Gemüse des Monats: Drillinge

In Jahren wie diesem, das in der wichtigsten Wachstumsphase von extremer Trockenheit geprägt war, haben die schlauen Bauern ganz besonders kleine Kartoffeln. Weil sie als ökologisch wirtschaftende Landwirte ihre Felder und Früchte schonen, nicht mit so genanntem „Kunstdünger“ belasten, erreichen viele Erdäpfel ihre gewohnte Größe nicht. Sie fallen somit in die Handelsklasse Drillinge. Bis vor wenigen Jahren regelte die Verordnung über gesetzliche Handelsklassen für Speisekartoffeln die Größen und Klassen der verschiedenen Sorten verbindlich. Seitdem gibt es nur mehr eine lose Absprache einiger Verbände der Kartoffelwirtschaft. In der Berliner Vereinbarung wird folgendes empfohlen: „Speisekartoffeln, welche die für die jeweilige Knollenform vorgeschriebene Mindestgröße unterschreiten, können in einer Größensortierung für Knollen langovaler bis langer Sorten von 25 bis 35 mm Knollen runder bis ovaler Sorten von 25 bis 40 mm unter der Zusatzbezeichnung „Drilling“ in den Verkehr gebracht werden.“

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Auch wenn „Drilling“ also keine Sortenbezeichnung ist, lohnt sich die kulinarische Auseinandersetzung mit ihm. Warum? Weil die relativ exakte Größensortierung bei qualitativ gut und nachhaltig arbeitenden Betrieben einen großen Vorteil hat: den gleichen, schnell erreichten Garpunkt. Fast ausnahmslos werden übrigens fest kochende Sorten als Drillinge angeboten. Im konkreten Fall, also auf dem Mönchengladbacher Lenßenhof, sind dies Charlotte und Leyla. In der Regel reicht 12minütiges (wenn überhaupt) Kochen in der Schale als basale Herangehensweise. Dazu eine gute Salzbutter oder frisch zubereiteter Kräuterquark, und das Einfache wird Delikatesse.

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Übrigens ist das oben eingebundene Foto durchaus irreführend. Denn ein Kartoffelroder ist eher untauglich bei der Ernte von solch kleinen Dingern – sie fallen schlicht durch’s Raster. Meist ist mühsame Handarbeit angesagt. Der beteiligte Feldarbeiter würde Drillinge im Laden am liebsten mit Gold aufgewogen sehen. Ich habe mich immerhin um eine adäquat elaborierte Zubereitungsweise bemüht, die der Knolle küchentechnsiche Wertschätzung entgegenbringt. Dabei hat mich die indische Kochkunst inspiriert.

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Kümmelkartoffeln mit Apfelsauerkraut (Vorspeise für 4)

500 g Drillinge, halbiert
500 g Sauerkraut
2 Schalotten
200 ml Apfelsaft
50 g Butterschmalz oder Ghee
Je 1 Tl Schwarzkümmel, Kreuzkümmel und echter Kümmel
4 Wacholderbeeren
1 frisches Lorbeerblatt
Salz, Pfeffer
4 El Schmand

Die Schalotten in feine Ringe schneiden und in wenig Schmalz anschwitzen. Das Sauerkraut hinzugeben, kurz durchrühren und mit dem Apfelsaft aufgießen. Wacholder und Lorbeer hinzu und 20 Minuten in geschlossenem Topf köcheln lassen. Währenddessen im restlichen Schmalz die verschiedenen Kümmelsorten erhitzen, die Drillinge hinzugeben und einige Male durchschwenken. Deckel drauf und 15 Minuten bei niedriger Temperatur garen. Zum Schluss salzen, anrichten und mit je einem Esslöffel Schmand versehen.


Dieser Beitrag ist der dreißigste in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht.


2 Kommentare on “Gemüse des Monats: Drillinge”

  1. kormoranflug sagt:

    Lange dachte ich das ist eine Kartoffelsorte: „Drillinge“ aber neulich las ich Kartoffelsorte: Galante.


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