Pfingstbrötchen

Als religiöser Kostverächter mit Agnostizismuslatenz ist das Fest der Feuerzungen und des brausenden Sturms mir zwar geläufig, bin ich doch selber durch und durch durchgeistigt, kenne die Staatstheorie des Himmelreichs und die Bedeutung der dritten Macht daselbst – doch konkrete Auswirkungen auf mein Leben hat der ganze Ritus nur beim Gang zum Bäcker des Vertrauens. Der hält heute seine Pforten verschlossen und beruft sich auf fragwürdige gesetzliche Vorschriften. Wahrscheinlich liegt Familie Schmitz aber auch nur – wie 90 % Prozent der Niederrheiner traditionell an diesem langen Wochenende – am holländischen Nordseestrand.

Frühstücksbackwerk am Feiertag

Frühstücksbackwerk am Feiertag

Babylonischer Brötchenturm

Babylonischer Brötchenturm

Pfingsten lässt mich also nicht in fremden Zungen reden, sondern kleine Brötchen backen. Und das geht so: 300 g ordinäres Weißmehl, ein halbes Päckchen Trockenhefe, Salz und Zucker, mildes Olivenöl und etwas gemörserten Koriander bereit stellen. Aus einer Tasse lauwarmem Wasser, einem Teelöffel Zucker, der Hefe und wenig Mehl einen Vorteig rühren. Abgedeckt verrichtet die Hefe 20 Minuten ihr Werk; dann den Rest mit einem Holzlöffel unterarbeiten. Luftdicht verschließen und an warmem Ort ca. eine Stunde oder im Kühlschrank über Nacht gehen lassen. (Die längere Teigführung des letzeren Ansatzes bringt bessere Ergebnisse.) Danach aus dem Teig sechs Kugeln formen, die auf dem Blech nochmals sich ausdehnen dürfen. Da der Teig nicht allzu fest ist, wächst er mehr in die Breite, als dass er hoch wird.

Johannisbeeren für Gelee

Johannisbeeren für Gelee

Den Ofen bis zum Anschlag aufdrehen, mindestens 240° sollten es schon sein. Ein Gefäß mit Wasser und das Blech einschieben und 15 Minuten backen. Die Warnung aus Kindertagen, dass noch warmes Hefegebäck nicht zu essen sei, da es Magenschmerzen verursache, ist ein Mythos, der wahrscheinlich nur von allzu gierigem Verzehr von zum Beispiel Streuselkuchen abhalten sollte. Warme Pfingstbrötchen mit Johannisbeergelee – der letztjährige muss weg, die neue Frucht ist reif – sind traumhaft. Fürwahr eine irdische Wonne.


7 Kommentare on “Pfingstbrötchen”

  1. walterlenz sagt:

    Da hast du aber einen schönen Pfingstbeitrag gebacken, Utecht.

  2. Lakritze sagt:

    Koriander ist gut, der macht sich in weißem Teig ausgezeichnet. Bei meinem Hang zum Stapeln gefallen mir Deine Brötchen ausbalanciert natürlich am besten.

  3. vilmoskörte sagt:

    Hmm, Johannisbeeren, jetzt beginnt sie wieder, die Saison dieser Früchtchen, die manch einem mit ihrem Hang zum Sauren und Bitterem pur so gar keine Freude bereiten und allenfalls ihrer Kerne beraubt und mit viel Zucker zur Marmelade verarbeitet gefallen. Ich ess sie gerne so, gewaschen, entrappt und mit etwas Zucker bestreut und mit viel geschlagener Sahne bedeckt.

    • Lakritze sagt:

      Entrappen! Ein schönes Wort, das ich nicht kannte, aber bei dem man sofort hört, was es bedeutet. Und ja, auch ich breche eine Lanze für Johannisbeeren (rot wie schwarz), Stachelbeeren und, wofern erhältlich, Mispeln.

  4. oachkatz sagt:

    das klingt verheissungsvoll. zum glueck ist der nordseestrand zu weit weg: das lokale baeckerkollektiv verkauft auch heute seine schmackhaften broetchen. gibt es echt schon johannisbeeren? ich bin mit dem rhabarber doch noch gar nicht durch. ruehrteig, beeren, baiser. geht auch gut.


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