Bacharach, Bastian

Fangen wir mit der Musik an: Einer der letzten großen Songs, die der Mann mit dem übergroßen Easy-Listening-Stempel – Burt Bacharach – geschrieben hat, war „Walking Tall„, hier in einer superben Art und Weise interpretiert vom überaus liebenswerten Lyle Lovett.

Wer jedoch an Bacharach am Rhein denkt, hat klischeebehaftet in der Regel eher solch Absurdes wie James Last im Ohr. Zu tief sitzt die Ahnung von der Kegelclubhölle, die sich mit Mittelrhein-Romantik assoziiert. Natürlich nicht ganz unberechtigt sind solcherlei Reflexe; wer den Ort an einem verregneten Montag im August besucht, findet nichts als marodierende Rentnerbanden in den kopfsteinigen Gassen. Und doch hat hier – neben dem Top-Winzer Toni Jost und seinem Ausschank in der Oberstraße, seit über 500 Jahren ein Gebäude seinen Platz, dass alle Moden überdauert hat und dessen Besitzer, die Familie Bastian, einer über 300 jahre alten Weingut-Tradition verpflichtet sind.

Der Erbhof „Zum grünen Baum“ ist eine aus der Zeit gefallene Weinstube. Gastronomische Orte, an denen ich mich traue, Schweinssülze zu essen, existieren nicht viele. Wenn sie dann noch vom Wildschwein kommt und begleitet wird von einem Glas vom Alde Fritz – also einem Riesling, der sich anfühlt wie der Biss in einen fast reifen Boskop-Apfel, säuerlich frisch und lebendig und leicht – weiß ich, wie Wohlbefinden sich anfühlt.

Wildschweinsülze im Grünen Baum

Wildschweinsülze im Grünen Baum

Perfektes Handwerk, ohne Schnickschnack. So schmecken fast alle Weine hier, seit Jahren. Orion und Posten, beides trockene Spätlesen, sind naturgemäß nicht ganz so scharf geschliffen wie der Fritz, gefälliger, voluminöser.

Karte im Weingut Fritz Bastian, Bacharach

Karte im Weingut Fritz Bastian, Bacharach

Lieblingswein jedoch ist ohne Frage das „Alleinstellungsmerkmal“ des Hauses: der Insel-Riesling. Zitat aus dem Hausprospekt: „Auf der im Rheinstrom liegenden Insel Heyles’en Werth, die sich seit 1797 im Besitz der Bastians befindet, gedeiht auf sandigem Löss ein nicht alltäglicher Riesling.“ Wohl wahr. Auch wenn ich ansonsten beim Riesling eher ein Fan „salziger Mineralität“ (lustiger Modebegriff der Weinwortverdreher) bin, wie Schiefer-, Kalk- und Quarzit-Böden es versprechen, gefällt mir diese feinherbe Löss-Variante außerordentlich. Ein eleganter Wein für Regentage, wie alle anderen getrunkenen aus dem Jahre 2008.

Bastian-Wein

Bastian-Wein

www.weingut-bastian-bacharach.de



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