PureWhite Food

Wenn ein Restaurant das Reine, Einfache, Perfekte postuliert, nicht nur leitmotivisch, sondern gleich plakativ die Ambition im Namen führt, dann bedeutet dies mindestens dreierlei: Beim Besuch wird Konzentration verlangt auf das Eigentliche, das Produkt steht im Mittelpunkt, der Gast wird konfrontiert mit der bestmöglichen Qualität, nicht mehr, besser aber auch nicht weniger. Denn zweitens ist da die Fallhöhe, die mit einem solchen Postulat einhergeht. Scheitern ist vielleicht mehr als eine Möglichkeit. Und schließlich darf ein Bericht darüber sich nicht anmaßen, wortreicher zu sein als notwendig.

pure3

Unsere fröhliche Freitags-Foodierunde führte uns also dieses Mal in die Antwerpener Straße, an den Rand des belgischen Viertels in Köln. Das PureWhite, in der letzten Woche eröffnet, befindet sich in einem Laden,  in dem früher einmal gepimpte Currywürste feilgeboten wurden. Größer könnte der Kontrast nicht sein: Denn hier wird nun nicht mehr Mediokrem zu einem Status verholfen, der ihm nicht gebührt, sondern alles ist Reduktion als Prinzip. Nicht weniger ist mehr, alles ist alles: ein Lebensmittel in der besten Qualität zu bekommen und seinen Gästen puristisch zuzubereiten – das ist die aktuelle Vorgehensweise von Cristiano Rienzner. Der ist nicht nur ein Fanatiker und auf Anhieb sympathischer Mensch, sondern hat als Koch schon in Berlin (maremoto), Cheng Du, im El Bulli und zuletzt in Oslo gearbeitet. Nun ist er hier, denn Köln ist die Stadt der Liebe.

pure1 pure2

Dieses Essen korrumpiert, so viel steht fest. Denn Regionalität und ein moderner, ganzheitlicher Küchenansatz (der beispielsweise die Prämisse hat, wirklich alles von einem Lebensmittel zu verwenden) gehören nicht ins PureWhite-Portfolio. Dafür höchster Genuss, der in seiner Perfektion das Abweichen von der Regel gut sein lässt.

pure5

Wir hatten handgetauchte Jakobsmuscheln aus einem norwegischen Fjord mit einem scharfkräutrigen Mangosalat, die zartesten Calamaretti meines Lebens mit einem Pinienkernnougat, Dakotabeef mit Kartoffeln und Spargel, lauwarmer Mayo und Estragonpulver. Alles gegart auf dem Jopsergrill – Rienzner ist ein Magier der Holzkohle.

pure4 pure6

Dazu Riesling von Künstler und die schweinischen Weine vom Weinpunk – im Ergebnis eine herrliche Völlerei. Mit einem kleinen bisschen Wehmut: So etwas ist eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Allein die Preiskalkulation kann doch gar nicht auf Dauer funktionieren. Oder doch? Ich lasse mich gerne überzeugen und komme wieder, bald und oft.

 


4 Kommentare on “PureWhite Food”

  1. chezuli sagt:

    sehr schön und sehr treffend beschrieben. Mal sehen, ob das Konzept auf dem Preisniveau trägt.

  2. karu02 sagt:

    Das liest sich so gut, dass Lust aufkommt, nach Köln zu fahren.

  3. Ich sehe die Fotos jetzt zum x-ten Mal an und erwäge, vor diesem Laden ein Zelt aufzuschlagen.

  4. […] Begeisterung dazu gibt es bei Jörg Utecht und Wolfgang Fassbender, mit dem ich dieses feine Essen […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s