Kartoffeln, Quitten, Räucherlachs – dazu Arabicana

Wie die zuletzt beschriebene Erbsensuppe ist auch das heutige Gericht eines, das auswärts zu essen selten eine gute Idee ist. Mit wenigen Ausnahmen, zugegeben. Reibekuchen heißen im Rheinland Rievkooche und den Goldstandard haben Menschen aus Jülich treffend beschrieben. Eigentlich bedarf diese bodenständige Delikatesse keinerlei Pimp und Pomp, aber es gibt Situationen in Speisekammern und Kühlschränken, die zur Improvisation zwingen. So war eine Nachbarin vor Tagen schon die Freude ins Gesicht geschrieben, endlich Abnehmer für einen Gutteil ihrer Quittenernte gefunden zu haben. Bis auf einige wenige wurde daraus Gelee, der ein ausgezeichnetes Geschenk für jede Gelegenheit darstellt. Außerdem wartete noch ein ordentliches Stück Räucherlachs auf seine Verwendung.

Etwas Safran in die Kartoffelmasse, Olivenöl statt jenem aus Sonnenblumenkernen zum Ausbraten, Quittenkompott in einen Saure-Sahne-Dip – der Fisch fühlte sich wohl dabei. Ich mich auch, nach einem erfrischenden Glas Silvaner von Johann Schnell.

Reibekuchen auf Quittendip mit Räucherlachs

Reibekuchen auf Quittendip mit Räucherlachs

Der Safran brachte mich musikalisch nach Arabien – so einfach bin ich bisweilen gestrickt.  Höre also gerade den herausragenden holländischen Oud-Spieler Haytham Safia sowie die Band, deren Teil er ist: NO blues, ebenfalls aus den Niederlanden. Die haben sich dankenswerterweise ihre Schublade selber gebastelt und nennen ihren Stil Arabicana. Ihr neues Album heißt Hela Hela und wird nächste Woche via Munich Records veröffentlicht.

 

Rezept: Reibekuchen auf Quittendip mit Räucherlachs

Rezept: Reibekuchen auf Quittendip mit Räucherlachs

Zutaten (für zwei Portionen):

  • 5 große Kartoffeln (Granola)
  • 1 Zwiebel
  • 1 Ei
  • Meersalz
  • grober schwarzer Pfeffer
  • Safran
  • Olivenöl
  • 100 ml Saure Sahne (10 % Fett)
  • 2 EL Quittenkompott
  • einige Späne von der Meerrettich-Wurzel
  • wenige Weinrauten-Blätterspitzen
  • Vanille-Chili-Salz
  • ca. 200 g Sockeye-Räucherlachs
Reibekuchen-Entstehungsprozess

Reibekuchen-Entstehungsprozess

Zubereitung:

  • Kartoffeln und Zwiebel grob reiben, salzen.
  • Nach wenigen Augenblicken das ausgetretene Wasser in eine Schüssel umfüllen.
  • Das Ei, Pfeffer und einige Safranfäden zu der Masse geben.
  • Nun das Wasser aus der zweiten Schüssel wegschütten und die abgesetzte Stärke zum Reibekuchenteig geben.
  • Olivenöl in einer weiten beschichteten Pfanne auf mittlere Hitze bringen.
  • 4 üppig gefüllte EL Masse hineingeben und jeweils sehr flachdrücken.
  • Mehrere Minuten von beiden Seiten braten. Wenn die Reibekuchen goldbraun sind, auf Küchenkrepp legen und entfetten.
  • Für den Dip alle Zutaten in einen Becher geben und aufmixen.
  • Den Lachs eine halbe Stunde vor Verzehr aus dem Kühlschrank nehmen.
  • Alles hübsch anrichten.

Dazu reichte ich eine Schüssel des Quittenkompotts.
Kartoffeln und Safran lieben einander. Beinahe so innig wie Meerrettich und Lachs.


14 Kommentare on “Kartoffeln, Quitten, Räucherlachs – dazu Arabicana”

  1. Afra Evenaar sagt:

    Für mich wären das wohl doch zwei Gerichte.

