kappesklub beim summer of supper

Wenn Amateure für Gäste kochen, als Intermezzo-Gastronomen dilettieren, nicht sicher ist, wer da kulinarisch überfordert wird – Köche oder Bekochte – und diese ganzen Internetesser einen idealerweise interessanten Ort bespielen für einen Abend mit Fremden und Freunden: Dann heißt es “Welcome to the supper club!”. Seit ein paar Jahren schwappt diese Modewelle durch westliche Städte. Wer einmal dabei war, ist infiziert von der Faszination des genussgetriebenen do-it-yourself-Gedankens. Und für alle anderen bietet sich diesen Sommer in Köln die einzigartige Gelegenheit, derartiges in komprimierter Form kennenzulernen.

sos842px

Auch wenn das Lineup  der acht Termine noch nicht final ist, sollten sich Leser dieses Blogs doch schon einmal das große Finale vormerken. Am Abend des 1. August werde ich als kappesklub zusammen mit Nata rheinisch kochen. Wir freuen uns drauf!

Übrigens: Wer zuvor schon einmal das Marieneck und die beiden Initiatoren des summer of supper kennenlernen möchte, hat am kommenden Sonntag die Gelegenheit dazu. Torsten wird Euch dann mitnehmen auf eine Reise durch Frankreich mit zwei Gläsern. Er moderiert regelmäßig spannende Weinproben in der ehemaligen Eckkneipe in Köln-Ehrenfeld. Die wird inzwischen von Marco als kulinarische Eventlocation und Kochschule betrieben.

PS: Was genau es mit der Bezeichnung “kappesklub” auf sich hat, wird sich auch am 1. August in Köln erweisen. Also: Kommt!


Ach wie süß ist Düsseldorf

“SÖÖT – Patisserie & Kaffeerösterei” – Name, Konzept, Programm. Mancher mag meinen, wenn er das Lokal in den Schwanenhöfen an der eher tristen Erkrather Straße betritt, dass solcherlei früher einmal schlicht “Café” geheißen hätte. Oder Konditorei. Pompös: Kaffeehaus. Liebe Leser, Pustekuchen, dies. Wer so schlussfolgert und dem geistigen Deminutiv frönt, war noch nie in der Landeshauptstadt. Dort atmet selbst die Randlage Lametta und wo andere Bäcker Plunderteilchen feilbieten, ist hier der Zuckerguss aus Blattgold. Mindestens.

s1

Hier, im mitten zwischen alten Industrie- und Bürobauten, in denen nunmehr hippe Agenturmenschen werkeln, gelegenen Lokal, hat ein hochdekorierter Küchenkünstler sich niedergelassen, der sich selbst bisweilen “Puddingrührer” nennt. Andy Vorbusch war zuletzt Chef-Pâtissier im Vendôme bei Wissler. Und macht nun mit Ursula Wiedenlübbert Frühstück und Mittagstisch für Schreibtischmenschen sowie süße Schweinereien für Kulinarikpilger. Beides lohnt den Besuch – nicht zuletzt auch wegen der vor Ort gerösteten Kaffeespezialitäten. Wir hatten eine gottgleiche Schokomousse mit Buchweizenkern, ein fruchtigfrisches Rhabarbertartelette, Macarons aus einer anderen Welt und eine Süßkartoffel-Garnelen-Quiche. Bei letzterer gab es Abzüge in der B-Note wegen eines Konsistenzkollateralschadens aufgrund Mikrowelleneinsatz.

s3 s4 s5

Fazit: Allen Süßsüchtigen sei ein Besuch im SÖÖT anempfohlen. Und da es sich angenehm sitzen lässt im erfreulich beiläufigen Ambiente, ist jede dort verbrachte Minute ein Gewinn. Nicht nur für den Insulinhaushalt.

