Kappesklub-Countdown, Teil 2

Ich meide gemeine Supermärkte wie der liebe Teufel das böse Weihwasser. Das Wohnen auf dem Land, in einer Region die zum Glück noch eine gute kleinbäuerliche Struktur aufweist und andererseits auch – aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt – über eine durchaus üppige Kaufkraft, was wiederum der Vielzahl an handwerklich hervorragend arbeitenden Betrieben den Bestand sichert, ist ganz klar kulinarischer Standortvorteil. Verarbeitete Lebensmittel oder gar Produkte der damit befassten Industrie kommen mir nur in absoluten Ausnahmefällen in die Küche. Dass mir spontan kein konkretes Beispiel einfällt, mag dafür als Beleg gelten.

Und doch gibt es sie, die Momente im Leben, wo ich sie überschreite, die feindliche Linie, die Demarkationslinie zwischen nachhaltigem Genuss und ernährungsindustrieller Vorhölle, und eine Verkaufsstelle betrete des so genannten Lebensmitteleinzelhandels; hier: Supermarkt.

edeka zickuhr köln

Denn es gibt in Köln immerhin mindestens einen solchen Supermarkt, der ist ganz anders. Dort findet sich kein Produkt der wirklich bösen Multis. Dafür eine Fülle an Leckereien verschiedenster hochangesehener Manufakturen und genussvolle Geheimtipps. Fritz Zickuhr heißt der Kaufmann für Lebensmittel, der seinen Beruf ernst nimmt. Und nebenbei ein großer Vinophiler ist (siehe Weinauswahl, auch gekühlt), Hobbykoch und Blogger. Wer dieses Interview mit ihm liest, wird verstehen. Ich war übrigens mal wieder auf der Dürener Straße, weil ich erstklassige Matjes brauchte für den Gruß aus der Küche des Kappesklub. Die besten der Stadt gibt es im Edeka Zickuhr.


Belegtes Brot mit Fisch

Das Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit des Tages. Genau wie das Frühstück. Und das Mittagessen. Wo aber die Morgenmahlzeit relativ uniform und routiniert bereitet und genossen wird und der Mittagstisch sowohl in seiner Üppigkeit als auch in zeitlicher Verortung gewissen unwägbaren äußeren Einflüssen unterliegt, hat das kulinarische Tagesfinale im Utechtschen Leben stets eine Konstante: Es muss ein Genuss sein. Da spielt es überhaupt keine Rolle, ob ein üppiges Menu gekocht wird oder nur basales Brot auf den Tisch kommt. Hauptsache ist, dass die Qualität gut ist und der gesamte Prozess lustvoll vonstatten geht. Abendbrot ist Ausgleichssport. Wo andere Yoga machen, sich ihre Knie kaputt joggen oder in den Wald gehn, um Bäume anzubrüllen, ist mir der Abschluss des Tages Küchenkontemplation; Gute-Laune-Garant.

Ein Butterbrot wird abends eher selten geschmiert. Kommt es doch zur Stulle, wird zumindest am Belag gearbeitet und eine Sekunde mehr über die Anrichteweise nachgedacht. Ein Beispiel dafür ist der Matjesburger von gestern:

matjesburger

Im neuen Nachbardorf gibt es neben der bisher besten Leberwurst meiner Welt und einer kunterbunten Markthalle auch einen verlässlich guten Fischhändler. Bei Feinkost Muth in Glehn kaufte ich also Matjes von hervorragender Qualität. Auch alles Selbstgeräucherte ist sehr empfehlenswert, stammen die Tiere doch aus eigner, nachhaltiger Zucht.

Butterbrot Event

Zum Fisch kommen rote Paprika und Zucchini, Schalotten, Petersilie, Rieslingessig und Rapsöl. Pfeffer und Salz. Dünne Scheiben vom Roggensauerteigbrot, in der Pfanne geröstet, dienen als Himmel und Erde. Dazu getrunken wurden Schmetterlinge im Bauch. Weil es passte, doppelt.


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