Gastrolyrik

Da Stevan heute nicht liefert, schüttel ich mal einen Reim aus dem Handgelenk (in Form einer 8, selbstverständlich):

Essen im Dunkeln

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schon beim Setzen zog ich mir ‘ne Delle
zu am Knie. Und doch
strahlten alle sieben Sinne,
auf dass es endlich doch beginne,
die Völlerei im dunklen Loch.

Unsicht-Bar sind dort Konzept und Namen,
„Weniger ist mehr“ der Rahmen,
Sparsamkeit für Wirt und Gast.
Der Esser nimmt sich selbst die Sicht,
Der Wirt spart Personal und Licht,
bloß weg mit dem Ballast.

Große Tellerkunst ist eh passé,
Stromsparn gut für’s Renommee
Und ein Dritter freut sich auch.
Denn die beschädigte Patella ist
ein Fall für Knochenarzt und Physiotherapist
Außerdem schmerzt mich der Bauch.

Dass gute Nerven etwas Positives sind
lernt eines jeden Patriarchen Kind.
und bildet diese aus, ganz blitzgescheit.
Doch ist mir auf den Magen
der Geruch in dieser Kammer wohl geschlagen
zum Schmerz gesellte sich noch Übelkeit.

Bevor das Desaster zur Katastrophe ward,
hab ich mir den Rest dann schlicht erspart,
ergötzte mich an den Gebrechen.
Meine erste Blindverkostung kam mir in den Sinn
als Kölsch für Bier ich hielt, welch Gewinn
an Erkenntnis meiner Schwächen.

In Arabien aß ich mal ein Auge
und ne Zunge hier am Niederrhein.
Nasen kann man prima schmoren,
als Asiate oder Pfälzer, hauptsache sie stammt vom Schwein.
Doch sich etxra eines Sinns berauben,
steigert niemals nie Genuss.
Nur noch an die Dekadenz zu glauben
führt geraden Wegs zum Ende. Aus. Und Schluss!

(Anmerkung des Mittagspausenpoeten: Personen, Orte und Handlung dieser Verse sind frei erfunden.) 


Blutiges

Eine handwerklich sauber produzierte, frische rheinische Blutwurst hat einen Schweineblutanteil von ungefähr 35 %. Die Konsistenz jedoch wird durch den Hauptbestandteil (40 %), die Gallertmasse – auch Schwartenbrei genannt –  manifestiert. Dazu werden Schweineschwarten butterweich gekocht und dann mit Zwiebeln hübsch zu einer cremigen Masse gekuttert. Nun wird ebenfalls heiße Brühe untergerührt. Abkühlen. Und nachdem das Ganze dann weniger als 50° warm ist, kommen Blut und Gewürze hinzu. Gegebenenfalls werden kurz vor dem Einfüllen in die Därme noch kleingeschnittene Fettstücke untergemengt.

Ich esse oft Blutwurst. Doch seit dieser Abendesseneinladung habe ich vermehrt über Verpackungsmöglichkeiten für dieselbe nachgedacht. Schließlich bin ich gedanklich bei einer Variation des beliebten Themas „Himmel un Ääd“ gelandet – und habe gestern Abend den rheinischen Vierklang von Kartoffel, Apfel, Zwiebel und Blutwurst folgendermaßen umgesetzt:

Mehlige Kartoffeln gekocht, gepresst und mit einem Ei, Kartoffelstärke und wenig Weizenmehl zu einem weichen Teig verarbeitet. Mit Salz und Muskat gewürzt und für eine Stunde in den Kühlschrank gelegt. In der Zwischenzeit ein Kompott von roten Zwiebeln gekocht, mit braunem Zucker, Salz und etwas Nelke sowie reichlich Spätburgunder. Wenn der verkocht, mehrmals aufgefüllt und mit einem Schuss altem Balsamico abgeschmeckt. Frische, gut gewürzte  Bioblutwurst in dicke und eine Rubinette in dünne Scheiben geschnitten.


Nun zügig den Teig ausgerollt, rund ausgestochen und mit Wurst und Apfel belegt. Mit einer weiteren Teigscheibe verschlossen und in heißem Rapsöl frittiert. Schnell gegessen – denn schon nach kurzer Zeit wird die leidlich krosse Hülle weich. Vom Zwiebelwein war noch ein Rest in der Flasche – der 2006er Edition Ponsart der WG Mayschoß passte gut zum blutigen Mahl.

