets in prima Qualität.
Generell eher kritisch anzumerken: Das Getränkeangebot ist reichlich schlicht geraten. Zur durchaus ambitionierten Küche passt die schlechte Bierauswahl in keinster Weise. Völlig unverständlich, warum so viele Gastronomen sich mit mediokrem Industriebier begnügen und nicht Brauereien aus der Region vertrauen. Auch die Weinauswahl ist mau. Generell ein Highlight: Die Süßspeisen!

Die geschmacklichen Eindrücke im Detail: Die Tomatensuppe ist fruchtig, eventuell etwas zu kompakt, Leichtigkeit geht anders. Aber die Aromen sind stimmig und der Einstieg ist gelungen. Ein Antipastiteller schafft wider Erwarten echte Gaumenfreuden. Keine erkennbaren Konserven, Selbsteingelegtes von Zucchini, Tomate, Champignon, Paprika, dazu ein guter Schinken, der leider schon etwas zu lange aufgeschnitten war. Weiter geht es mit Roastbeef und Bratkartoffeln, ersteres gutes Handwerk, letztere so trocken, dass der Verdacht aufkommt, die Erstzubereitung liege schon einige Stunden zurück. Das Pflaumen-Zimt-Eis jedoch ist rundum gelungen, reisst alles wieder raus. Und wird kalorientechnisch der nun gutgelaunten Heimfahrt zum Opfer fallen.

www.luethemuehle.de