Suppli und so

Der Tag begann mit Niederlagen: Höllische Halsschmerzen als Folge des Samstagsauftritts in bitterböser Kirchenkälte. Dazu Dinge im Kühlschrank, die von unerfüllten Träumen zeugen. Stundenlanger Stau vor Köln. Da helfen nur warme Gedanken und Hardcore aus dem automobilen Beschallungssystem. Pissed Jeans mit Bathroom Laughter zum Beispiel. Oder ist das schon Noise? Relativ ruhig war mein Küchenwochende, wie gesagt. Es kam nur zu Erbsenreis und Nachfahren. Nicht zu den Hirngespinsten von gekochtem Brot und Cozze und Grünkohl. Dafür: Frühstücksbrötchen nach Vincent Klink und ein Sturmlauf. Das erwähnte Markus-Türk-Festival in Grefrath mit einer grandiosen Jansenshow. (Glückwunsch nachträglich!) Alzheimerprophylaxe. Und Hans-Martin sonntagmorgens um 5.

Was da fettbäckt, nennt der Sizilianer Arancini. Ich aß sie erstmals in den herrlich dunklen Gassen von Palermo. Das fiel mir dieser Tage wieder ein, als Heike Fotos schickte von dort. Fettgebackenes wird rheinländisch wahlweise karnevalesk oder adventlich konnotiert. Wozu mir wiederum das neue Projekt von Sufjan Stevens einfällt: Silver&Gold (kompletter Albumstream) ist die zweite Weihnachtsbox des Freakfolkgroßmeisters und mit 58 bizarren Stücken – Coverversionen von Weihnachtsliedchen genauso wie absurd harfige Eigenkompositionen – gleichsam oppulent wie aus der Zeit gefallen.

Wo wir schon bei der Ironie des Alltags sind: Ich rettete am Freitagabend den Blumenkastenestragon vorm Erfrieren und gab reichlich davon ins improvisierte risi bisi. Der Erbsreis gewann dadurch an Farbe und Geschmack – jedoch auch an Eindimensionalität. Andere Aromen verloren schlicht den Kräuterkampf. Doch die Suppli (so heißen die frittierten Reisbällchen in Rom), gehüllt in Pankopanade, waren großartig. Mit Ziegenkäsekern und in krosser Hülle war der Risottoschmelz verführerisch verlockend.

Schlussendlich habe ich mich entschieden, weder fäkalen Krach noch festliches Hipsterhippietum hier ausgiebiger zu verbloggen, sondern das neue Werk des Altmeisters der psychedelischen Garage. Weil Jon Spencer anfang Dezember für drei Gigs nach Zürich, Berlin und Köln kommt und der alte Blueszerstörer nun auch schon seit 20 Jahren Bühnen in Schutt und Asche legt. Sein aktuelles Album mehr ist als nur ein weiteres Stück in einer beispiellosen Diskographie:  “Meat+Bone” ist nicht nur altbewährte Rockrumpelkammer mit Lust an Minimaldekonstruktion.

The Jon Spencer Blues Explosion kann inzwischen – besser: will das auch! – als Band rgelrecht tight agieren. Auf den Punkt. Hochenergetisch selbstverständlich. Nicht mehr nur Exzess. In Würde altern als Kontrapunkt zu Rockopapositionen? Vielleicht. Vor allem aber macht das richtig Spaß. Montagmorgens im Stau auf der Autobahn und auch auf der heimischen Tanzfläche.


Ein Kommentar on “Suppli und so”

  1. Es gibt viel zu wenig Frittiertes auf der Welt, das habe ich schon immer gesagt.


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