Chateaubriand mit Zucchinigratin

Einfach gut. Sehr einfach und sehr gut sogar – wenn die Fleischqualität hervorragend ist und die Zubereitung präzise. Dann kann es kaum ein besseres Aufwand-Genuss-Verhältnis geben, zumindest bei akuter Fleischeslust nicht.
Die Präliminarien: Der Metzger meines Vertrauens macht Ferien. Er fährt in Urlaub. Ist also weg. Es ist traurig schön. Denn das bedeutet, dass das Ladenlokal drei Wochen lang geschlossen sein wird. DREI WOCHEN. Ich werde mich also im August vorwiegend mit fleischloser Kochkunst beschäftigen. Blöd nur, dass der beste vegetarische Kochblog vom Niederrhein (und weltweit) ebenfalls dem Ferragosto frönt. Großartig ist jedoch dieser nahezu natürliche dörfliche Rhythmus. „Schön, dass es das noch gibt“ ist dabei nur ein Teil der wohlwollenden Betrachtungsweise. Vital altmodisches Landleben manifestiert sich in solch sinnstiftenden Ritualen.

Zur Abschlussfeier sozusagen erstand ich das beste Stück des Hauses. Vom Filet des rheinischen Rinds den Mittelteil. 647 Gramm. Was nun folgt, ist der dogmatische Part des  Rezeptes, um dessen Entstehung sich Legenden ranken. Mir gefällt die dem gleichnamigen Schriftsteller gewidmete „Grillade de bœuf à la Chateaubriand„-Variante am besten. Was zugleich nahelegt, dass in der klassischen französischen Küche dieses doppelte bis dreifache Filetsteak gegrillt wurde. Von allen Seiten, rundherum. Und dann bei milder Hitze gegart, bis zum rechten Punkt. Bei mir liegt der deutlich unter 60° Kerntemperatur.

Ich röstete in der Grillpfanne mit wenig Olivenölbutter. Ganz ohne Aromen. Auch kein Salz, schon gar nicht Pfeffer. Und schob das gute Stück für ca. 20 Minuten bei 150° Ober- und Unterhitze in den Ofen. Wendete regelmäßig, zur perfekten Saftverteilung. Und ließ danach das Filet sich wieder entspannen, in Folie gewickelt. In der Zwischenzeit öffnete ich eine Flasche 2004er Clos Fontaine, mein  liebster „einfacher“ Bordeaux. Dann das Fleisch in schräge Tranchen zu schneiden und auf gut gewärmte Teller mit Fleur de Sel geschmacksverstärkt zu legen, war ein lustvoller Moment.

Chateaubriand mit Zucchinigratin (es fehlt die geschmolzene Salzbutter)

Chateaubriand mit Zucchinigratin (es fehlt die geschmolzene Salzbutter)

So weit, so rezepttreu. Es kämen jetzt eigentlich Berner Sauce oder Hofmeister Butter ins Spiel, genau wie Schlosskartoffeln und Brunnenkresse. Nun sind mir dies alles aber viel zu eindeutig Beilagen. Ich wollte einen würdigen Mitspieler. Und kann zudem  immer noch auf reichlich Feldfrüchte zurückgreifen, mein Acker ist ein beständiges Zucchiniparadies. Also Schichtarbeit, grüne und gelbe Scheiben, abwechselnd mit feinst gehobelten Kartoffeln für Konsistenz und Nachhaltigkeit. In eine gebutterte und mit Knoblauch ausgeriebene Auflaufform. In den Guss passte hier – abweichend zum reinen Kartoffelgratin – neben der Sahne ein Ei. Wenn dies später stockt, schützt es das Gemüse beim Garprozess und verleiht dem Gericht satte Saftigkeit. Aromaspender waren gerösteter schwarzer Pfeffer und Fenchelsamen, zusammen mitr grobem Meersalz gemörsert. Halbe Stunde, 160°.


10 Kommentare on “Chateaubriand mit Zucchinigratin”

  1. vilmoskörte sagt:

    Ein Chateaubriand habe ich ja schon ewig nicht mehr gegessen; deines sieht sehr verlockend aus.

  2. Mach Du nur so weiter! Dann schlage ich Dich doch noch beim Brigitte-Award vor! *hihi*

  3. Afra Evenaar sagt:

    Und das ganz für dich alleine? Gemein.

  4. Basler Dybli sagt:

    Das liegt absolut auf meiner Wellenlänge und muss von den Zubereitung und dem Bild her hervorragend gemundet haben. Dazu den richtigen Wein – ein Traum.
    P.S. Und das Gewicht stimmt auch – wenn schon, denn schon !

  5. oachkatz sagt:

    Das ist nicht mehr lustig. Macht es Dir Spaß, schon am Morgen Leute zu unaufhaltsamem Speichelfluss anzuregen und sie dann ohne Chateaubriand sitzen zu lassen? Ohne wenigstens ein bisschen Zucchinigratin rüberzuschicken? ich befürchte, ja.

  6. utecht sagt:

    @BD
    Kennst Du den Clos Fontaine?

    @oachkatz
    Ja. Ich teile ansonsten gerne – hierbei nicht 😉

    • Basler Dybli sagt:

      Aha, ein „Insider-Bordeaux“ 🙂 Im Gegensatz zu vielen Châteaux-Weinen mit einem Preis-Leistungsverhältnis, welches stimmt. Welcher Jahrgang, wenn ich fragen darf ?


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