Phở im Thang Long

Die erste Phở meines Lebens war auch die bisher beste. Spätabends vietnamesischen Boden betreten, das Taxi vom Flughafen brachte Unphew ins Zentrum von Ha Noi. Der Hunger war groß, doch die Dunkelheit ebenso. Kein urbanes Flirren, vielmehr subtropisch schwere Stille, mit schweren Gerüchen. Eine letzte Garküche fand sich schließlich unweit vom Guesthouse, Dampf entwich einem großen Topf auf der Gasflamme. Dieses erste Streetfood war alles, was nötig war, um Ankunft zu signalisieren und ein großartiges Da-Sein zu manifestieren: Die technische Überforderung zu Beginn (Was stellt man an mit einer großen Suppenschüssel und Stäbchen?), die aromatische Verwirrung, das erste wohlig-warme Gefühl (selbst europäischer Hühnerbrühe wurde in der Großmuttergeneration ja Heilwirkung zugesprochen), schließlich locker-leichte Sättigung samt Lust auf Mehr.

Die klassische Phở gà (Hühnersuppe) hat tatsächlich viel Ähnlichkeit mit der mitteleuropäischen Zubereitung, nur die Aromen differieren naturgemäß. Ingwer und Fischsauce werden schon bei der Erstellung der Brühe verwendet, beim Servieren gelangt noch ein bunter Strauß an grünen Kräutern (hauptsächlich Koriander und Húng láng, geschmacklich zwischen Minze und Thaibasilikum angesiedelt) in die Schüssel.

Neben den Sommer- und Frühlingsrollen (Nem) ist die Phở sicherlich DAS (nord-)vietnamesische Nationalgericht. Selten findet sich hierzulande ein Gastronomiebetrieb, der eine gleichermaßen frische wie geschmacklich stimmige Zubereitung zu bieten weiß. Meist bleibt’s bei beliebigem Euro-Asia-Trash.

Vietnamesische Frühlingsrollen in Ha Noi

Vietnamesische Frühlingsrollen in Ha Noi

Umso verwunderter war ich nach dem heutigen Markteinkauf. Mit Freunden hatten wir uns im Thang Long verabredet, Asia-Markt und Imbiss in einem. Gerüchten zufolge böten die vietnamesischen Besitzer Samstags 5-6 landestypische Gerichte zum ansonsten üblichen China-Thai-Mischmasch. Und tatsächlich: Das leicht provisorisch-billige Interieur mit Hang zum Kitsch atmet südostasiatischen Charme. Und die frischen Sommerrollen (gỏi cuốn) sind leider nicht zum Selber-Basteln, aber richtig lecker. Die Suppe jedoch offenbart schon beim Betreten der Räumlichkeiten olfaktorische Dominanz. Stilsicher serviert, mit Limettenschnitzen und frischen Chilis auf einem Extra-Teller, entpuppt sie sich zwar als das Gegenteil des Vegetarierparadieses (böse Zungen bemühten als Analogon zum deutschen Quer-durch-den-Garten ein Quer-durch den Schlachthof), hält aber geschmacklich Einiges. Absolut empfehlenswert für alle, die das Motto „Alles bleibt anders“ ernst nehmen und auch mal nach einem Augen-zu-und-durch etwas Neues, Gutes erwarten.

Asia-Markt und -Imbiss Thang Long
Hohlstr. 40
41747 Viersen

Samstags 11 – 17.00 Uhr Vietnamesische Spezialitäten


One Comment on “Phở im Thang Long”

  1. Hiltrud sagt:

    Hatte sofort wieder den Duft der Straßen von Hanoi in der Nase. War letztes Jahr dort und bin seitdem angefixt von der vietnamesischen Küche. Ist das hier bekannt? http://cathrinka.blog.de/


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