Gemüse des Monats: Kohlrabi

Wenn andere Kinder Obst in die Schule mitbrachten, Äpfel und Birnen, Bananen bisweilen oder auch mal eine Möhre, war ich froh, dass in meinem Ranzen fast ausschließlich Stullen lagen. Die ich auch nicht immer aß – notorischer Pausenbrotvergesser, der ich war. Doch meine Mutter buk oft selbst und belegte die Scheiben mit grober Leberwurst vom Dorfmetzger oder kräftig-aromatischem Tilsiter-Rohmilchkäse. An solchen Tagen war viel Platz um mich herum, im Schulbus und auf dem Pausenhof. Doch zwischen Mai und Juli gelangte dann häufig Gemüse aus dem eigenen Garten in den Tornister, das mich zum passionierten Rohköstler werden ließ, ohne überhaupt zu wissen, was das ist.

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Weder interessierte ich mich – zum Leidwesen der Eltern – für Gartenbau, noch für gesundheitliche Aspekte der Nahrungsaufnahme. Ich aß, was mir schmeckt – alles andere strafte ich mit Nichtachtung. So ähnlich halte ich das bis heute. Durchgehalten habe ich auch die Zuneigung zum gemeinen Kohlrabi, den ich nach wie vor am liebsten roh verzehre. Mit dem Messer in der einen und der Knolle in der anderen Hand ist das gelebtes Lob der Einfachheit, wenn ich mir dicke Schnitzer in den Mund schiebe und dabei wohlig schmatze. Doch bevor dieser Text abgleitet in ein anderes Genre, werde ich einmal kurz nüchtern.

Das Vorkommen von Brassica oleracea var. gongylodes, auch Rübkohl genannt, ist in Europa seit über 500 Jahren belegt. Nirgendwo sonst ist er so beliebt wie in unseren Breitengraden. Das liegt sicherlich auch an der relativen Anspruchlosigkeit im Anbau, häufig wird er daher als Zwischen- oder Nachfrucht gepflanzt und geerntet. Eine Riesenvariante heißt Superschmelz. Neben rohem Verzehr kommt er als klassische Gemüsebeilage gedünstet oder gekocht auf den Tisch. Auch gefüllt und überbacken wird Kohlrabi häufig. Sogar in gehobelter und fermentierter Form habe ich ihn schon gegessen. Zum folgenden Rezept hat mich Douce Steiner inspiriert.

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Kohlrabitaschen mit Ziegenfrischkäse in anisiertem Kohlrabisud

2 Kohlrabi
Gemüsebrühe
1 Schalotte
100 g Ziegenfrischkäse
Dill
Anissaat
Butter
Rapsöl
Salz, Pfeffer

Eine Kohlrabi mit Schale und Blättern kleinschneiden, mit der Schalotte und 3-4 Aniskörnern in wenig Butter anschwitzen, mit Brühe auffüllen und weichdünsten. Pürieren, passieren, würzen und kurz vor dem Anrichten mit kalter Butter aufmontieren.

Den anderen Kohlrabi in feine Scheiben schneiden – mit der Maschine oder einem wirklich scharfen Messer – und in Öl-Butter-Gemisch 2-3 Minuten dünsten, dann mit Brühe auffüllen und gar ziehen lassen. Den Frischkäse leicht salzen und mit dem fein gehackten Dill vermengen. Gemüsescheiben abtrocknen, etwas Frischkäse aufsetzen und zusammenklappen. 3-4 Taschen in einen tiefen Teller legen, den Sud angießen und mit Blüten von der Kapuzinerkresse und Liebstöckel nicht nur garnieren.


Dieser Beitrag ist der neunzehnte in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht.

 


7 Kommentare on “Gemüse des Monats: Kohlrabi”

  1. karu02 sagt:

    Das Rezept liest sich gut. Ich mag die Kohlrabi lieber roh als gekocht, aber dieses Rezept könnte mir auch schmecken. Ich werde es probieren. Danke.

  2. bushcook sagt:

    Das ist sehr schön und Kohlrabi ist eins meiner Lieblings-Gemüse.

  3. Steffi R. sagt:

    Super Idee, ein paar Tage noch un dich kann bestimmt den ersten ernten, vielen Dank.
    Liebste GRüße Steffi

  4. richensa sagt:

    So lecker sich dein Rezept auch liest: auch ich verzehre Kohlrabi am liebsten roh. Zu Kinderzeiten wurde der auch im heimatlichen Garten in rot und weiß angebaut, wir mussten die Raupen absammeln, bevor der Kohlweißling sich ganz breit machte.
    Aber bei einer überschaubaren Zutatenmenge könnte ich es doch wagen, hier im nicht perfekt ausgestatteten Ferienhaus… Neue Wege in den Magen wagen…

  5. Chris sagt:

    Ich mag Kohlrabi gerne, vor allem in der Suppe. Ich werde dein Rezept die Tage ausprobieren, da es köstlich klingt, vielen Dank!!

  6. karu02 sagt:

    Ich habe es gewagt. Es ist nicht so schön gelb geworden, wie auf Deinem Foto, eher grünlich, wegen der Blätter und Anissaat hatte ich auch nicht im Haus. Ich nahm Fenchelsaat, das passte gut. Die Scheiben für die Taschen bekam ich nicht so dünn geschnitten, wie gesollt, habe in der Not einfach je zwei Scheiben aufeinandergelgt und den Käse in dazwischen gegeben. Das war weniger attrativ aber trotzdem sehr lecker. Danke noch mal für das Rezept.


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