Gastrolyrik

Da Stevan heute nicht liefert, schüttel ich mal einen Reim aus dem Handgelenk (in Form einer 8, selbstverständlich):

Essen im Dunkeln

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schon beim Setzen zog ich mir ’ne Delle
zu am Knie. Und doch
strahlten alle sieben Sinne,
auf dass es endlich doch beginne,
die Völlerei im dunklen Loch.

Unsicht-Bar sind dort Konzept und Namen,
„Weniger ist mehr“ der Rahmen,
Sparsamkeit für Wirt und Gast.
Der Esser nimmt sich selbst die Sicht,
Der Wirt spart Personal und Licht,
bloß weg mit dem Ballast.

Große Tellerkunst ist eh passé,
Stromsparn gut für’s Renommee
Und ein Dritter freut sich auch.
Denn die beschädigte Patella ist
ein Fall für Knochenarzt und Physiotherapist
Außerdem schmerzt mich der Bauch.

Dass gute Nerven etwas Positives sind
lernt eines jeden Patriarchen Kind.
und bildet diese aus, ganz blitzgescheit.
Doch ist mir auf den Magen
der Geruch in dieser Kammer wohl geschlagen
zum Schmerz gesellte sich noch Übelkeit.

Bevor das Desaster zur Katastrophe ward,
hab ich mir den Rest dann schlicht erspart,
ergötzte mich an den Gebrechen.
Meine erste Blindverkostung kam mir in den Sinn
als Kölsch für Bier ich hielt, welch Gewinn
an Erkenntnis meiner Schwächen.

In Arabien aß ich mal ein Auge
und ne Zunge hier am Niederrhein.
Nasen kann man prima schmoren,
als Asiate oder Pfälzer, hauptsache sie stammt vom Schwein.
Doch sich etxra eines Sinns berauben,
steigert niemals nie Genuss.
Nur noch an die Dekadenz zu glauben
führt geraden Wegs zum Ende. Aus. Und Schluss!

(Anmerkung des Mittagspausenpoeten: Personen, Orte und Handlung dieser Verse sind frei erfunden.) 


7 Kommentare on “Gastrolyrik”

  1. missboulette sagt:

    auch wenn mein kopf dröhnt beim lachen, lohnt sich – wie dein köln bericht. helle und delle sind meine favoriten.

  2. Lakritze sagt:

    Dunkelrestraurants sind für die Knochen
    von Übel. Sind sie’s für den Magen,
    würde ich mal höflich fragen,
    ob sie in der Küche auch im Dunkeln kochen.

  3. Afra Evenaar sagt:

    Köstliche Lyrik. Ich kann nicht leicht genug davon bekommen.


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