Das Essen verlorener Tage – eine Blitzumfrage

Am klassischsten aller Erbsensuppentage, der allerorten großenteils zu Zwecken der Logistikoptimierung und Leerstelleneliminierung in der Lagerhaltung genutzt wird, kommen auch im Gesindehaus einzig Reste auf den Mittagstisch. Immerhin handelt es sich dabei um das Beste, was man spontan aus kaum aromatischen weißen Zuchtchampignons machen kann. Zumindest in meiner begrenzten kulinarischen Erfahrungswelt – und der Tatsache geschuldet, dass eben Einkäufe und Putzerei prioritär zu behandeln sind an einem Samstag in Deutschland.

Nun muss ich aber einschieben – so viel Zeit ist immer – dass auf dem Plattenteller sich gerade die unbestritten beste Scheibe des noch jungen Jahres dreht. Manchestermusik aus dem Konsensfach einerseits. Andererseits seit über zehn Jahren meine Lieblinge des britischen Popsongs: I Am Kloot. „Let it all in“ ist schlicht das einzige melancholische Opus magnum, zu dem sich die Herren Feierabendtrinker, Bewahrer proletarischen Charmes und Melodienmeister fast zwangsläufig in die künstlerische Lage versetzt haben. Alle zehn Songs sind einfach nur sympathisch und, ja, schön. Zum Heulen. Ich freue mich so, die Band in Köln zu sehen – also Album kaufen und selber hingehen.

Eine kurze Frage in die Runde – an zehn ausgewählte Genussmenschen im sozialen Netz – förderte Uneinheitliches zu Tage. Foodblogger, Winzer, Gastronomen – sie alle frug ich, was sie heute Mittag essen. Und warum. Das prägnanteste Ergebnis: Nur ein Eintopf ist geplant. Das Spektrum der Antworten ist ansonsten so bunt wie die Charaktere der Angesprochenen.

In der Eidgenossenschaft steht demnach Biodöner auf dem Speiseplan, als Einkaufsbummelstärkung. Im hohen Norden hingegen wird die Stintsaison gefeiert – und gleichzeitig damit die Teilnahme an einem entsprechenden Blogevent realisiert. Im Kölner Umland gibt’s Backofenschwein, weil es sich bäuerlich anbietet.

Die aufwändigste Kreation wird von der anderen Rheinseite her angekündigt:
Orangen-marinierter Fenchel mit flambierter Chorizo
Rumpsteak vom Pferd vom Grill mit Mangold und Kartoffelselleriepüree
Karamellisierte Ananas mit Rum und Tasmanischem Pfeffer und Vanilleeis
dazu Rodrigo Leao € Cinema Ensemble im CD-Player

Düsseldorf halt.

Der letzte Tag des Winterschnitts in einem einsamen, französischen Weinberg wird folgendermaßen kulinarisch untermalt:
„Ein hart gekochtes Ei auf einer Scheibe Baguette – mit Quellwasser runtergespühlt und dann ein Stück Schokolade in meinen Milchkaffee aus der Thermosflasche getunkt.“ In Wien hingegen wird um diese Uhrzeit noch das Frühstück geplant. In Rheinhessen ist das immerhin schon klar: Naturjoghurt mit Obst. Oder Gesternreste zum Wein: Kartoffelsuppe.

Wer samstags allerdings Mama besucht, bekommt unter Garantie seine Kinderzeitenleibspeise aufgetischt. Das geht auch Cheffoodbloggern so: Kartoffel-Möhren-Suppe und einen Ring Fleischwurst – Lieblingsessen. Da, wo Kinder Mitesser sind, bestimmen diese gerne mal den Speiseplan zum Wochenendauftakt und verlangen Süßes: Dampfnudeln mit Vanillesauce! Noch so ein Klassiker. Genauso wie kalte Pizza vom Vorabend, als Katerfrühstück, wenn die Zuordnung der Tageszeiten noch schwerfällt.

pilzpolenta

Ich esse gleich also Pilze mit Polenta, weil es schon gestern abend so gut schmeckte. Als Aromaten eine Kombination aus Thymian, Balsamico, Zitronenabrieb. Pecorino in den Maisgriesbrei. Und dann: Frühjahrsputz.

Nachtrag:
Antworten kamen u.a. aus folgenden Richtungen – nur wer gab welche?

Nachtrag 2:

„Brot & Käse. Weil ich heute im Weinberg die erste Arbeit für den ’13er gemacht habe.“
Allem Anfang


4 Kommentare on “Das Essen verlorener Tage – eine Blitzumfrage”

  1. nata sagt:

    Eintopf hätte ich auch gerne gehabt. Schon allein, um mal die riesigen Vorräte an Hülsenfrüchten abzubauen. Aber leider vergass ich das Einweichen.

  2. […] seinem sehr lesens- und ebenso hörenswerten (weil er immer auch gute Musik aufspürt) Blog eine Blitzumfrage an zehn ausgewählte Genussmenschen im sozialen Netz […]

  3. oachkatz sagt:

    Sehr ansprechend und schön unkompliziert: die Schokolade im Milchkaffee beim Arbeiten. Und das, was auf dem Plattenteller liegt.


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