Mit blutigen Metaphern musikalisch umzugehen ist eine Kernkompetenz des wunderbaren John Darnielle, der in der Regel unter dem Namen Mountain Goats veröffentlicht. Über die Jahre ist daraus eine richtige Band entstanden, was seinem zornig-neurotischen Vortrag leider bisweilen etwas die Prägnanz nimmt. Daher als Beispiel hier ein Song vom puristischen 2002er Album Tallahassee: The house that dripped blood ist die musikalische Umsetzung eines Themas, das schon der gleichnamige britische Horrofilm aus dem Jahre 1970 als Plot hatte.


Köln, an einem Samstagabend

Zum dritten Male klitschnass, festgeregnet, vom Wind in einen dunklen Hauseingang getrieben, an einer lauten, südwestwärts laufenden Ausfallstraße, knapp außerhalb des pulsierenden Teils Kölns. Vor 200 Jahren waren hier nur Felder und Gärten, allenfalls Mitglieder der Töpferzunft gingen, jenseits der alten Stadtmauer, ihrem gefährlichen Handwerk nach. Daher rührt der Name des Tors im Wall, der heute auch die Bahnstation der Linien 15 und 16 ziert: Ulrepforte.

Schon seit Stunden lasse ich Wehmut und Wohlgefühl eine blutige Schlacht schlagen in meinem Bewusstsein. Das ist immer so, setze ich mehr als nur einen Fuß auf heiligen Grund. Dies urbane Dorf nimmt mich gefangen, seit ich ihm als Bewohner den Rücken kehrte vor wenigen Jahren und es mich trieb, raus auf’s Land. Köln ist ein Gefühl, singt bestimmt nicht nur der Karnevalist. Eine eigentliche Großstadt ist es nicht. Ich kenne jeden Winkel aller Gassen und die erschreckenden Antlitze der allermeisten Bausünden. Die kulinarischen Katastrophen und kulturelle Löcher. Die Agonie der hiesigen Popkultur stürzt mich geraden Wegs in eine tiefe Depression, feucht bis auf die Haut, den Schirm zerfetzt. Ich gehe weiter.

Überquere die Rolandstraße, rechts liegt der Volksgarten, lange Jahre habe ich kellnernd und kochend einen Steinwurf entfernt meinen Lebensunterhalt erschwitzt, eines Studiums wegen, das brotlos direkt zur Kunst der permanenten Neudefinition des eigenen Seins führte. Der Park dröhnt trommelnd in meiner Erinnerung, Spätsommerabende, bevölkert von Reißdorftrinkerhorden, halbhippiesk, schlechte Gesänge, dünne Gespräche, penetrantes Balzverhalten an jedem Lagerfeuer.  Die sind jetzt alle in Berlin. Oder in Portland.

Zurückkehren an einen neuen Ort. Stadt ist als Organismus schneller als der Fluss, in den zweimal zu steigen unmöglich scheint, ist er doch niemals gleich. Doch neben aller Projektion, dem eigenen kleinen, subjektiven Blick, ist und bleibt Köln der Ort, wo eine ganz spezielle Sorte Mensch hängenbleibt, ein Leben lang. Um sich nach Tagen schon als Ureinwohner, die es so wohl gar nicht mehr gibt, zu fühlen. Als eingefleischte, aber lebensfrohe Kulturpessimisten, der Welt zugewandt. Offen und mit klarem Blick auf die Dinge – solange sie nicht nebelverhangen sind in der Bucht, die bis Aachen reicht. Ich bin Herzenskölner, vielleicht gerade weil ich die offiziellen Insignien dieses Stammes verabscheue: Karneval, Kölsch und den FC.

Die katholische Kirche hingegen mag ich manchmal, der Show wegen. Der Laden ist eine Verein gewordene Profilneurose. Ich baue mir gerade gedanklich eine Brücke zu der Tür, durch die ich gleich schreite. In ein Pop-up Restaurant, einen Supperclub, zu einem Guerilladinner. Die nächsten sechseinhalb Stunden werden zur neuerlichen Probe, ob ein Haufen SocialMedia-Verrückter, deren einzige Verbindung bisher im digitalen Ausleben der je eigenen Genusssucht bestand, mit ihrem Sendungsbewusstsein in natura zu egozentrisch-missionarischen Eiferen werden oder einfach: netten Menschen. Drei Blogger kochen und luden sich 30 Leute an den Tisch, in ein ehemaliges, bisweilen als Eventlocation genutztes Restaurant. Die Show beginnt.

