Menü Sonnora

Entgegen meiner Art heute kein Text, keine eigene Idee, keine Kritik. Nur dokumentiertes Staunen über ein für mich einmaliges Restauranterlebnis. Allen Genussmenschen, die weder Kalorien zählen, noch sich der Fleischeslust verweigern, sei ein Besuch im Eifelwald, bei Helmut Thieltges im Sonnora, uneingeschränkt empfohlen. Wer Klassik mag, wird kein besseres Restaurant finden hierzulande.

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Auch Bernd hat übrigens schon berichtet. Stefan inzwischen ebenfalls.


Solidarische Landwirtschaft am linken Niederrhein

Der Niederrheiner ist ja ein träger Gemütsmensch. Nicht sonderlich entscheidungsfreudig und Neuem gegenüber erst einmal abwartend. Da dauert es schon einmal, bis gute Ideen überhaupt wahrgenommen werden, geschweige denn im beschwerlichen Provinzalltag Niederschlag finden. Er ist stolz auf seine Traditionen, auch wenn Sie noch so fragwürdig sind. Und – zumindest im kulinarischen Bereich – in der Regel medioker. Unendliche Kappesfelder, aber keine guten Produzenten. Eine Zuckerrübe in Bio-Qualität zu kaufen, ist linksrheinisch schlicht nicht möglich. Gleiches gilt für’s Altbier. Die Liste ließe sich fortführen.

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Solidarische Landwirtschaft funktioniert andernorts recht formidabel. In manchen Ländern werden ganze Regionen und die dort lebenden Menschen in einen nachhaltigen Nahrungsproduktionsprozess eingebunden. Frag nach in Japan. Seit über 50 Jahren sprießen Initiativen wie Teikei, Community-supported agriculture, Schlaraffengärten oder die „Association pour le maintien de l’agriculture paysanne“ in vielen Ländern dieser Erde. Schon auf dem Weltsozialforum 2001 in Brasilien wurde diese Wirtschaftsweise als hervorragender Ansatz für die Ernährung der Weltbevölkerung und deren Re-Integration in landwirtschaftliche Produktionsprozesse favorisiert.

Jetzt also auch am linken Niederrhein. Zwischen Mönchengladbach, Viersen und holländischer Grenze, in Schwalmtal-Eicken, hat sich Mitte des Jahres die Solawi Eicken gegründet. Ab Frühjahr 2017 soll dort von einer Gruppe Engagierter biodynamisch Gemüse erzeugt und in Form von Ernteanteilen wöchentlich an alle finanziell Beteiligten ausgegeben werden. Das klingt erst einmal ein wenig romantisch naiv und erinnert sowohl an die Lebensreform-Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie an die Anfänge deutscher Bioläden in den 1970ern. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass es uneingeschränkt positiv ist, wenn Menschen sich mit „Lebensmitteln“ beschäftigen, mit dem Anbau von Obst und Gemüse, mit dem Selbermachen. DIY ist kein rückwärtsgewandtes, wertkonservativem Gedankengut entsprungenes Konzept zur Abschottung von Fortschritt und dem Weltenlauf. Vielmehr kann es zu deutlicher Bewusstseinserweiterung führen, zur Aneignung von Erkenntnis, Tatkraft und, ja, Lebenssinn. Und wenn es denn allen Beteiligten gut schmeckt, freue ich mich und wünsche gutes Wachstum.

Hier noch einmal der Link zum Projekt – zum Nachlesen und Verstehen:

Solidarische Landwirtschaft in Schwalmtal-Eicken


Frühstücksglück

Resi kenne ich schon seit ein paar Jahren. Sie ist fester Bestandteil des rheinischen, vegetarisch-kulinarischen Kosmos. Avantgarde geradezu. In Düsseldorf als vegane Köchin bekannt geworden (und auch einmalig in Köln, beim Summer of Supper), mit ihrem Lastenfahrrad als Resi lecker Baguette das Glück vieler zur Mittagspausenzeit darbender, genussgewohnter Büromenschen. Nach Babypause wieder ab und an als Cateringqueen zurück im Spiel. Und jetzt schon zum zweiten Mal mit einem Frühstücks-Supperclub (zusammen mit Isa) und Schnaps, Sonntags in der Mütze.

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Wir haben es heute zur zweiten Ausgabe des Frühstücksglücks geschafft. Kein fieser Brunch, ein 5-gängiges Frühstücksmenü machte diesen sonnigen Sonntagmorgen zum Wochenendhighlight. Zum Auftakt Prosecco und ein grünes Fruchtgetränk, welches Smoothie zu nennen der leckeren Sache nicht gerecht werden würde. Yoghurt mit Früchten und Granola war ein leichter, zweiter Versuch, dem morgendlichen Hunger beizukommen. Dann beste Brötchen, ein weichgekochtes Bioei und allerlei formidabler Käse sowie in Butter, Zucker und Knoblauch geschwenkte Kirschtomaten. Höhepunkt war ein Grünkohlgericht: Mit Zitrone und Salz einen Tag mariniert bekam das vormalige Hipstergemüse eine angenehme Textur und Frische und wurde mit Cannellinibohnen, Nüssen und getrockneten Früchten im Glas serviert.

