Steaks, Bier und Zigaretten…

… lautet der Titel eines uralten Songs vom Achim Reichel. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, nicht besonders gut, das Musikstück. Aber die Stimme des Hamburgers (der im Übrigen vor Jahren schon den ultimativen Ölkatastrophen-Soundtrack veröffentlicht hat) habe ich immer wieder dann im Ohr, wenn ich ein gutes Stück Rumpsteak vom einem hoffentlich glücklich gestorbenen Rind in den Mund bekomme.

Letzteres liegt zumindest im Bereich des Möglichen, gut gelebt hat das Angus, von dessen Roastbeef (Rumpsteaks werden in der Regel ja vom Ende dieses Tierteils geschnitten) ich einige Bisse kostete letzten Sonntag, erwiesenermaßen. Und auch die Küche des Hauses Berger in Viersen-Dornbusch erwies wieder einmal, dass sie zuverlässig gut mit Fleisch allerbester Qualität umgehen kann. Die feine Marmorierung samt samtiger Fetteinschlüsse kam klassisch-ländlich auf den Teller: scharf angebraten, kurz knapp vor medium gegart, Ruhezeit gegönnt, mit wenigen Aromaten bedacht – und leicht karamelligen Röstzwiebeln auf dem Teller arrangiert. Die Bratkartoffeln dazu waren auch frisch und perfekt und doch eigentlich überfüssig. Der bunte Gartensalat bildete einen ausreichenden Kontrapunkt.

Da wir zu viert am Tisch saßen, gab es auch noch Folgendes: Gesottenes von der Ochsenbrust mit Meerettisch-Lauch-Sauce, einen Burgunderbraten mit frischen Pfifferlingen (beides natürlich von den hauseigenen Angus-Rindern), verschiedene Suppen. Letztere waren so, wie ein familiäres Sonntag-Mittagessen es verlangt. Oldstyle, but perfect! Zum Beispiel die Rinderkraftbrühe mit Flädle war schon fast eine Essenz der Brühe. Umso verwunderlicher, dass bei einem solchen Ausgangsmaterial die Saucen samt und sonders drastisch abfielen.

Bier gab es dazu, weil es warm war und Durst die Gemüter drückte. Zigaretten nicht – tagsüber nie.

www.haus-berger-viersen.de


Kulinarische Reisenotizen Slowakei, Teil 1

Mit reichlich Erfahrung gesegnet im Umgang mit der osteuropaeischen Kuechenwelt, erstaunen manche Phaenomene dennoch stets aufs Neue. Die Absenz von frisch zubereiteten Gemuesen aller Art auf beinahe saemtlichen Speisekarten – Kohl in vielerlei Variationen einmal ausgenommen – ist nur eine Spielart der curiosa culinaria. Dressing und Salat sind zwei Dinge, die nicht unbedingt zueinander gehoeren. Kuemmel ist hingegen allgegenwaertig. Kellnerinnen waeren in Deutschland haeufig vom Verbot von Kinderarbeit betroffen, wobei “Arbeit” in den meisten Faellen ein Euphemismus ist. Geschirr scheint in der slowakischen Gastronomie Mangelware zu sein, wird es doch, kaum ist das Besteck abgelegt, dem Gast regelrecht entrissen. Teure Restaurants sind eine Garantie dafuer, dass man mehr Geld bezahlt – ansonsten haben Preise keinerlei Aussagekraft ueber Qualitaet und etwaige Opulenz der Speisen.

Genug der boesen Worte: Die Perlen der slowakischen Kueche wollen einfach nur entdeckt werden. Wahrnehmung im Voruebergehen funktioniert nicht, auch der erste Biss ist oft genug nicht ausreichend fuer ein zielfuehrendes Urteil. Um den werten Lesern eine Vorstellung von der Preisgestaltung der hiesigen Gastronomie zu vermitteln, nun einige Beispiele: Um fuer einen halben Liter meist vorzueglichen Bieres Pilsener Brauart mehr als einen Euro zu bezahlen, muss man schon lange suchen. Einheimische Weine werden offen fuer ein bis zwei Euro das Glas, flaschenweise um die zehn Euro in meist ordentlicher Qualitaet kredenzt. Auch fuer Speisen gilt, ein ungefaehres Drittel des deutschen Preises anzunehmen. Dies wiederum ist auch gut so.

Was positiv im Gedaechtnis bleibt: Die Slowakei ist ein Suppenland. Ein recht gutes zudem. Die formidablen Klassiker sind Knoblauch- (cesnakova polievka) und Sauerkrautsuppen (kapustnica). Doch auch Fisch-, Bohnen-, Kartoffel- und Spinatsuppen wurden probiert und fuer gut befunden. Bei der Zubereitung dienen jeweils hausgemachte Bruehen – meist vom Huhn – als Grundlage und geschmacklich dominiert stets das Namen gebende Produkt. Das ist simpel, aber gut. Tatsaechlich werden fast ueberall, auch in einfachsten Spelunken, frische Produkte verwendet. Der aus der Heimat bekannte uebermaessige Einsatz von Convenience-Food scheint schlicht zu teuer zu sein. Leider fuehrt dies nicht immer zu einem besseren Ergebnis. Fleisch zum Beispiel ist meist jenseits des perfekten Garpunkts. Beilagen muessen – zwar nicht immer, was zu erkennen eigentlich nur Beherrschern der slowakischen Sprache moeglich ist – zusaetzlich geordert werden. Jedoch wird schlicht die gute alte sozialistische Tradition der monokausalen Saettigungsbeilage fortgefuehrt. Spass macht das selten.

