Carbonara

Nein, ich erwähne diesen unsäglichen Song nicht. Für mich gibt es andere musikalische Konnotationen, wenn es um den umstrittenen Spaghetti-Klassiker geht. Nachzulesen im vorhergehenden Post. Genauso wie es für Lebensphasen spezifische Soundtracks gibt, kann ich vielen Zeiten auch eindeutige Lieblingsessen zuordnen. Die frühen 90er waren die Carbonara-Phase.

Schnell, einfach und gut. Und im Zweifel auf einer Herdplatte umsetzbar. Mit 19, 20, 21 in Bonn und Köln und viel zu selten Hamburg lagen meine Vorlieben nicht auf dem Gebiet ausgefeilter Kulinarik, offen gesagt auch nicht zwischen den verschlungenen Regalkilometern der Universitätsbibliotheken. Eher schon im Dunstkreis des prallen Lebens. Und wenn man sich dort bewegte, war es stets ratsam, einen gut gefüllten Magen zu haben. Doch auch mit wenig Anspruch: Die Qualität musste stimmen.

Ob nun Amerikaner oder echte Römer dieses Gericht erfunden haben, Frau Köhler dabei eine Rolle spielte oder die Kreation schlicht der Not gehorchte: In 15 Minuten lässt sich mit ähnlich wenigen Zutaten kein vergleichbar perfekter Genuss herbeiführen. Was braucht es also? Ausreichend gute Spaghetti und pro Person: Ein Ei und ein Eigelb, reichlich Speck, zwei Esslöffel geriebenen Pecorino, grobgemahlenen Pfeffer und Salz.

carbonara

Spaghetti kochen und den Speck in einer beschichteten Pfanne in dünne Streifen geschnitten auslassen. In einer leicht angewärmten Schüssel die Eier mit dem Käse und dem Pfeffer verrühren. Spaghetti abgießen und einen Moment warten, um die Temperatur zu senken. Dann in die Schüssel und gut mit der Eimischung verrühren – so sollte nichts stocken. Den Speck hinzu, nochmal unterheben, fertig. Das einzige Getränk, was wirklich dazu passt, ist Rieslingsekt. Extra brut. Gerne von Bardong.

Musikalisch bin ich während dieser Zeit übrigens in die Hamburger Schule gegangen. Kolossale Jugend im Blumfeld mit Goldenen Zitronen. Huah! Die Braut haute ins Auge und ich sah nur noch Sterne. In diesem Sinne gilt, bevor die Party losgeht: Du darfst nicht vergessen zu essen!


10 Kommentare on “Carbonara”

  1. missboulette sagt:

    Ein Hoch auf die Inkonsequenz! Hatte ernsthafte Befürchtungen… Und Carbonara geht natürlich immer!!

  2. chezmatze sagt:

    Wie war das noch mal? Nicht an den blauen Elefanten denken, oder? Carbonara – e una Coca Cola. Wenn ich heute nicht einschlafen kann vor Dudeleien im Kopf, Du bist schuld ;).

    Spaghetti Carbonara mache ich übrigens auch heute noch, bevorzugt auf meinem Campingkocher, weil der Speck da erst so richtig knusprig wird. Vom Ei nehme ich übrigens nur das rohe Dotter. Leider auch so eine Sache, die man aus übermäßiger Panik in Restaurants/Pizzerien gar nicht mehr angeboten bekommt.

  3. chezmatze sagt:

    P.S. Hamburger Schule war damals auch meine. Unser Favorit der Sterne seinerzeit: „Ein verregneter Sommer“. Gefällt mir immer noch, genauso wie die Carbonara.

  4. Lakritze sagt:

    Carbonara (oder, wie das früher bei uns hieß: »Schinkennudeln«) ist der Inbegriff der Schnellküche, und wie unfaßbar lecker das sein kann, merkt man oft erst nach ein paar Jahren elaborierterer Kochkunst. Und wie unterschiedlich man die einfachsten Dinge machen kann! Dein Rezept (vööööllig anders als unseres) kommt auf die Probierliste.

  5. Claus sagt:

    So einfach und doch so riskant. Das mit dem Stocken am Schluß meine ich. Da gehen aber auch andere Getränke dazu. Riesling, ohne Bläschen!

  6. utecht sagt:

    @ mb
    Inkonsequenz, missionarischer Eifer und die Lust an latenter LeserInnen-Überforderung lassen gar nicht anderes zu.

    @ matze
    Die frühen Sterne waren die einzigen, die Musik gleichzeitig denken, tanzen und spielen konnten. Bis zum monumentalen Album „Posen“ zumindest.

    @ lakritze
    Völlig anders? Wie denn?

    @ Claus
    Gerade das Blubbern konterkariert das kompakte, heftige dieses Gerichts.

  7. karu02 sagt:

    Besten Dank, es ist auf Anhieb ohne Stocken gelungen und hat sehr gut geschmeckt, obwohl es so schnell zubereitet ist.

  8. Afra Evenaar sagt:

    Ganz schön puristisch, lieber utecht. 🙂


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