Vor dem Rausschmeißerschnaps (zwei selbst aufgesetzte Varianten aus Holunder und Lakritz) kam noch eine als Schweinerei annoncierte süße Rolle auf den Teller, die sich als eine Art french toast entpuppte, in einem Fruchtkaramell gewälzt (Quitte oder Brombeere, die Meinungen gingen hier auseinander). Insgesamt war das Frühstücksglück gegen 1 Uhr mittags perfekt. Wer selbst einmal solcherlei probieren möchte: Ausgabe 3 wird am 20. November ebenda stattfinden.


Gemüse des Monats: Drillinge

In Jahren wie diesem, das in der wichtigsten Wachstumsphase von extremer Trockenheit geprägt war, haben die schlauen Bauern ganz besonders kleine Kartoffeln. Weil sie als ökologisch wirtschaftende Landwirte ihre Felder und Früchte schonen, nicht mit so genanntem „Kunstdünger“ belasten, erreichen viele Erdäpfel ihre gewohnte Größe nicht. Sie fallen somit in die Handelsklasse Drillinge. Bis vor wenigen Jahren regelte die Verordnung über gesetzliche Handelsklassen für Speisekartoffeln die Größen und Klassen der verschiedenen Sorten verbindlich. Seitdem gibt es nur mehr eine lose Absprache einiger Verbände der Kartoffelwirtschaft. In der Berliner Vereinbarung wird folgendes empfohlen: „Speisekartoffeln, welche die für die jeweilige Knollenform vorgeschriebene Mindestgröße unterschreiten, können in einer Größensortierung für Knollen langovaler bis langer Sorten von 25 bis 35 mm Knollen runder bis ovaler Sorten von 25 bis 40 mm unter der Zusatzbezeichnung „Drilling“ in den Verkehr gebracht werden.“

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Auch wenn „Drilling“ also keine Sortenbezeichnung ist, lohnt sich die kulinarische Auseinandersetzung mit ihm. Warum? Weil die relativ exakte Größensortierung bei qualitativ gut und nachhaltig arbeitenden Betrieben einen großen Vorteil hat: den gleichen, schnell erreichten Garpunkt. Fast ausnahmslos werden übrigens fest kochende Sorten als Drillinge angeboten. Im konkreten Fall, also auf dem Mönchengladbacher Lenßenhof, sind dies Charlotte und Leyla. In der Regel reicht 12minütiges (wenn überhaupt) Kochen in der Schale als basale Herangehensweise. Dazu eine gute Salzbutter oder frisch zubereiteter Kräuterquark, und das Einfache wird Delikatesse.

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Übrigens ist das oben eingebundene Foto durchaus irreführend. Denn ein Kartoffelroder ist eher untauglich bei der Ernte von solch kleinen Dingern – sie fallen schlicht durch’s Raster. Meist ist mühsame Handarbeit angesagt. Der beteiligte Feldarbeiter würde Drillinge im Laden am liebsten mit Gold aufgewogen sehen. Ich habe mich immerhin um eine adäquat elaborierte Zubereitungsweise bemüht, die der Knolle küchentechnsiche Wertschätzung entgegenbringt. Dabei hat mich die indische Kochkunst inspiriert.

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Kümmelkartoffeln mit Apfelsauerkraut (Vorspeise für 4)

500 g Drillinge, halbiert
500 g Sauerkraut
2 Schalotten
200 ml Apfelsaft
50 g Butterschmalz oder Ghee
Je 1 Tl Schwarzkümmel, Kreuzkümmel und echter Kümmel
4 Wacholderbeeren
1 frisches Lorbeerblatt
Salz, Pfeffer
4 El Schmand

Die Schalotten in feine Ringe schneiden und in wenig Schmalz anschwitzen. Das Sauerkraut hinzugeben, kurz durchrühren und mit dem Apfelsaft aufgießen. Wacholder und Lorbeer hinzu und 20 Minuten in geschlossenem Topf köcheln lassen. Währenddessen im restlichen Schmalz die verschiedenen Kümmelsorten erhitzen, die Drillinge hinzugeben und einige Male durchschwenken. Deckel drauf und 15 Minuten bei niedriger Temperatur garen. Zum Schluss salzen, anrichten und mit je einem Esslöffel Schmand versehen.


Dieser Beitrag ist der dreißigste in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht.


Ein Kugelteller oder Kürbis, im Ganzen gegart

Vom Versuchsfeld des besten Biobauern schafften es einige Miniaturausgaben von Hokkaidokürbissen bis ins Gesindehaus. Zwei Ideen spukten umgehend in meinem Hirn herum: Füllen und im Ganzen garen war die eine. Da ich aber ein eher unansehliches Tellerbild antizipierte, trat Idee 2 auf den Plan: das Ganze mit anderen, kleineren Kugelförmigen optimieren. Ob mir dies hinreichend gelungen ist, liegt im Auge des je anders geschulten Betrachters.