  2. Ich mag Reibekuchen am liebsten ganz simpel, nämlich mit Rübenkraut.

  3. utecht sagt:

    @ Afra:
    Was stört Dich, das Süße oder der Fisch?
    @ WLRosie:
    Ich esse sie am liebsten mit frischem Apfelkompott. Doch die Quitten spielten ihre Rolle gut…

  4. azestoru sagt:

    Vanille-Chili-Salz? Das ist sowas Neumodisches, oder?

    Hält der Safran die Pfannenhitze aus? Gernot Katzer mahnt genau wie mein Lieblingsperser zur Vorsicht, daß man bitte den Safran erst nachher aufs Essen tue, woran ich mich immer sklavisch halte.

    Weinraute finde ich supergut! Ich kann nur noch nicht richtig damit umgehen.

    Quitten mag ich auch sehr. Ich lege sie gerne in mein Wohnzimmer, weil sie so ungemein angenehm riechen. Leider ist dieser Geruch sehr schwer zu konservieren; ich nehme an, daß er hitzeempfindlich ist. Nichtsdestotrotz: Quitten sind gut.

    Wie Frau Evenaar würde ich wohl zwei Kartoffelpuffermahlzeiten machen: eine mit Quitten, eine mit Lachs.

  5. Afra Evenaar sagt:

    Zu diesem Dip kann ich mir Vanille-Chili-Salz sehr gut vorstellen, zu allen möglichen süßen Sachen auch.
    Wo ich aber nicht mehr mitgehe, ist Vanille zu Deftigem. Ich habe es (voller Vertrauen in die Beschwörungen des Vanille- und Ingwer+Knoblauch-Papstes Alfons Schuhbeck) bisher zweimal ausprobiert und hab mich jedes Mal geschüttelt. Ich muss einräumen, dass vielleicht einfach zuviel davon verwendet wurde. Mein Enthusiasmus diesbezüglich ist jedenfalls arg gedämpft.

  6. utecht sagt:

    @ Afra und Azestoru
    Persische Lammvarianten – mit Dörrobst und allerlei Gewürzebrimbamborium, das eigentlich nur unter den Tannebaum passt – liebe ich sehr. Da muss immer Vanille rein, ansonsten bei Deftigem selten bis nie. Fisch mit Anis und Fenchel verträgt allerdings auch Vanille, fällt mir gerade ein.

    Ab und zu setze ich neuen Vanillezucker an – und wenn dann ein Schotenstück übrig bleibt, wird auch noch Meersalz aromatisiert.

    Safran ist übrigens gar nicht so zart. Auch ins Kochwasser für kleine Kartoffeln (wieder Schuhbeck) kommt er gerne. Und ich achte beim Reibekuchenmachen auf gemäßigte Hitze.

    Kartoffelpuffer sind allerdings etwas komplett anderes.

  7. utecht sagt:

    Reibekuchen: Wie beschrieben.
    Kartoffelpuffer: Aus kompakterem Teig, feiner gerieben, bisweilen schon gegart (Kartoffelpürree). Nicht unbedingt Zwiebel, Muskatnuss jedoch immer.

    Hauptunterschied: Reibekuchen werden möglichst dünn kross gebraten. Kartoffelpuffer dicker (puffiger).

  8. Afra Evenaar sagt:

    Für mich waren bis just eben Kartoffelpuffer und Reibekuchen auch ein und dasselbe. Wobei in der Gegend, aus der ich komme, beides fremdsprachlich ist.

  9. utecht sagt:

    Baggers, Reiberdatschi, Schepperlinge – der Namen sind viele. Rösti, Schnibbelskooche, Grommbierkischeljer (ob das so richtig geschrieben ist, Lakritze?) – alle bezeichnen ähnliches, doch nicht dasselbe.

  10. kochundbackoase sagt:

    … wäre es nicht schon so spät ….
    Quitten habe ich noch nie verarbeitet – ich weiß aber, wo noch welche am Baum hängen-, Reibekuchen mit Safran hört sich genial an … aber bei Olivenöl bin ich mehr als skeptisch! Ich teste und melde mich wieder.


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