s2


Behelfsgericht und Originalmusik

Saßen wir doch letzten Freitag mit ein paar Foodies in einem Ehrenfelder Asiaimbiss und erörterten die netzkulinarische Lage bei bioveganen Leckereien – ich hatte eine gute, sauerscharfe Tom Yum, langweilige Limo sowie gebratene grüne “Spirulina” Ramen mit Luft nach oben – da setzte ein altbekannter Reflex beim Gruppenessen ein: Nachbars Teller ist immer der bessere. Der gute Marco hatte u.a. Gỏi cuốn, Frühlingssoulfood und gern gesehenes DIY-Experiment in der Gesindehausküche. Also wurden am Folgetag Vorräte überprüft, Fehlendes wie Koriander, Erdnüsse und tiger prawns beim befreundeten Biobauern geordert und sich bei der Gartenarbeit auf das abendliche Essenbasteln gefreut. Das Mise en Place ist wie bei fast allen Asiaadaptionen mehr als die halbe Miete, also wurden Möhren juliennisiert, Pilze zerkleinert, frischer Knoblauch und Ingwer gehackt, Sprossen verlesen, Salat gerupft und geschleudert, Kräuter gezupt und Nüsse geschreddert. Ein Dip gerührt und Reisnudeln gekocht. Bier gekühlt.

Und die Schublade geöffnet, in der die Reisblätter liegen. Normalerweise. Eigentlich immer. Nur eben nicht in diesem Moment. Master of Vorratshaltungsdesaster, ich. Was tun, um die eigenen Gelüste und die der noch Sommerrollenverrückteren zu stillen? “Machen wir einen Salat”, sprach die Mitleidende und kramte eine große Schüssel aus dem Schrank. Zuerst skeptisch begann ich, nach und nach alle Schälchen und Schüsselchen in das größere Exemplar zu leeren, den Fischsaucendip sowie etwas Sesamöl hinzuzugeben und einmal umzurühren. Das Ergebnis war überraschend gut.

sr

Zu Improvisation und DIY passt dies: Heute beginnt in Düsseldorf die “Micro-Pop-Week – Festival für Originalmusik”. Weitere Infos dazu auf der Facebookseite der Veranstaltung. Wirklich unabhängige Bands an tollen Orten mit interessanten Menschen. Ich freue mich besonders auf den Donnerstag, wenn das Hamburger Kleinst-Label Bloody Hands Ltd. drei seiner Artisten in einem semiromantischen Hinterhof in Flingern aufspielen lässt. Hingehen!

 


Sonntagnachmittags

Seit über einem Jahr ist der Sonntagnachmittag bei uns im Gesindehaus von Kaffee und Kuchen geprägt. Was ursprünglich als eine Art Notwehr begann, Reaktion auf das abgeschiedene Leben, ist inzwischen liebgewordene Tradition. Die Idee: Wir bieten unseren Freunden und Bekannten (und allen anderen, denen wir davon erzählen) einen jour fixe mit Kaffeetafel. Es kommt, wer mag – idealerweise wird kurz zuvor Bescheid gegeben. Dazu die Küchenregel: Stets wird ein anderer, neuer Kuchen gebacken. Wiederholung langweilt und jede Herausforderung belohnt den, der sich stellt.

Aufgrund der Rahmenbedingungen wird hier selten hohe Konditorkunst zelebriert. Eher bodenständiges Backwerk, oft Kuchen rumfort, immer aber vollfett und geschmackssicher. Damit kein “Rezept” in Vergessenheit gerät  – und als Service für die Gäste – entstand der Drittblog. Wer ihn liest, wird schnell bemerken, dass aus der Ursprungsidee des allsonntäglichen Zusammentreffens eher eine lose Veranstaltungsreihe geworden ist. Das hat einige Gründe, Terminkalenderblockaden wegen der anderen beiden großen Lieben zumeist (Wein und Gesang), aber im Winterhalbjahr ist es eindeutig auch dem Wetter geschuldet. Denn besonders anziehend wirkt unsere Wohnstatt wohl bei Sonnenschein. Dann sitzen wir unterm Wassenberger Pfirsichbaum auf unserer Gartenwiese und schauen auf’s Wasser. Niemand macht sich die Schuhe schmutzig, weil er durch den Novemberschlamm stapfen muss, der gerne mal bis März das Geläuf von hiesigen Bauernhöfen prägt.

kirschkuchen2

Gestern war ein schöner Tag. 20 Grad im März, am Vortag hatte ich schon die Kartoffeln unter die Erde bringen können. Und nun warteten wir auf DJ Hollerbusch und seine Liebste, der Kirschkuchen duftete verlockend. Dann standen plötzlich die Eltern vor der Tür. Und später gesellten sich noch die Herrschaften vom Lenßenhof dazu. Es war ein wunderbarer Nachmittag, der wie meist bei Musik endete.
Frühling ist’s, es wird ein gutes Jahr.