Einzig Natalie kenne ich schon, sie ist eine der drei Küchenkreativen heute, ich traf sie letzten Sommer bei Arthurs Tochter in Ingelheim.  Ich sehe Glück und Stress zugleich in ihr Gesicht geschrieben, eine gute Mischung. Mit einem Glas zu süßen rosé Schaumweins stelle ich mich an die Seite und betrachte die Szenerie. Nach einer kurzen Phase überkritischer Distanz – wie konnte ich nur unter diese Horde pseudohipper Junggebliebener, die außer Essen und Trinken keine Lust mehr leben, geraten – werde ich ruhig und offen. Nehme einzelne Gesichter wahr, ein Lächeln hier, drei interessierte Sätze da. Erkenne: Leuchtende Augen. Spannung. Gleichgesinnte.

Dann in die Küche, um die beiden anderen kennenzulernen, zu begrüßen.  Marco vom Marieneck. Dem ich die Hand kräftig schüttele. Und ihn sofort mag. Als letzten Marqueee. Der allem Anfang das Wort redet und den ich schon lange lese. Der etwas unwirsch wirkt. Der Druck ist spürbar. Ich bin begeistert: Keine Show, glasklare Gefühle. Der Eindruck wird sich dann bestätigen mit jedem Gang, der an unseren spannend besetzten Tisch gelangt. Klare Linie, kein Firlefanz, die Aromatik der einzelnen Grundprodukte wird herausgearbeitet und miteinander in Verbindung gebracht. Was genau es gab und welche Weine wir dazu tranken, hat Matze detailliert beschrieben.

Den ich mir im Übrigen genauso vorgestellt hatte, wie ich ihn nun, schräg gegenüber am Tisch, erlebe. Lexikalische Meinungsstärke. Mit ‘ner Flasche Wein im Jutebeutel und immer einen Korkenzieher am Mann. Neben mir Christoph, den ich vom Vinocamp nur der Stimme nach kannte.  Er redet so entspannt und zurückgelehnt über seine Weine, wie ich es selten erlebt habe in dieser eher von Dominanzverhalten geprägten Szene. Die Dame mir gegenüber bloggt über ein völlig anderes Thema, das gemeinsame Medium jedoch führt uns in ein spannendes Gespräch über Mechanismen und Wirkweisen der nicht-journalistischen Publikation.

Kölsches Stillleben: Leere Teller, Schwarzbrot, Kraut

Kölsches Stillleben: Leere Teller, Schwarzbrot, Kraut

Kerbelknollen sind meine kulinarische Entdeckung dieses stundenlangen Abendessens. Neben dem vin naturel, der in der Tasche war (Braucol, 2010, Domaine Plageolet).  Menschen kennenzulernen, war wichtiger. Die Gewissheit zu haben, wieder zu Hause, beim Schreiben solcher Texte, dass da draußen ein Resonanzboden ist, der schwingt. Wie die Kölner Nacht, in die ich nach dem Verlassen dieser Stätte ganzheitlichen Leibeswohls tauche. Was ich an Köln besonders mag? Die dunklen Stunden. Die Abwesenheit von Gewalt und Härte, wie sie andere urbane Zonen atmen. Dass es ein Ort ist der ewigen Möglichkeit: Nichts muss, alles kann. Wie ein Versprechen, das nicht auf Einlösung drängt. Und so seiner Erfüllung reichlich nahe kommt – heute war so ein Abend.


Dreierlei von der Pinie

„Enigma in luogo di mare“ ist der Titel eines Buchs von Fruttero & Lucentini, dessen Lektüre für mich im Jahre 1993 die erste Begegnung mit dem Werk dieses besten literarischen Duos des letzten Jahrhunderts bedeutete. Niemand sonst beförderte das Genre des Kriminalromans mit ähnlicher Leichtigkeit in einen satirischen Surrealismus, verflocht die Zeitläufte mit Unendlichkeit, trauerte ohne Lamoryanz einer nobleren Epoche nach und war doch fest im Kampf für Erkenntnis im Geiste der Kunst. Bei dieser beiläufigen Analyse geht nicht der bildungsbürgerliche Italienromantiker mit mir durch. Des Italienischen war ich damals noch nicht mächtig, ich las das Buch in der deutschen Übersetzung: Das Geheimnis der Pineta.