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Zu sehen sind folgende Komponenten (im Uhrzeigersinn):
Mit leicht scharfem Couscous und weißen Weintrauben gefüllter und im Ofen gegarter Hokkaido mit einem Topping von Senfbutter und karamelisiertem Knoblauch, in Birnenbalsamessig marinierter Staudensellerie, säuerlicher Couscoussalat, Zitronenkaviar, fermentierte Tomate. Besser wäre gewesen: mehr Salz. Sonst ganz gut.


Das war der SCHWARZMARKT 6

Die sechste Ausgabe des Kölner SCHWARZMARKTs, der gestern wie gewohnt im Marieneck stattgefunden hat, war die bisher beste. Über 30 Menschen boten weit mehr als 70 verschiedene kulinarische Eigenkreationen oder Gartenfrüchte zum Tausch an.

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Johannes hat das ganz genau dokumentiert. Die allermeisten Teilnehmer gingen reich beschenkt wieder nach Hause. Fast alle stellten mir, noch ganz euphorisiert vom herrlichen Probieren und den wunderbaren Gesprächen, beim Abschied die Frage nach dem nächsten Mal. Hier also die Auflösung:

Der SCHWARZMARKT 7 findet statt am 2. April 2017.

Gleicher Ort, gleiche Zeit. Alle weiteren Informationen dazu wird es in den kommenden Monaten hier und in der entsprechenden Facebookgruppe geben.

Es waren viele neue Gesichter dabei – und einige altbekannte. Die bloggenden unter ihnen haben auch schon berichtet. Z.B. Bernd, Jochen und Stefanie. Deren Onjeschwedde war eines meiner persönlichen Highlights – das ich aber prompt vergessen habe, einzutauschen. Wir Gesindehausbewohner hatten übrigens als Tauschobjekte erneut Tomatenkonfitüre (von der Picolino-Tomate) dabei sowie erstmals eine Gemüsepaste, die für Brühe und zum Abschmecken von Soßen oder Eintöpfen Verwendung finden kann. In den letzten Jahren ist unter den Lebensmittel-Selbermachern gekörnte, getrocknete Gemüsebrühe sehr populär geworden. Uns erscheint das wegen des stundenlangen Trocknungsprozesses im Ofen allerdings doch eine ziemliche Energieverschwendung zu sein. Daher also dieser Versuch mit einer rohen Paste, die mit einen Salzanteil von 20 Prozent mehr oder weniger haltbar gemacht wird (im Kühlschrank mindestens 1 Monat – wahrscheinlich deutlich länger). Hinein kamen neben dem Salz Möhre, Stangen- und Staudensellerie, Lauch, Petersilie und Petersilienwurzel sowie etwas Lorbeer und Liebstöckel – alles zusammen fein püriert.

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Bis zum nächsten Mal!


Neu in Köln: Salvatore Bella im Rosati

Auf Einladung von Salvatore Bella, italienischer Spitzenkoch und zuletzt Küchenchef im hiesigen Hyatt, habe ich heute einen Blick werfen dürfen in’s Rosati im Gerlingquartier. Genau wie das gesamte Viertel, dessen Wandlung in eine kölsche Top-Wohnlage nun schon Jahre dauert, haben die Düsseldorfer Betreiber um den Promi-Wirt Santo Sabatino ganz schön viel Zeit ins Land gehen sehen, bevor nun am kommenden Wochenende die offizielle Eröffnung ansteht. Dabei ist eines jetzt schon klar: Das Rosati Köln wird mehr sein als ein Nobelitaliener in übertriebenem Design und mit überdosierter Attitüde. Das dafür nötige Schickimicki-Publikum gibt es in Köln schlicht nicht in ausreichender Zahl, als dass ein solches Konzept wirtschaftlich funktionieren könnte.

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Und Bella kocht auch viel zu gut dafür. Ich durfte mich durch die gesamte Karte probieren, die momentan während der Soft-Opening-Phase zur Probe gekocht wird. Und schon ein scheinbar simpler Teller wie die „Kopfsalat-Tortelli mit Burrata, konfierten Tomaten und Mohn“ besticht durch handwerkliche Präzision und beste Produktqualität. Ebenso wie die Kalbsravioli – Bella erklärt gerne den Twist für die Füllung: „Für die Farce nehme ich ausschließlich Kalbszunge. Und gare die Pasta anschließend in deren Brühe.“ Manchmal ist es so einfach. Und gut.

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Bleibt zu hoffen, dass in dem riesigen Restaurant mit bestimmt über 300 Plätzen die Küchenqualität nicht abfällt, wenn’s voll wird. Die 13-köpfige Crew hinterm Pass scheint mir aber gut gewappnet. Salvatore Bella strahlt sowieso Ungeduld aus und Zuversicht. Und ich bin mir sicher, in fußläufiger Nähe zum Büro zukünftig eine weitere gute Adresse für meinen Mittagstisch zu haben. Abends dann gibt’s im tatsächlich stilvoll gestalteten Barbereich Livemusik, gute Drinks (auch italienisches Craftbeer) und Wohlfühlatmosphäre, die nicht zuletzt einem kompetenten Serviceteam geschuldet ist.

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