Grüne Paste, schwarze Hände und Donna Regina

Ist das jetzt der Niederrheinische Frühling, Teil 3? Entscheidet selbst – kurz und knackig wird dieser Text garantiert, denn der Garten ruft. Und das Pflanzencenter. Sowie der lokale Spargelverchecker. Doch der Reihe nach.

Noch nicht mal 40 und schon voll retro? Lebensreformer und Begründer der rheinischen Rohkostrevolution? Autarkie rulez? Wie auch immer – seit zwei Wochen bestelle ich einen Acker. Gestern brachte ich Kartoffeln und Zwiebeln unter die Erde. Heute werden Buschbohnen und gelbe Möhren folgen. Noch glaubt niemand aus meiner Peergroup, dass dies ein nachhaltiger Zeitvertreib wird. Meine von Mutterboden verfärbten Hände und der krumme Gang nach ungewohnt körperlicher Arbeit werden belächelt, allenfalls. Vom Blumenhasser zum Kleingärtner? Rock’n’Roll goes Guerillagardening? Wird Anarchie zu anstrengend blüht der gemeine Spießertraum? Was ich jetzt schon sagen kann: Wie jede Kunst ist Gärtnern schön, macht aber viel Arbeit.

Niederrheinische Bärlauchpaste

Niederrheinische Bärlauchpaste

Bilder und Hintergründiges dazu an kommenden Regentagen – heute sei nur noch erwähnt, dass ein Bekannter mit einem Stück Land in Buchenwaldrandlage einen Haufen Bärlauch mir in die Spüle kippte. Ich habe es verpastet – da ich aus Prinzip keinen Salat esse und noch nicht in den Kaninchenzüchtermodus degeneriert bin. Sieht hübsch aus und Pastepasta schmeckt auch. Niederrheinische Bärlauchpaste geht so: Das Grünzeug gründlichst waschen, der wildpinkelnden Wildtiere wegen. Mit der Schere kleingeschnitten und samt hiesigem Rapsöl und etwas Meersalz stabgemixt. Ich habe das Ganze zweigeteilt und eine Hälfte mit Haselnusskernen gepimpt. Noch weiß ich nicht, was mehr mundet. Übrigens: Kein Käse! Der Farbe wegen.

Die Eheleute Janssen aus Köln machen seit nunmehr 20 Jahren sympathischste musikalische Elektrofrickelei unter dem Namen Donna Regina. Auf Karaoke Kalk ist auch ihr letztes Album mit frühlingshaftem Geplucker samt sphärischem Frauensingsang erschienen: „The decline of female happiness“.
Doch hier nun das großartige, 2002 in Oberhausen ausgezeichnete, Video zu „Why“ vom 99er Album „A quiet week in the house“.


8 Kommentare on “Grüne Paste, schwarze Hände und Donna Regina”

  1. karu02 sagt:

    Mein Beileid, wenn man(n) einmal damit anfängt, ist kein Ende abzusehen. Du willst irgendwann nicht mehr das Zeug aus dem Supermarkt essen, nur noch Selbst-gezogenes, weil erst dann klar wird, wie es schmecken muss.
    An mir beobachte ich seit einer Weile die Mutation zur tüchtigen Landfrau, letzte Nacht träumte ich erstmals vom Unkraut jäten. Neuerdings erwische ich mich dabei, in Parkanlagen die Taubnesseln zu zupfen.
    Also Vorsicht, so harmlos ist das alles gar nicht.

  2. Ich liege P. schon lange in den Ohren, die Dachterrasse mit Mutterboden aufzufüllen, allein, er scheut wohl die Auseinandersetzung mit unserem Vermieter. So werde ich mich voller Hingabe in der nächsten Zeit dem sehr vernachlässigten Wingert meines Schwiegervaters widmen und vielleicht mal wieder etwas Trinkbares Rotes aus den „Heidesheimer Flugsanden“ herausholen.

  3. azestoru sagt:

    Mit dem Land viel Glück, da kann sehr Gutes von kommen, und das wünsche ich Dir!
    Beim Bärlauch nehme ich höflich Abstand. Nicht ganz so schlimm wie: „Lieber Leerbauch als Bärlauch“, aber selbst verwenden tu ich ihn für gewöhnlich nicht.

  4. utecht sagt:

    @karu
    suchtlatenzen kennen wir alle, die wir genuss schätzen. das macht die sache ja spannend.
    @tochter
    gäb’s am niederrhein steillagen, ich würde nicht gemüsegärtnern.
    @azestoru
    danke. kenne viele, die bärlauch ablehnen genau wie alkoholfreies bier. eine analogie gibt es, unbestritten.

  5. missboulette sagt:

    Irgendwie kann ich’s verstehen, mir macht es auch mehr Spaß Essbares zu gießen, auf Blumen verzichte ich gerne, die gehen sowieso ein.
    Bin mal gespannt auf die Früchte Deiner Arbeit.

  6. Lakritze sagt:

    Ich plane einen Blumenkasten, zaudere aber noch — ich kann Grünes so schlecht leiden sehen … Glückwunsch zum grünen Daumen!

  7. utecht sagt:

    @missboulette
    Mir kommt tatsächlich nur Essbares unter die Erde!
    @lakritze
    Ein Eierbecher fehlt mir noch. Und ob der Daumen nachhaltig grün ist, wird sich noch herausstellen.

  8. Heike sagt:

    oje oje, eben erst bin ich trocken geworden :/

    du wirst nicht mehr ein wochenende wegfahren koennen, geschweige denn einige wochen in urlaub. du wirst auch in verregneten sommern draussen graben, deine haende verwandeln sich in pranken und deine hosen fangen wieder zuerst an den knien an aufzureissen anstatt am hintern.

    zu spaet.


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