Hunger

Das Internet kann sinnvoll sein, glücklich machen, Euphorie-Bremsen lösen. Aber satt machen?

Zum Glück gibt es seit etwas länger als einem Jahr Abhilfe aus Hamburg: Konspirative Küchenkonzerte. Einmal monatlich im Regional-TV und zu jeder Zeit im Netz macht Marco Antonio Reyes Loredo Kunst im ganzheitlichsten Sinne. Kocht und bildet und unterhält sich und lässt unterhalten. Durch lustige Musikanten, die in der Kantine in Wilhelmsburg auftreten, wie z.B. Begemann, Stereo Total, schon wieder Station 17, Nils Koppruch und die weltbeste Bernadette la Hengst.

Bernadette la Hengst bei den Konspirativen KüchenKonzerten

Bernadette la Hengst bei den Konspirativen KüchenKonzerten

Habe ich jetzt weniger Hunger? Ich schrieb schon mal an andrer Stelle über die Bedeutung von Soulfood im Wortsinne. Wenn ich Frau la Hengst Hunger performen sehe und höre, habe ich den eigentlichen Nahrungszufuhrzwang glatt vergessen.


Fickt das System

Heute morgen mit diesem lieblichen Lied im Ohr die Augen aufgeschlagen und gedacht: Werde ich auf die alten Tage wieder politisch? Doch ich wollte nur: Tanzen! Funktionierte 1992 extrem gut, lachend Tanzen ist vielleicht die gesundheitsförderndste Art der Kulturaneignung. War schon damals nicht sarkastisch gemeint, was der Frank Spilker samt Sternen sang. Warum rockt das heute – oder auch nur annähernd gutes, ähnliches Neues – nicht die Tanzflächen der Republik?

Justament beginnt in Köln die C/O POP, immer erfolgreichere Popkommunisten-Nachfolgerin. In deren Rahmen spielen die Himmelskörper aus Hamburg am Sonntag im Statdtgarten. Hingehen, Tanzbein schwingen, mitsingen:
“Nur kein Pathos, ratlos, harmlos, keinen Pathos.
Tote werfen keine Schatten, keine Parolen, keine Blöden wie die:
Fickt das System!”


ByteFM

Es gab da diesen großartigen schwedischen Torwart. Dritter Mann seiner Nationalmannschaft bei der WM 1978 in Argentinien. Mit Malmö FF mehrmals schwedischer Doublegewinner, im Endspiel des Europapokals der Landesmeister 1979. Bestandteil des ewigen Fußballfan-Gedächtnisses. Aber um ihn soll es gar nicht gehen. Sondern unter anderem um Jan Möller, der mit “Von Bullerbü nach Babylon” auf byte.fm eine der besten Webradio-Sendungen verantwortet. Im Moment läuft die Wiederholung vom Montag, natürlich ein Fußball-Lieder-Special. Anpfiff: Belle And Sebastian / I Don’t Want To Play Football.

Und natürlich – nein, nicht Fritz – Klaus Walter, der große Popkultur-Aktivist aus Frankfurt (und neben Klaus Fiehe, der da in Hamburg natürlich auch mitturnt, der Godfather öffentlich-rechtlichen Musik-Journalismus). Sonntags um 20 Uhr mit seiner Aufklärungs-Show “Was ist Musik”. Die letzte widmete sich der Kolossalen Jugend und was daraus geworden ist. Bessere Zeiten klingt gut. Und nix besser als ByteFM.


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