Der Sinn des Internets…

… ist es, Glücksgefühle zu erzeugen. Darunter mach ich’s seit gestern nicht mehr! Warum auch sich mit weniger zufrieden geben?

Bisher war ich ja in den bisher bestimmt 15 Jahren mehr oder minder intensiver Nutzung dieses anfangs herrlich anarchischen Mediums stets in erster Linie Zweifler. Als ich vom Konsumenten zum Produzenten wurde, gab es die üblicherweise mit solchen Entwicklungen einhergehende Desillusionierung des vermeintlich Wissenden. Dann lange Abstinenz, kalter Entzug quasi. Und in den letzten Wochen nun ein langsames Herantasten, Wiederentdecken längst vergessener, quasi intuitiver Zugänge und Aneignungsformen. Endlich wieder: Neugier. Was daraus wird? Erst einmal dieser Blog. Und hoffentlich noch viele Momente wie der gestrige.

Intensives Sich-Verlieren in der Welt deutschsprachiger Foodblogs (Essenstagebücher ist tatsächlich kein angemessenes Adäquat für den leidigen Anglizismus.) trieb mich zwei Tage lang um. Viel Buntes, noch mehr Biederes, wenig Tiefgang. Bis ich dann auf „Anonyme Köche“ von Claudio Del Principe aus der Schweiz stieß. Offensichtlich ein Seelenverwandter, nur schon viel weiter auf dem Weg des absoluten Genusses. Wie auch immer, ich las dort von einer wahrlich wunderlichen Brotwerdung. „Das No Knead Bread ist das beste Brot, das jeder zuhause selber backen kann!“ Gut gebrüllt, Löwe. Dachte ich. Und las weiter, unter anderem bei der verlinkten Katharina Seiser von esskultur.at, die eine extrem detaillierte Anleitung bietet.

Als dann irgendwann spontaner Speichelfluss einsetzte, blieb nur der Weg in die Küche. Alles vorhanden, um ein ungeknetes Hefebrot zu backen. Also los: Den Teig angesetzt und 18 Stunden in Ruhe gelassen. Slowfood halt. Dann gefaltet, wieder weggestellt und schließlich im gusseisernen Bräter 40 Minuten gebacken. Als ich den Deckel lüftete, erwartete mich bis zu diesem Moment zugegeben leicht Ungläubigen dies:

Brot  im Topf

Brot im Topf

Ein wahres Weizenwunder. Ausgetopft noch viel schöner – und nach einer Stunde des Rastens ein einzigartig einfacher Genuss. Mit einem Strich Butter obenauf war schon der erste Biss die Bestätigung, dass das Internet nicht nur Medienfalle und Zeitfresser ist, sondern eben auch das Netz der Guten und des Leckeren.

Der Tod des Industrie-Ciabatta

Der Tod des Industrie-Ciabatta


8 Kommentare on “Der Sinn des Internets…”

  1. Claudio sagt:

    Hallo Seelenverwandter, das nenn ich einen gelungenen Einstieg. Der RSS-Feed ist aktiviert, ich fang deine Gedanken auf! Freu mich.

  2. utecht sagt:

    Danke. Beruht auf Gegenseitigkeit. Die Welt ist schön. Manchmal.

  3. […] Erstellt am August 7, 2010 von utecht Das Internet kann sinnvoll sein, glücklich machen, Euphorie-Bremsen lösen. Aber satt […]

  4. Afra Evenaar sagt:

    Echt ey? Weitere Seelenverwandtschaften könnten da aufscheinen. Schau mal hier nach:
    http://afraevenaar.wordpress.com/2010/05/05/salz-wasser-hefe-mehl-ende-gut-alles-gut/

  5. Utecht sagt:

    Gelesen und gegrinst. Jedesmal ärgere ich mich über die klebrige Pampe, die Teig geheißen werden will. Und staune über das Ergebnis. Also doch: Soulfood für Seelenverwandte.

  6. Afra Evenaar sagt:

    Dieses Lebewesen Teig nimmt einem übrigens so gut wie gar nichts übel. Ich habe ihn schon über drei Tage hingehalten, verschiedene Mehle dazugepackt, mal mehr mal weniger Wasser genommen, ihn erschreckt, verkühlt, der Sommerhitze ausgesetzt, ihn mit eiskaltem Wasser oder Trockenhefe angesetzt: Es wurde immer ein gutes Brot daraus, nicht ganz so gut wie wenn man’s nach Dogma macht, aber immer bemerkenswert.
    Für mich und die meisten, denen ich es gebacken habe, ist es sofort zum Suchtstoff geworden.

  7. chickofprey sagt:

    Bei mir ist die No-knead-Brotwerdung erst wenige Tage her, und es ging mir ähnlich – faszinierend, was das für unsereine(n), die wir ja im esskulturellen Bewusstsein „Nahrung = Brot“ aufgewachsen sind, für elementares Erlebnis darstellt, wenn man selber Brot hergestellt hat, das wirklich gut schmeckt.

  8. Ich hab noch keins gemacht, aber ich freu mich, deinen Blog entdeckt zu haben.


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