Gemüse des Monats: Superschmelz

Zugegeben, im Februar ist so gut wie alles abgeerntet auf niederrheinischen Äckern. Auch wenn der Winter bisher einzig mit wenigen Nachtfrösten seine Existenz allenfalls vage angedeutet hat, ist neben vereinzelten Grünkohlpflanzen kein frisches  Gemüse mehr zu haben. Was jetzt im Bauernladen liegt, sind entweder Gewächshauskulturen oder es handelt sich um Importware. Und doch wird eine Varietät des gemeinen Gemüsekohls (Brassica oleracea) noch verkauft und schmeckt wie frisch vom Feld: der Superschmelz.

superschmelz1

Hierbei handelt es sich um eine seit Jahrzehnten erfolgreich angebaute Zuchtform des Kohlrabi (Kohl- oder auch Oberrübe), die im Frühsommer ausgesäät und im späten Herbst geerntet wird. Die Rüben können mehrere Kilogramm an Gewicht auf die Waage bringen und sind noch bis Ende März lagerfähig. Wie der Name schon vermuten lässt, bleiben die Knollen wunderbar zart und werden auch ausgewachsen nicht holzig. Nur ist leider das Kohlrabigrün kaum mehr verfügbar.

In der Zubereitung verhält sich der Superschmelz wie “normaler ” Kohlrabi – ein ganz klein wenig kompakter vielleicht – ist also sowohl als Rohkost wie auch gedünstet ein aromatisches Gedicht. Geschmacklich kommt er eine Nuance wuchtiger daher und ist daher gern gesehener Bestandteil in allerlei Eintopfgerichten. Aber auch fein auf der Brotmaschine aufgeschnitten und mit einer Marinade aus momentan ebenfalls verfügbaren Bitterorangen und Rapsöl ergibt er eine herrliche Wintergemüsevorspeise.

Auch wenn der Name “Kohlrabi” im englischen Sprachraum häufig Verwendung findet, ist sein Vorkommen doch in weiten Teilen der Welt nachgewiesen. In Indien heißt das Gemüse beispielsweise Knolkhol (English) or Nookal (Hindi). Aus Sri Lanka stammt die Idee zu folgendem Gericht:

Knol Khol Curry

1 Superschmelz, geschält und gewürfelt
1 Zwiebel, in feine Ringe gehobelt
1 kl. Dose Kokosmilch
1 Zweig Curryblätter
etwas Butterschmalz (oder Ghee)
Kurkuma, mildes Currypulver, Zimt
1 grüne Chilischote
Bockshornkleesaat, Kardamomkapseln, Nelke

superschmelz2

Die Gewürze mörsern und in etwas Butterschmalz erhitzen. Dann alle Zutaten (bis auf die Kokosmilch) mit etwas Wasser zugeben und zehn Minuten mit Deckel dünsten. Kokosmilch und etwas Salz dazu und offen in wenigen Minuten fertig garen. Mit Basmatireis servieren.


Dieser Beitrag ist der vierte in der Reihe “Gemüse des Monats”, die in Zusammenarbeit mit dem Lenßenhof in Mönchengladbach entsteht.


