Coeur de Pirate, Susanne Blech oder doch Princess Chelsea?

Seit Tagen höre ich zwei neue Alben, immer im Wechsel, bei unendlich scheinenden Autofahrten durch den niederrheinischen Eisnebel. Beide werde ich jetzt nicht weiter vorstellen, denn diese Zeilen habe ich heute für Prinzessinenmusik aus Neuseeland reserviert. Nur soviel: Coeur de Pirate heißt eigentlich Béatrice Martin, stammt aus Quebec – ich kenne sie seit 2009, als Julien Doré zusammen mit ihr Rihannas Umbrella-Liedchen nachsang – und ist mit ihrer aktuellen Platte “Blonde” leider mehr im Chanson als im folkpunkigen Powerpop, den ich mir erhofft hatte , gelandet. Das zweite Stück heißt Adieu und gefällt mir dank eines gewissen Videowitzes noch am besten – ansonsten setzt aber das gemeine Musikmarketing ganz auf alte Franzosen mit Bärten als Käuferschicht – was dank Kindchenschema und Kulturradiosexappeal auch funktionieren dürfte. Selbst die Tattoos sehen aus wie gemalt!
Dass ich hingegen Susanne Blech liebe, erwähnte ich bestimmt schon. Mehr zufällig geriet ich letzten Sommer beim Juicy Beats Festival in Dortmund in einen Nachmittags-Rave dieser RheinRuhr-PartyGuerilla und kann mich seitdem des Reizes, den die Mischung aus Kirmestechno mit Pseudointellektualität auf mich ausübt, nicht entziehen. Triumph der Maschine ist ein (guter) Witz, Die Maschinen laufen heiß mindestens Video des Monats, und das Helmuth-Kohl-Sample nach dem gleichnamigen Track Meinungsmache für den Tanzflur.

Aber nun geht es ans andere Ende der Welt, nach Auckland. Vor acht Monaten bereits veröffentlichte Chelsea Nikkel als Princess Chelsea das Album Lil’ Golden Book auf Lil’ Chief Records. (Leider funktioniert das Einbetten des Albums nicht in allen Browsern – so verbirgt sich also hinter dem Link das komplette Werk zum Online-Anhören.)

Klassische Schlafzimmeraufnahmen, die den ganzen Charme des DIY atmen. Fluffige Melodien, hübsche Hooklines und Texte irgendwo zwischen Non- und Common-Sense. Die Wege der Popkulturrezeption sind ja bisweilen reichlich verschlungen: Ich stieß auf die Neuseeländerin, weil sie in einem Interview als einen ihrer Haupteinflüsse Fred Coles Dead Moon anführte. Auch wenn von deren Garagepunksound wenig übriggeblieben ist beim Synthiepop der Prinzessin: Die Garage kann man schon noch spüren. Auch und besonders bei ihrem allerersten Track, Monkey Eats Bananas.

Dass der immerhin nicht kleine Internethype, den ihre Single “The Cigarette Duett” auslöste, keine Resonanz in Mainstreammedien fand, ist verwunderlich. Hierzulande wird der Song zwar im Qualitätsradio gespielt, findet ansonsten aber Widerhall allerhöchstens auf obsukren Blogs wie diesem.

Immerhin steigt so die Wahrscheinlickeit, dass Chelsea Nikkel mit ihrem Roland E-20 auch weiterhin aus ihrem Schlafzimmer heraus die Welt mit richtig guten Songs ein kleines Stück heller machen wird.



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