Dunkelhellila Aster oder Herbststürme am Niederrhein

Liebes Online-Tagebuch. Mein Leben verläuft momentan nicht in blogkompatibler Struktur. Das ist gut und schlecht, phänomenologisch betrachtet. Die Textur ist unbestimmt, auf dem Teller Durcheinander, das Mundgefühl vage blümerant. Da ist eine große Wut, auf das Leben, die Welt, die Gesellschaft, die eigene Unzulänglichkeit. Der Wille zum Guten und Gerechten und die Verpflichtung zum Feiern. Die Gewissheit, dass „Keine Kompromisse“ ein perfektes Lebensmotto ist, kollidiert mit unbändiger Lust auf die Abkehr von allen Prinzipien. Es werden Weichen gestellt. Mir ist nur nicht so ganz klar, von wem und wohin die Reise geht. Ich fühle mich wohl dabei – Ungewissheit ist mir stets kreativer Motor – und leide wie ein Hund. Die Seele ist porös. Ich höre nur noch Neil-Young-Alben.

It’s better to burn out than to fade away. Oder wie Hans Neuenfels es in Interviews zu seinem Bastardbuch fordert: „Du musst brennen. Kein Kalkül!“ Das Energielevel ist hoch. Derart, dass mein Tun und Lassen Gefahr läuft, ins Hyperaktive abzugleiten. Nicht ins Beliebige, alles was beispielsweise in der letzten Woche statt hatte, war wichtig, richtig, gut. Ein bisschen viel vielleicht. Bleibt nur weiter, weiter, weiter. Ich als soziale Randgruppe auf dem Weg zu mir selbst. Nein, liebes Blog, ich erspare uns beiden weiteren Adoleszenzexistenzialismus. Midlifecrisisantizipationsblabla. Ich wollte ja eigentlich nur eine kurze Erklärung liefern, warum ich „Nichts von Belang“ schreibe.

Beispielsweise endlich die Artikel zu Erdmöbel oder Bernd Schales fertigstellen. Neue Platten von Mutter, Niels Frevert oder PeterLicht lobpreisen.  Ebenso den erstmals getrunkenen Weinpunk! von Marco Giovanni Zanetti. Alle hätten es verdient. Die Begegnung mit vilmoskörte im Stefanus. Göttliche Schweinebacken, mediokres Pferdegulasch, ein Farinatadesaster. Ein ungekanntes Körpergefühl. Landliebe.  Herbst am Niederrhein. Eine spannende PR-Kampagne mit offenem Ende. Dich. Das Warten auf  Tom Liwa. Krankenhausflure und Blitzalterung. Dass Rauchen nicht nur ungesund ist. Und warum Herzschlag im Magen eine bis heute unüberbotene Metapher ist.

Ich will kein Versprechen geben. Nur Trost spenden. Bald wird alles besser. Bestimmt.


8 Kommentare on “Dunkelhellila Aster oder Herbststürme am Niederrhein”

  1. Jutta sagt:

    Hau rein, Joerg!

  2. queenofsoup sagt:

    geh’s langsam an, wenn dus schaffst. eins nach dem anderen, auch wenn alles zugleich. etwas verschiebt sich grade. das kann sehr gut werden.

  3. Wolfgang sagt:

    Ich liebe den Herbst am Niederhein und seine Stürme

  4. utecht sagt:

    @ jutta
    Mach ich doch. Immer.
    @ qos
    ob ich langsam noch lerne?
    @ wolfgang
    stabile wetterlagen sind tendenziell langweilig, genau.

  5. Heike sagt:

    Für den Anfang:
    Schau mal wieder einen Tatort.
    Hilft.

  6. oachkatz sagt:

    Schön, von Dir zu lesen, auch „Nichts von Belang“. Viel Glück!

  7. Lakritze sagt:

    Ah. Wie heißt das noch so schön: »Runter kommt man immer«. Wünsche mit Frau Eichhorn: viel Glück; und komm gut an.

  8. utecht sagt:

    @ heike
    Mal schauen…
    @oachkatz + lakritze
    Danke. Danke…


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