Portland Pastrami

Ich war noch niemals in New York. Schon wegen der ruhmreichen Delis, die in eurojuedischer Tradition aus kulinarischen Kleinigkeiten Lifestyle kreierten, wuensche ich mich bisweilen in den grossen Apfel. Das muss gerade zu diesem irren Datum erwaehnt werden, bin ich doch in Hassliebe entbrannt fuer das lustig-depressive „land of the free“. Nun weile ich jedoch momentan in Portland, Oregon, bei den surfenden Holzfaellerbaerten und taetowierten Hippiemaedchen, um bei 35 Grad im Schatten die aktuell spannendste Musikszene der Welt zu geniessen. Und ass gestern das erste Pastrami-Sandwich meines Lebens – nicht bei Katz’s.

portland pastrami

Das erste Pastrami, das diesen Namen verdient, praezise formuliert. Was genau Pastrami ist, haben andere ausfuehrlichst beschrieben, hier und hier zum Beispiel. Bei Kenny & Zuke’s Delicatessen kommt es folgendermassen auf den runden Tisch: Zwischen mit erstklassigem Senf bestrichenen, hausbackenen Roggenbrotscheiben schimmert prall und rot das zarte Glueck. Dazu selbstverstaendlich Krautsalat (cole slaw) und richtig saure Gurken. Das gute Fleisch besteht aus 8 Tage lang eingelegter Oregon-Rindsbrust, die danach 10 Stunden kaltgeraeuchert und anschliessend 3 Stunden gedaempft wird. Die Marinade ist Kennys Geheimnis, ich werde zu Hause direkt die Versuchskueche in Gang setzen. So ein herrlicher Geschmack muss doch reproduzierbar sein.

Nach dem Genuss kam der Gang in den legendaeren Chrystal Ballroom, wo des Nachts Weinland (formidabel wuchtig), die singende Sommeliere Sharon van Etten (ueberzeugend ruhig) und die lokalen Superhelden Blitzen Trapper (selbst mir zuviel Americana) spielten.

Da ich vorzeitig den Saal verliess, kam ich auf der Strasse noch in den Genuss einer Konzertperformance im Guerillastyle. Eine Bande Ninjamusikanten sprang aus einem Van, baute ihr mobiles Set auf und haute den erstaunten Passanten heftigen Hardcore um die Ohren. Nach zehn Minuten war der Spuk vorbei, die Fuenf huepften wieder in den Wagen und entschwanden mit quietschenden Reifen in die Nacht. Bisher der spannendste Musikgenuss auf dem MFNW.

strassenmusikanten in portland


4 Kommentare on “Portland Pastrami”

  1. GEMA my Ass, allerspätestens seit deren allumfassender YouTubemuteperformance weiß wirklich jeder von deren Verachtenswürdigkeit, oder? Schöne Reiseberichte, trotzdem!

  2. Jutta sagt:

    Weinland hört sich an wie Neil Young.

    Von “Pastrami” habe ich zum ersten Mal in einer Krimiserie gehört. Da ging es um eine Verwechselung mit “Cannoli”. Irgendjemand bekam Pastrami, obwohl er verrückt nach Cannoli war – oder umgekehrt. Als Teenager konnte ich mit beiden Begriffen nichts anfangen, was mir Lust auf die Welt machte, in der solche Leckereien angeboten werden. Schön!

  3. ok. Ich lass mich tätowieren (im Herzen Hippiemädchen bin ich eh) und Du machst die Pastramis. Aussichten sind das!
    *autsch

  4. utecht sagt:

    @sss
    Was ist mit der boesen GEMA? Koennt Ihr in D das Video nicht sehen?
    @
    Ging mir aehnlich. Deshalb reise ich gerne und viel…
    @AT
    Abgemacht!


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