Schweine-Sterben mit Kornbrand

Der Herbst ist ja traditionell die Zeit des Abschieds. So ging es vor Zeiten auch dem lieben Vieh, fanden im Oktober und November doch in den niederen Rheinlanden ringsum die Hausschlachtungen statt. Daran anschließend floß der Schnaps und irgendeine Musik spielte auf zum Tanz. „Värkesbloot“ hießen diese Feste zum Beispiel.

„Schweineblut“ findet in manchen Dorfkneipen auch im Jahre 2010 noch statt. Hierbei handelt es sich jedoch in der Regel um nichts weiter als ein mehr oder weniger geselliges Beisammensein (mit viel Schnaps), Kartenspiel und Tombola. Hauptpreis: Ein ganzes, immerhin geschlachtetes, Schwein.

Schweineblut auf der Tafel der Stadtschenke in Süchteln

Schweineblut auf der Tafel der Stadtschenke in Süchteln

Ebenso verkauft noch heute fast jeder Dorfschlachter in diesen Tagen Pannas (oder westfälisch: Panhas), eine Art Blut-Grützwurst, die cross gebraten mit Schwarzbrot und Rübenkraut gegessen wird. Solcherlei wird gerne mit historisierender Anmut ausgeschlachtet, um sich kollektiv zu betrinken (na klar, mit Klarem!):

Hinweis auf ein Fest zu Ehren der Blutwurst, sinnigerweise im Fenster der Konditorei Rongelraths

Hinweis auf ein Fest zu Ehren der Blutwurst, sinnigerweise im Fenster der Konditorei Rongelraths hängend

Übrigens: Nach backlash riechend finden inzwischen Veranstaltungen wie das porkcamp statt (ein Dank an Frau Evenaar). Aus gegebenem Anlass: Keine Musik.


6 Kommentare on “Schweine-Sterben mit Kornbrand”

  1. Afra Evenaar sagt:

    Schön auch, dass das Schweineblut in einem Ort mit Namen Süchteln fließt.
    Danke für die Erwähnung, ich hab es auch nur aus dem Netz gefischt.

  2. vilmoskörte sagt:

    Ja, in Süchteln – das weißt du sicher nicht, Afra – stand (steht noch?) das Landeskrankenhaus, bei uns Kindern damals auch Beklopptenanstalt genannt, und die Drohung „Du küss noh Süchteln!“ (Du kommst nach Süchteln!) wurde gerne ausgesprochen, wenn man sich geringfügig abweichend verhielt. Der Ort war also Legende, dort gewesen bin ich nie. Aber einen Pannas würde ich mir jetzt auch gerne braten.

  3. utecht sagt:

    Ja, Ihr Beiden, da habt Ihr mich: Süchteln ist tatsächlich nicht nur etymologisch spannend (dazu später einmal mehr) oder der Gesundheitsversorgung wegen (sowohl Psychiatrie als auch Orthopädie, von der Hüsch hübsch erzählen konnte, sind weithin bekannt), sondern auch literarisch (Geburtsort von Albert Vigoleis Thelen) und kulinarisch. Pannas heißt hier Tüüt und der Sötelsche Muurejubbel (mich graust es schon beim Schreiben) hat an der Niers seinen Ursprung. Spannendes dazu unter:
    http://www.soetele.de/geschichten/niers/anne/menapier1/disclaimer/rezepte.html

  4. Afra Evenaar sagt:

    Solche Links sind unbezahlbar.

  5. Lakritze sagt:

    Ich glaube, Deinen Panhas kenne ich als Wöpkenbrot. Wobei — kennen ist zuviel gesagt; das steht ziemlich weit oben auf meiner Probierliste.

  6. utecht sagt:

    Danke für diesen mir neuen Begriff. Dadurch bin auf einen spannenden Text gestoßen, mit irritierenden niederdeutschen Sprenkeln, besonders hat selbstredend der Absatz über die (Wasch-)Küche gefallen:
    http://www.heinrich-ottensmeier.de/heimatkundler/heimat16.htm


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