Ein anderer Traditionsstrang sind die KuK-Mehlspeisen. Im suessen Sektor wird verlaesslich lecker gestrudelt und auch  palačinka schmecken haeufig.
Herzhaft geht es bei pirohy zu. Besonders in der Tatra-Region sind sie eine Delikatesse. Dort werden die Piroggen aus Kartoffelteig zubereitet und haeufig mit Bryndza, einem Schafsfrischkaese, gefuellt. Serviert werden sie mit in Butter gebraeunten Zwiebeln und saurer Sahne. Aehnlich funktionieren die bryndzové halusky. Halusky sind eine Art Gnocchi.

Wie alle Osteuropaeer sind auch die Slowaken Wurstexperten. Immer viel zu fett, doch leider auch oft richtig lecker komme ich selten daran vorbei. Zum Glueck bieten als Ausgleich die unzaehligen Fluesse und Seen reichlich Fisch – von Forelle bis Karpfen – der immer dann gut schmeckt, wenn er frisch vom Grill kommt. Ein weiteres Negativum zum Schluss: Hierzulande ist in den letzten Jahren der Pizzaboom ausgebrochen. Kein Dorf ohne entsprechende Bude, kaum ein Restaurant ohne eine schlechtschmeckende Variation auf der Karte. Italiener gibt es naemlich kaum welche im Land der tausend Berge.


Radtour zur Lüthemühle

Der Begriff „Ausflugslokal“ atmet den miefigen Charme der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts und evoziert Gedanken an in Kaennchen servierten Filterkaffee und totfritiertes, überteuertes Essen vor fragwürdig pseudoromantischer Kulisse. Dass das auch auf einem anderen, besseren Level funktioniert, versucht die Lüthemühle in Nettetal zu beweisen.

Das Freizeitverhalten von Menschen ist gewissen Moden und Trends unterworfen. Galt der aktive Aufenthalt in der heimischen Natur bis Ende des letzten Jahrtausends noch als ähnlich verführerisch wie die urdeutsche Kombination aus Bermudashorts, Wollsocken und Birkenstocksandalen, ist in den letzten Jahren Wandern (neudeutsch: Hiking), Walking, Biking, Skating und so weiter und so fort schwer angesagt. Gerade das Gebiet um die Netteseen ist seitdem wieder eine bevorzugte Destination, durchaus auch für urbane Klientel von Rhein und Ruhr. Nur suchte der Freizeitaktivist nach erfolgreicher Fitnesssteigerung gerne mal einen geeigneten Platz zur Einkehr. Oft vergebens.

Am Ablauf der Nette aus dem Ferkesbruch in Lobberich-Sassenfeld gelegen, blickt die Lüthemühle auf eine vielhundertjährige Tradition und eine seit 2006 zurück. Nach dem Abriss des baufälligen Altbestands ist mit viel Liebe zum Detail das neue Gasthaus und Hotel entstanden. Der herrlich weite und offene Innenraum wird vom Außenbereich mit Terassen und Reitställen noch übertroffen. Dort jedoch ist der Service bisweilen langsam, drinnen ist der Ablauf optimaler. Zumal wochentags in der Mittagszeit, wenn Reguläres von der Karte verbilligt offeriert wird, stets in prima Qualität.
Generell eher kritisch anzumerken: Das Getränkeangebot ist reichlich schlicht geraten. Zur durchaus ambitionierten Küche passt die schlechte Bierauswahl in keinster Weise. Völlig unverständlich, warum so viele Gastronomen sich mit mediokrem Industriebier begnügen und nicht Brauereien aus der Region vertrauen. Auch die Weinauswahl ist mau. Generell ein Highlight: Die Süßspeisen!

Die geschmacklichen Eindrücke im Detail: Die Tomatensuppe ist fruchtig, eventuell etwas zu kompakt, Leichtigkeit geht anders. Aber die Aromen sind stimmig und der Einstieg ist gelungen. Ein Antipastiteller schafft wider Erwarten echte Gaumenfreuden. Keine erkennbaren Konserven, Selbsteingelegtes von Zucchini, Tomate, Champignon, Paprika, dazu ein guter Schinken, der leider schon etwas zu lange aufgeschnitten war. Weiter geht es mit Roastbeef und Bratkartoffeln, ersteres gutes Handwerk, letztere so trocken, dass der Verdacht aufkommt, die Erstzubereitung liege schon einige Stunden zurück. Das Pflaumen-Zimt-Eis jedoch ist rundum gelungen, reisst alles wieder raus. Und wird kalorientechnisch der nun gutgelaunten Heimfahrt zum Opfer fallen.

www.luethemuehle.de


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