Carlo Fruttero ist vor zwei Tagen gestorben, wird heute in Castiglione della Pescaia neben dem Grab von Italo Calvino beigesetzt. Lucentini brachte sich schon vor zehn Jahren um. Ich las in den 90ern ihr ganzes Werk,  durch „Wie weit ist die Nacht“ (A che punto è la notte) habe ich mich dann schon im Original gekämpft, es wurde mir ihr liebstes Buch. Zu Ehren der beiden backe ich gleich eine Pinienkern-Tarte.

Auch musikalisch ist der Pinienhain ein Evergreen. „In the pines“ hat als Klagelied den Status eines amerikanischen Traditionals. Eine Interpretation dieses ursprünglich durch den großen Barden Lead Belly in den 1930er/40er Jahren bekannt gemachten Songs hörte ich im selben Jahr, in dem ich F & L kennenlernte. Nirvana zeichneten es unplugged für MTV in New York auf.

Hier einige Interpretationen – auch wenn der Titel variiert – der Ursprung bleibt derselbe:

Long John Baldry: Black Girl

Susheela Raman – Where did you sleep last night

Nirvana- Where Did You Sleep Last Night

Lead Belly – Where Did You Sleep Last Night?

Cows – My girl

My Own Private Alaska – Where Did You Sleep Last Night

Die Pinie gehört als Pflanzenart zur Gattung der Kiefern. Nun ist mir aber durchaus bewusst, dass der englische Begriff „pine“ im Deutschen häufig zwar mit Pinie übersetzt wird, aber eigentlich allgemein Kiefer meint. Wer beispielsweise mal in einem Wald riesiger Oregon pines  stand, wird solch finsteren Ort nimmermehr mit einem lichten Pinienhain verwechseln.
Pinien (Pinus pinea) kommen nur an den nördlichen Gestaden des Mittelmeers vor – von dort stammen auch all die Kerne, die leidlich italianisierte Nordeuropäer inflationär über Salate schütten oder ins Pesto mörsern. Ich mag sie lieber im Backwerk und mache nun doch nicht die Tarte, sondern bewährt deliziöse Kekse: Pinoccate aus Umbrien.
Dazu löse ich 450 g Zucker in warmem, mit Limettenabrieb aromatisiertem Wasser (150 ml). Von 250 g Pinienkernen mahle ich die eine Hälfte fein und hacke die andere grob und gebe alles in den Sirup. Mit 100 g gesiebtem Weizenmehl wird daraus ein reichlich kompakter Teig.
1 cm dick auf Backpapier streichen/rollen. In Formen – traditionell Rauten – schneiden und trocknen lassen. Fertig – bis auf Bilder davon. Die folgen, vielleicht.


songoftheday: Was Ihr wollt!

Vor einigen Wochen habe ich meinem ursprünglich auf Facebook begonnenen Projekt – jeden Tag einen Song zu posten – eine eigene digitale Heimstatt gewidmet. songoftheday. funktioniert technisch prima als Tumbelog. Damit war ich einer von Hunderttausenden, die diese Infrastruktur zur schnellst wachsenden Plattform unter den (Micro-)Blogsystemen im Jahr 2011 gemacht haben.

songoftheday.

Anstoß dazu gaben Freunde, die zwar meine Musiktipps mögen, aber eben nicht geschlossene soziale Netzwerke. Hätten bei mir selber nicht professionelle Notwendigkeiten Pate gestanden, wäre ich garantiert auch ein Facebook-Abstinenzler. Doch inzwischen bereitet der dortige „Freundeskreis“ durchaus Freude und eine Reihe mir heute wichtiger Menschen lernte ich so kennen. Doch dies nur am Rande. Eigentlich geht es hier und heute um die Frage, ob meine Tageslieder nicht ein zu nacktes Dasein fristen. Denn die Grundidee „Ein Tag, ein Song, keine Worte“ erscheint mir selber zwar nach wie vor charmant, schöpfe ich ja aus einem immer noch üppigen Informationsfundus aus vergangenen musikjournalistischen Tagen. Doch wie mir manch Feedback bedeutet, kann nicht jeder die bisweilen oberflächlich krude Mischung nachvollziehen oder gar zum Genuss werden lassen – so gänzlich erklärungslos.

