Rhabarberzwitter, Würzmittel und ’ne Liveband

Geht mehr auf Konzerte! Dieser Aufforderung der legendären Kapelle Petra ist kaum etwas hinzuzufügen. Denn der Liveauftritt von Musikanten ist der kulturelle Kit, der die verschiedensten Verästelungen mit postmoderner Dekadenz durchwirkter menschlicher Leben zusammenzuhalten in der Lage ist. Nie fließt mehr Energie als in dem Moment, da eine Band die Bühne betritt, ihre Performance mit der Erwartungshaltung des Publikums abgleicht und – zu fliegen beginnt. Wer Ohren hat, kann plötzlich mit dem Herzen hören. Und geht geläutert in die Nacht, später, von Zweifeln befallen daran, ob Fatalismus wirklich die einzige Haltung sein kann, die des Lebens Unbill erträglich macht.

Tausendmal erlebt, solcherlei. Zuletzt am Samstag in Mönchengladbach. Psychedelischer Krautpop mit artsy-fartsy Attitüde und Powerfrau. Nausica. Proben in Wuppertal, kommen von überallher und trafen sich während des Musikstudiums in Arnhem. Absolute Präzision, reiner Klang, Spaß am Spiel. Bestes Konzert seit langem.

Am Tag danach war mir nach Ambilvalenz. Daher buk ich eine Tarte, die beispielhaft stehen könnte für eine angewandte Phänomenologie der Wahrnehmung. Spiegelt sie doch perfekt wider die zwei Seiten derselben Medaille, die da Genuss heißt. Rhabarberquiche. Mürbeteig mit Mandeln. Grob geschnittenes Gemüse. Ein Guss aus gleichen Teilen Ei, Sahne, Schmand, Milch. Gewürzt mit Vanille, Pfeffermischung, Anis. Und nun die Varianz: Zucker in Teig und Fülle macht Glücksgefühle bei sonntäglichem Kaffee und Kuchen. Stattdessen Salz – und der Geschmack ist noch präziser, feine Säurearomatik, lockerleichte Konsistenz. Herzhafter Fruchtpudding auf buttrigem Teigboden.

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Am Niederrhein fehlt zwar bis auf wenige Ausnahmen eine ernstzunehmende Gastroszene – dafür bieten immer mehr Produzenten und Händler hervorragende Produkte an: Gemüse, Käse, Fleisch und Fisch. Ich kann mich wahrlich nicht beklagen, wenn es um den regionalen Lebensmitteleinkauf geht. Lässt sich fast alles mit dem Rad erledigen.
Meine Neuentdeckung aber ist, dass das auch für Gewürze gilt. Irgendwann las ich bei Kollegin Bushcook von der Manufaktur Spirit of Spice in Willich. Nun kaufe ich nirgends anders mehr Würzkram. Die Einzelgewürze haben durchaus Hollandsche Qualität – und die Mischungen suchen Ihresgleichen. Die oben erwähnte Pfeffer Cuvée zum Beispiel ist großartig. Check it out!



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