Manchmal

muss es eben Schweinebraten sein. Zum Beispiel winters. Oder rote Grütze, bei starker Hitze. Rahmspinat mit Spiegelei – im Mai. Und wenn die bunten Blätter fallen, kommt bisweilen, nein, kein weiterer Reim, sondern einWildragout nach des heiligen Hubertus Art auf den Tisch. Ich habe ein ausgeprägtes Faible für alles, was mit Begriffen wie „Hausmannskost“ oder „gediegene Regionalküche“ geschmäht und gemeuchelt wird. In Blogs wird derlei seltenst beschrieben, bei allem Ethnofood-Brimborium und pseudokulinarischen Selbsterfahrungstripps.

Wer aus Bayern stammt und Schweinsbraten sagt, lernt solch basale Kochkunst höchstwahrscheinlich bis auf den heutigen Tag in schulischer Hauswirtschaftslehre. Doch alle anderen Carnivoren gehen bestimmt davon aus, die rosafarbenen, kringelschwänzigen Quieketierchen taugten einzig zur Schnitzelproduktion. Doch bevor ich mich in Rage schreibe, teile ich Euch, werte Leser, schlicht mit, was ich heute aß. Schweinebraten mit Rosenkohl, Kartoffeln und Soße. Die allerdings eine Sauce war. Ein Schwein vom Stautenhof lieferte mir das obere Ende des Kotelettstrangs (Nacken), mitsamt Knochen. Der Rosenkohl bekam vor allem Eines: Zeit. Und die späten Kartoffeln sind  momentan ganz besonders lecker.

Deutscher Dreiklang: Schweinebraten, Rosenkohl, Kartoffeln

Deutscher Dreiklang: Schweinebraten, Rosenkohl, Kartoffeln

Gewürze spielten wider Erwarten eine dominante Rolle: Muskat für den Kohl ist nachgerade selbstverständlich. Doch dass der aus dem Schnee gerettete Thymian den fetten Braten neutralisierend auf ein hohes Geschmackslevel hebt, muss ausprobieren, wer es nicht glaubt. Der Sauce geben Möhre und Zwiebel Süße und Rückhalt, reichlich schwarzer Pfeffer der ganzen Chose Wucht. Schmoren ist eine grandiose Kulturtechnik. Warum, wird beim Lösen des Fleisches vom Knochen nach locker anderthalb Stunden überdeutlich. Really moist – wie ein amerikanischer Freund bei solchem Anblick zu sagen pflegt. Manchmal muss es eben Schweinebraten sein.

„Irgendwann merkt man, dass manchmal wie Manchester anfängt.“

Bevor ich’s vergesse geht noch ein besonderer Dank an einen gastrophilosophischen Qyper aus Duisburg für den Hinweis auf den Winzer Wolfgang Pfaffmann aus Landau: Da ich darauf vertraue, dass man die guten Weinbauern an ihren einfachen Qualitäten erkennt, der Geschmack im besten Falle Liebe und Sorgfalt widerspiegelt, trinke ich aus einem üppigen Probepaket zuerst den 2009er Spätburgunder QbA (Nußdorfer Herrenberg) : extrem ausgewogen und dicht, freundlich-offener Winterwein, der dennoch lange Wärme schenkt.


3 Kommentare on “Manchmal”

  1. azestoru sagt:

    Schmoren ist toll. Es stehen noch einige Sachen diesen Winter an. Wenngleich ich Niedertemperaturselbsterfahrungstrips in Folie auch super finde. 🙂

    Deutsche regionale Hausmannskost ist aufwendig und gar nicht einfach, ein guter Schweinebraten selten. Ich hätte daher sehr gerne ein Stück Fleisch von Deinem Teller stibitzt.

  2. lamiacucina sagt:

    Schweinebraten gibts bei uns nur einmal im Jahr, wenn die mit Molke ernährten Alpschweine gemetzget werden. Dann schmeckt das Fleisch richtig gut.

  3. Vera sagt:

    Schweinebraten gibt’s bei uns leider jeden Sonntag.
    Immer mit „Kloss und Soss‘ „. Die Variante mit Kartoffeln finde ich sehr interessant!
    Bei mir immer mit Salbeiblaettern (getrocknet), Rosmarin und Thymian.


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