Tonkotsu-Ramen

Seit kurzem hat die vielleicht beste japanische Suppenstube hierzulande – das Takumi Ramen auf der Düsseldorfer Immermannstraße – eine Dependance um’s Eck, auf der Ostr. 51: das Takumi 2nd Tonkotsu. Unphew waren wieder mal auf Asiatour – und der Neffe hat fotografiert (click to enlarge), wie üblich. So konnte ich mich auf’s Essen konzentrieren. Das hat sich ausgezahlt, ich habe nun neben der vietnamesischen Phở eine zweite Lieblingssuppe aus dem fernen Osten.

takumi1

Tonkotsu ist eine stark reduzierte Fleischbrühe auf Basis von Schweineknochen und -kopf. Stundenlanges Köcheln und Reduzieren führen zu einem sehr kollagenen, aromatischen Ergebnis – ähnlich wie hier nachzuvollziehen ist. Die Einlagen variieren und können im kleinen, engen, lauten, also wunderbaren Restaurant in neun Varianten geordert werden. Kohl, Algen, Rettich und Frühlingszwiebeln gehören immer in die Schüssel – wie natürlich auch Ramen (Suppe und Nudeln heißen gleich). Die “Tonkotsu Kuro Special” mit geröstetem Knoblauch und wachsweichem Ei war unser eindeutiger Favorit. Beim nächsten mal wird Suppe mit Dorschrogen gegessen.

takumi2

takumi3 takumi4 takumi5


In eigener Sache oder: Sprossen zum Ruhm

Nach jahrelangem Senden ins Nirvana wird diesem Blog endlich die Aufmerksamkeit zuteil, die er naturgemäß seit dem ersten Post verdient.

So könnte meine PR-Prosa aussehen, wenn ich nicht wüsste, was ich hier tue. Denn in den letzten Tagen habe ich zwei Interviews geben dürfen, die beide auf ihre je eigene Art Spaß gemacht haben und mich nicht nur zur Reflektion zwangen, sondern auch zur Verortung der eigenen Bloggerei im unendlichen Online-Universum. Doch bevor ich mich elaborierter Selbstbeweihräucherung hingebe, folgt hier erst einmal ein kurzer Hinweis auf gutes, gestriges Essen.

sprossen

Es gab Salat. Gut, solcherlei kommt häufiger auf den Gesindehaustisch und ist in der Regel genauso lecker wie ungeplant und Rezeptruhm-unverdächtig. Doch hier möchte ich ganz nebenbei eine Lanze brechen für die Sprosse. Seit der großen EHEC-Hysterie im Jahre 2011 ist dies im deutschen Lebensmittelhandel – egal, ob Bio oder nicht – ein mausetotes Produkt. Und das ist verdammt schade, handelt es sich doch um einen kongenialen Transporteur von Frische, Würzigkeit und Essvergügen im Rohkostformat. Nicht zuletzt optisch gewinnt durch ihre Beigabe so manches Grünzeuggericht.

Wir aßen also Chicorree, Feldsalat, schwarzen Rettich und dreierlei Sprossen (Alfalfa, Zwiebelsprossen, Rambo Sprouts), wobei vor allem letztere durch ihre Schärfe bestachen. Das Dressing rührte ich zusammen aus dem Saft einer Pomeranze, etwas Senf und Ahornsirup, Salz und Pfeffer sowie Walnussöl. Obendrauf gab’s Kürbiskernkokant. Mein Tip: Fragt nach beim Gemüsehändler Eures Vertrauens, warum er nicht wieder Sprossen ins Programm nimmt – zum Beispiel von diesem vertrauensvollen Produzenten. (Und nein, ich profitiere nicht von dieser Art der Promotion – außer dass ich dazu beitrage, dass gute Dinge auch wirtschaftlich so erfolgreich sind, dass ich noch lange davon zehren kann.)

Von der Freude, die ich bei den beiden erwähnten Interviews hatte, werde ich allerdings noch lange zehren. Zum einen hat mir Teresa Sickert für die Sendung TRACKBACK live auf Radio Fritz einige Fragen zum Dasein als Blogger gestellt. Der Podcast ist hier abrufbar (ab 50:46). Danke auch an Matze für die Empfehlung.

Zum anderen spielte die liebe Heike vom Blog Kochzeilen mit mir E-Mail-Pingpong – herausgekommen ist eine Geschichte für das neue Foodblogportal sternekocher. Sie schreibt über das hier: “Der Blog eines Menschen, mit dem ich mein Leben am Küchentisch verbringen möchte.” Danke. Gleichfalls.

Hier noch mal für den sicheren, streuverlustfreien Klick:


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 46 Followern an