Suchmaschinen freuten sich natürlich auch über Worte. Außerdem wäre dann die Möglichkeit gegeben, dem eigentlichen Sinn des Internetzes gerecht zu werden: eben dem Vernetzen (in diesem Fall: Links setzen). Mein Aufwand, der bisher in der Regel in einer halben morgendlichen Stunde  besteht, erhöhte sich nur marginal. Doch was wollt Ihr? Eine Fortsetzung des nackten Pop-Eklektizismus oder aber auch noch Wissen vor Acht? Die Zusammensetzung dieses Endlosmixtapes wird allerdings bestehen bleiben: Zwei Drittel Neuerscheinungen, den Rest grabe ich aus meinem musikalischen Langzeitgedächtnis.


Halber Teller mit pochiertem Ochsenfilet

Zu viel ist nur die Hälfte wert! Zumindest kenne ich nur wenige Genüsse, deren Überfluss mir Labsal wäre. Und dennoch bin ich ein Mensch, dem im Alltag Theorie und Praxis oft herrlich auseinanderdriften. Auch wenn dem meisten Tun und Denken eine Reduktionsprämisse zu Grunde liegt, widerstrebt dem Kreativeuphoriker prozessuale Begrenzung. Das klingt akademischer, als es sich in der Realität niederschlägt. Nicht gemeint ist der Hang zum eigentlichen Exzess. Eher schon der Reflex, alles, was Interesse weckt, sofort zu wollen. Und natürlich das emotionale Wissen, dass zu brennen gut ist, zu verbleichen böse.

Übervolle Teller entstehen ja nicht nach Plan. Eher schon, weil zwei oder mehr Gänge zusammen wachsen, einer Mischung aus Gier und Faulheit geschuldet. Auf dem Foto zum Beispiel ist mindestens ein Element überzählig. Der ausgebackene Chicorée war eigentlich samt einem Joghurtdip als Entrée vorgesehen. Und der geschmorte Radicchio sollte ursprünglich zwischen Lasagneblättern verschwinden. Nur das pochierte Ochsenfilet und der Kräuterkram waren so gewollt. Geschmeckt hat alles für sich großartig, besonders nach dem Fleischgenuss bin ich mir sicher, dass im würzigen Sud Garziehen lassen mir eine Lieblingsmethode wird für feine Filets aller Art.

Ein Hagenbroicher Ochse war übrigens Garant für großartigen Geschmack. Häufig schon habe ich Teile davon auf Tellern von Thomas Teigelkamp in der Alten Villa Ling verspeist und war jedes Mal begeistert. Nun kenne ich die Quelle und werde kaum ein anderes Rindvieh mehr in meine Küche lassen.


Mashup

Samstage sind dem Deutschen traditionell kulinarisches Durcheinander. Zur Geschichte der Nazi-Eintöpfe schrieb ich einst das Nötige, dennoch mag ich’s an diesen Tagen, die eher von logistischem Tun und Flurbereinigungsprojekten geprägt sind, schnell und in einem einzigen Kochgeschirr. Auf die musikalische Ebene verlagert spricht der Experte da gerne von Mashups oder gar Bastard-Pop. Genres, die bisweilen riesige Schrotthaufen generieren. Wenn’s gut geht, also die Gesangsspur des einen Artisten gekonnt mit den Beats eines anderen verwoben wurden, entsteht mehr als die Ursprünge vermochten. Seit Danger Mouse 2004 Jay-Z und die Beatles verheiratete und aus schwarz und weiß grau machte (The Grey Album), freue ich mich hin und wieder an gelungener DJ-Kunst. Sola Plexus, bekannt aus dem Susanne Blech Umfeld, hilft mir heute beim rhythmischen Kochen – zusammen mit Adele und Beenie Man. Triumph der Maschine, das neue Susanne Blech Album, erscheint übrigens in wenigen Tagen und wird mindestens lustig.

Adele vs Beenie Man – Feel Me Rolling In The Deep Boy (Sola Plexus)

Der eine Topf war mein Wok. Hinein kamen Reisnudeln, Chinakohl, Chili, Ingwer, Knoblauch, Fisch- und Sojasauce. Eier. Ein Gericht, das keine Asian-Fusion-Küche totglobalisiert bekommt. Einfach genial.

reisnudeln mit chinakohl

Dazu passte übrigens perfekt der Franzen-Riesling, den Lukas Krauß mir empfohlen hatte. Danke für den Tipp!


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